Vierfach im Elternglück

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Der Schwangerschaftstest zeigte ein positives Ergebnis, Bianca Schulz und ihr Freund Stephan Maul waren zu der Zeit in den USA im Urlaub. Wieder zuhause erfuhr die Schwangere, dass nicht ein Kind in ihr heranwuchs, auch keine Zwillinge oder Drillinge, sondern dass sie gleich vier Kinder in sich trug.

Die Freude über dieses vierfache Elternglück hielt sich zunächst sehr in Grenzen. „Ich habe eine Woche lang geweint“, erzählt die vierfache Mutter, ihr Freund hingegen sah allem etwas gelassener entgegen. Die Risiken einer solchen Mehrfachschwangerschaft sind hoch, sowohl für die Mutter als auch für die Kinder. Weshalb die Ärzte stets als Option anbieten, einen Teil der Kinder abzutreiben. In ihrem Fall hätte das geheißen, den Einling oder die eineiigen Drillinge. „Die Gefahr, dass alle Kinder abgehen, war aber hoch“, erzählt sie. So dachten sie sich, dass es wohl einfach so sein sollte und sie und ihr Freund quasi von einem Tag zum anderen vom Paar zur Großfamilie werden.

Neun Wochen zu früh

Der Tag war am 23. März 2016, neun Wochen zu früh, was bei Vierlingen durchaus gut ist. Bianca Schulz wurde von Anfang an als hochrisikoschwanger eingestuft und durfte nicht mehr arbeiten. Die letzten vier Wochen vor dem Kaiserschnitt verbrachte sie in Stuttgart in einem Krankenhaus, bewegen konnte sie sich kaum mehr. Ziel war, dass sich die Kinder so lange wie möglich im Mutterleib entwickeln können. Als bei einem der Drillingsmädchen die Gefahr einer Unterversorgung gegeben war, erfolgte der Kaiserschnitt. Mehr als 20 Ärzte und Krankenschwestern waren zugegen, die Kinder waren den Umständen entsprechend wohlauf. Die Mädchen Lilly, Frida und Jule waren allesamt leichter, weil sie sich eine Plazenta teilen mussten, die leichteste wog 1150 Gramm, der Bube Moritz hingegen brachte es auf 1600 Gramm, das sei wohl seiner „Einzelwohnung“ zu verdanken, meint Bianca Schulz scherzhaft. Bei den frischgebackenen Eltern herrschte nach der Geburt vor allem eines: Glück und Freude darüber, dass alle ihre Kinder gesund sind.

Nach einigen Wochen im Krankenhaus durfte die 34-Jährige mit ihrem Viererpack nach Hause. Eine große Herausforderung, bis heute. „Alleine ist das nicht zu schaffen“, erzählt Bianca Schulz. Ihr 37-jähriger Freund hatte die ersten fünf Monate Elternzeit, außerdem stellt das Jugendamt eine Familienhelferin, die drei Tage pro Woche kommt. Auch die Großeltern müssen regelmäßig ran, denn vier Kinder gleichzeitig zu versorgen, ist schlicht unmöglich. Auch wenn es nach draußen geht, braucht sie Begleitung, denn die Kinder sind in zwei Zwillingswägen untergebracht. Um all das zu bewältigen, hat die Familie den Tag komplett durchgetaktet, „wie in einem Großunternehmen“.

Alle drei bis vier Stunden wird gefüttert, „das ist wie eine Raubtierfütterung“, lacht Schulz, die Schlafzeiten sind festgelegt, und wenn es ans Wickeln geht, muss es ruckzuck gehen, denn meist quengelt eines der anderen schon. Sie nimmt zwischenzeitlich fast alles gelassen hin: „Wir haben schon Zeiten, in denen immer eines weint, aber das darf man sich einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen.“

