Von der Reformation bis zur Lohmühlegesellschaft

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Ute Maier, Paul Heinzelmann, Dr. Christiane Hauber und Rudolf Renz (von links) allesamt Mitglieder des AKS, stellen die 20. Ausgabe der Spuren, der Beiträge zur Metzinger Stadtgeschichte, vor.  Foto: 

100 Seiten dick ist das neueste Spuren-Heft. Dabei, so blicken die Macher vom Arbeitskreis Stadtgeschichte zurück, war zu Beginn fraglich, ob sie überhaupt genügend Themen zusammenbringen würden. Letzten Endes musste man sich dann aber sogar bremsen, um den Rahmen der Veröffentlichung nicht zu sprengen, blickt Dr. Christiane Hauber zurück. Die Lokalgeschichte hat also einiges zu bieten, wie der Arbeitskreis mit seiner neuesten Veröffentlichung beweist. 700 Jahre der Stadtgeschichte umfasst das Werk. Stadtarchivar Rolf Bidlingmaier befasst sich in einem Beitrag mit „700 Jahre Metzingen bei Württemberg“, der jüngste Artikel ist die Rede von OB Dr. Ulrich Fiedler zum Neujahrsempfang.

Einst Ort der Gerbereien

Aber auch die Zeit dazwischen wird mit interessanten Aufsätzen beleuchtet. Einer der umfangreichsten ist der von Dr. Christiane Hauber, die sich mit der Lohmühlegesellschaft und ihren Gerbern in Metzingen befasst hat. Viel hat sie dazu geforscht, einst war Metzingen ja ein Ort mit zahlreichen Gerbereien, erklärt sie, übrig ist heute noch eine. Sie gibt einen Überblick über die Entwicklung der Lederherstellung in Metzingen, über die Lohgerbung und die Gründung einer Lohmühlegesellschaft. Dieser Zusammenschluss, betont Dr. Hauber, „zeugt von Weitsicht und Aufgeschlossenheit ihrer Mitglieder“. Reich bebildert ist diese Dokumentation, die sich mit der Gesellschaft von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende befasst und die damit „ein grundlegender Beitrag zur Erforschung der Metzinger Industrie- und Handwerksgeschichte ist“, wie AKS-Vorsitzender Rudolf Renz betont.

Der hat auch selbst für die neuen Spuren geforscht, gemeinsam mit Paul Heinzelmann hat er sich in akribischer Forschungsarbeit daran gemacht, an die Metzinger NS-Opfer der Jahre 1933 bis 1945 zu erinnern. Es ist eine Dokumentation „Gegen das Vergessen“, so auch der Titel, die an politisch Verfolgte, jüdische Familien, aber auch an Opfer der Euthanasie erinnert, die aus Metzingen waren. „Wir wollen die Opfer würdigen, ihnen Gesicht und Namen geben“, erklärt Renz. Gleichzeitig will man damit den Anstoß geben, dass in Metzingen doch eine Stele oder Gedenkstätte errichtet wird.

Gesangbücher und Voelters

Auch der Name Voelter taucht mehrmals in dem Journal auf: Zwei Zeitungsartikel beleuchten zum einen einen Chirurgen, zum anderen einen Papierhersteller dieser Familie, aber auch der Baubeginn zum Bürger- und Familienzentrum wird dokumentiert, der ebenfalls eng mit dem Namen Voelter verbunden ist. Bezirkskantor Stephen Blaich hat einen Artikel über die beiden Metzinger Gesangbücher aus dem Jahr 1596  verfasst. Persönlich-unterhaltsam ist der Aufsatz über den Schuster Stotz, ein einstiges Metzinger Unikum, das stets im Leiterwagen, gezogen von einer Ziege, unterwegs war. Zudem gibt es noch Interna aus dem AKS: Kurznachrichten, ein Editorial und einen Reisebericht mit vielen Fotos von der Jahresexkursion nach Prag und Westböhmen. Zu guter Letzt wird ein Buch besprochen, in dem es um eine Familiengeschichte mit Metzinger Wurzeln geht.

So bleibt als Fazit: Das neue Heft des AKS ist anspruchsvoll, abwechslungsreich  und wurde von Ute Maier ansprechend gestaltet, ein Blick hinein lohnt sich für jeden, der sich für die Geschichte aus Metzingen und der Umgebung interessiert. Für die nächste Ausgabe übrigens hat Dr. Christiane Hauber schon ein Thema: die Wasserkraft. Auf das ist sie bei ihren Recherchen zu den Gerbern gestoßen. Allerdings ist es so umfangreich, dass sich dafür eine eigene Arbeit mehr als lohnt, wie sie verrät.

Das neue Spuren-Heft  kann  bestellt werden beim AKS, Taubenweg 5, 72555 Metzingen, Telefon (0 71 23) 6 02 16, Mail: rudolf.renz@aks-metzingen.de.  Verkaufsstellen sind der i-Punkt, die Buchhandlungen Stoll und Widmaier sowie der Kiosk Lutz in Neuhausen.

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