Vom Handballfieber infiziert

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Wer einmal einen Kindergeburtstag ausgerichtet hat oder eine Schulklasse im Zug beobachten konnte, der weiß, welches laute, chaotische Potential in Kindern steckt. Wer allerdings am Donnerstagvormittag die Öschhalle betritt, wird überrascht. Die große Sporthalle ist voller Kinder. Trikots in den unterschiedlichsten Farben. Sie spielen in kleinen Grüppchen über die ganze Halle verteilt. Einige üben Freiwürfe. Andere werfen den Ball gegen die Wand. All das geschieht jedoch in einer erstaunlichen Ordnung und Ruhe. „Man kennt die Kinder ja bereits zum Teil seit Jahren“, erklärt Übungsleiterin Edina Rott die Disziplin der Kinder. Und ergänzt bescheiden: „Die Kinder lieben ja auch alle Handball, da muss man wenig machen.“ Eine Leidenschaft die sie im Camp voll ausleben können. Täuschungen, Technik, Torabschluss – alles wird ihnen hier vermittelt.

Drei Mal im Jahr

Doch auch der spielerische Aspekt kommt nicht zu kurz: Beim „Partner-Zombie-Spiel“ einer Variante des Brennballs oder bei Fünf-Minuten-Spielen, entweder in der Champions League, der Bundes- oder der Wurstliga. 80 Anmeldungen hat sie erhalten, berichtet Gudrun Thon, Geschäftsstellenleiterin der TuS Metzingen. Nach zwei Wochen war das Handballcamp des Vereins komplett ausgebucht. Bereits jetzt gibt es Anfragen für das Sommercamp. Die Kinder reisen zum Teil aus Vaihingen, München oder Calw an. Viele nehmen zum wiederholten Male daran teil. Dreimal jährlich bietet die TuS Metzingen Jungen und Mädchen zwischen acht und 14 Jahren die Möglichkeit unter der professionellen Anweisung von Edina Rott, Csaba Konkoly und Spielerinnen des Profiteams ihre Fertigkeiten im Handball spielerisch zu verbessern.

Edina Rott ist im echten Leben Trainerin des Profis. Mit ihrem kurzen platinblonden Haar wirkt sie auf den ersten Blick streng. Ein Eindruck, der sich aber nicht bestätigt. Stattdessen steht einem eine eloquente und handballbegeisterte Frau gegenüber, die eine natürliche, kompetente Autorität ausstrahlt. Eine Vollbluttrainerin eben. Was sie sofort unter Beweis stellt, als sie etwas sieht was ihr nicht gefällt: Von der Tribüne der Halle gibt sie Anweisungen. Sie muss dabei nicht laut werden, denn die Halle wird prompt ruhig und die Kinder schauen sie erwartungsvoll an. Als sie gehört habe, dass wieder 80 Kinder fürs Handball-Camp angemeldet seien, habe sie zunächst schon ein bisschen Respekt vor der Herausforderung empfunden. Doch wenn sie die Jungs und Mädchen dann gespannt und in freudiger Erwartung in der Halle sitzen sehe, verflögen alle Bedenken, erklärt die Trainerin.

Wenn das dreitägige Trainingscamp am heutigen Freitag zu Ende geht, bekommen die Mädchen und Jungen Urkunden und Preise verliehen, wertvolle Tipps und Autogramme von Spielerinnen aus dem Profiteam und Gummibärchen. Für viele von ihnen wird es das letzte Mal gewesen sein, denn nächstes Jahr sind sie bereits zu alt. „Wir befinden uns gerade in einer Umbruchsituation, da viele der Kinder mit denen wir angefangen haben, bald zu groß sind, um teilzunehmen. Es kommen jetzt wieder viele Kleine hinzu.“

Einige der größeren Kinder werden der TuS Metzingen allerdings erhalten bleiben: „Es ist eine tolle Möglichkeit, die Kinder emotional an uns zu binden“ erklärt Gudrun Thon die Vorteile, die das Camp für den Verein bietet. So wird man einige der Kinder in Zukunft nicht mehr in den Trainingslagern wiederfinden, dafür aber in den Jungendmannschaften des Vereins. In nicht allzu ferner Zukunft vielleicht sogar auch bei den Profis der Tussies in der ersten Handball-Bundesliga.

Eine Hoffnung, die auch Lisann heimlich hegt. Die Dreizehnjährige ist begeisterte Handballerin und antwortet auf die Frage, was ihr an dem Camp gefalle kurz und bündig: „Alles“, und grinst dabei über beide Backen.

Auch ihren kleinen Bruder hat sie anscheinend mit ihrem Handballfieber angesteckt: Hardy ist neun und nimmt bereits zum dritten Mal am Camp der TuS Metzingen teil. Auch ihr Vater ist begeistert: „Die Kinder kommen hier mit ihren Idolen in Kontakt und können von ihnen lernen. Ganz toll.“

Kinder haben sich zum Handball-Camp der TuS Metzingen angemeldet. Viele nehmen auch eine längere Anfahrt in Kauf, um dabei sein zu können.

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