Manchmal bedaure sie es dennoch, dass sie sich nicht für jedes Kind mehr Zeit nehmen kann, sagt Bianca Schulz. Babyschwimmen oder -massage wie es andere Mütter mit ihrem Nachwuchs machen, geht eben nicht. Den Kindern fehlt dadurch aber nichts, haben ihr die Hebammen versichert. „Sie wissen ja schließlich nicht, wie es wäre, als Einzelkind aufzuwachsen.“ Zudem bietet es ungeheure Vorteile, gemeinsam mit drei gleichaltrigen Geschwistern aufzuwachsen. Das macht sich beispielsweise am Schlaf bemerkbar, recht früh haben die vier schon durchgeschlafen, denn sie nächtigen jeweils zu zweit mit einem Elternteil im Bett, diese Nähe wirkt sich positiv aus. „Sonst würden wir nicht zum Schlafen kommen“, ist sich Bianca Schulz sicher, wahrscheinlich wäre sie die ganze Nacht unterwegs, um hier mal einen verlorenen Schnuller zu suchen oder da mal kurz eines der Kinder zu beruhigen.

Langsam werden die vier mobil, robben durch die Wohnung, brabbeln vor sich hin und erkunden ihre Umgebung. Das erleichtert den Eltern einiges, stellt sie aber auch vor neue Herausforderungen. Ihre Wohnung in Stuttgart mussten sie kurz nach der Geburt wechseln, weil sie zu klein war. Irgendwann fiel dann die Entscheidung, nach Metzingen zu ziehen, nach Weihnachten war der Umzug. Bianca Schulz ist hier aufgewachsen und ihre Eltern wohnen im Neugreuth und auch die Schwiegereltern sind näher, das ist ungemein hilfreich. Aber auch die finanzielle Situation war mit ein Grund.

Es gab Begrüßungsgeld

Denn Vierlinge sind teuer, einfach, weil man alles vierfach braucht: Babyausstattung, Kindersitze, Schoppenpulver, allein Windeln verbrauchen sie mehr als 20 pro Tag, da war eine große Wohnung im Raum Stuttgart nicht bezahlbar. Die Familie ist glücklicherweise noch in den Genuss des „Begrüßungsgeld“ des Landes für Mehrlinge gekommen, das zwischenzeitlich abgeschafft worden ist. „So konnten wir uns den Bus leisten, den wir mit vier Kindern brauchen.“ Aufs Elterngeld gibt es einen Mehrlingszuschlag, aber verlängert werden die Zahlungen nicht. Sodass sie gut kalkulieren müssen und Bianca Schulz wird im Herbst wieder zu arbeiten beginnen. Ihre Kleinen kommen ab Mai in die Kita: nach Riederich, denn in keiner der Metzinger Einrichtungen gab es vier Plätze in einer Gruppe. Was sie dann macht, während ihre Kleinen außer Haus sind, weiß sie genau: Etwas Zeit für sich haben und die Ruhe genießen.

Trotz aller Arbeit und Anstrengung ist die ganze Familie glücklich mit den vier Kleinen, „es ist toll, dass alle gesund sind, wir würden keines mehr hergeben“, sagen die Eltern. Auch die Großeltern genießen den großen Enkelsegen und kommen regelmäßig zum Helfen. Wenn man in der Stadt unterwegs sei, sorge das immer für enorm viel Aufsehen, erzählt Opa Rolf Schulz. Klar, denn Vierlinge sind etwas ganze Besonderes.

Mehrlingsschwangerschaften sind im Grunde nicht so ungewöhnlich und es werden immer mehr. Das liegt zu einen daran, dass die Wahrscheinlichkeit mit zunehmendem Lebensalter steigt, ebenso wenn es zuvor eine Hormonbehandlung oder eine In-Vitro-Fertilisation gab. So wurden laut statistischem Bundesamt im Jahr 2012 in Deutschland 673 500 Kinder geboren. 11 880 davon waren Mehrlingsgeburten. Allerdings waren unter diesen Mehrlingen nur drei Vierlinge. Zum Vergleich: Die statistische Wahrscheinlichkeit für Zwillinge liegt bei 1 bis 1,4 Prozent, die für Vierlinge bei 0,0002 Prozent.

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