Untersuchung benennt Reutlingen als Sorgenkind

Landesweit rechnen die Kommunen mit Rekordsteuereinnahmen und steigenden Gesamtinvestitionen. Die Kommunen in der Region Neckar-Alb liegen großteils im Trend, teilt die IHK Reutlingen mit.

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Nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Kommunalwirtschaft steht Reutlingen finanziell nicht allzu gut da.  Foto: 

Erneut haben die Experten der Gesellschaft für Kommunalwirtschaft in Böblingen im Auftrag der IHKs in ganz Baden-Württemberg die Haushalte von 93 Großen Kreisstädten und insgesamt 104 Städten untersucht. Die Analyse zeigt: Landesweit rechnen die Großen Kreisstädte gegenüber dem Vorjahr mit einem durchschnittlichen Anstieg von 5,33 Prozent bei den Gesamtsteuereinnahmen. Die Großen Kreisstädte in der Region Neckar-Alb bleiben mit einer geplanten Zunahme von 4,83 Prozent nur knapp dahinter zurück. An der Spitze finden sich Albstadt mit einem Plus von 8,64 Prozent und Tübingen mit plus 7,30 Prozent. Das Schlusslicht bildet hier Reutlingen mit plus 1,80 Prozent.

Bezogen auf die Gewerbesteuereinnahmen liegen die Kommunen in der Region mit einer erwarteten Zunahme von 5,35 Prozent sogar leicht über dem Landestrend. Dabei gibt es jedoch große Unterschiede. Tübingen (plus 12,66 Prozent) und Albstadt (plus 11,87 Prozent) planen deutliche Zunahmen. Reutlingen hingegen geht lediglich von einem Wachstum von 0,55 Prozent, und Balingen rechnet mit einem Plus von 0,24 Prozent.

Saldiert man alle laufenden Einnahmen und alle laufenden Ausgaben zuzüglich der Belastungen aus ordentlichen Tilgungen, ergibt sich die Kennzahl "Freie Spitze". Sie stellt dar, welcher Betrag als laufender Einnahmeüberschuss für die Investitionsfinanzierung zur Verfügung gestellt werden kann. Ist der Betrag negativ, lebt die Stadt von ihrer Substanz. In der Region erwartet Rottenburg eine "Freie Spitze" von 212,50 Euro je Einwohner und belegt damit landesweit einen achten Platz. Es folgen Mössingen mit 162,13 Euro je Einwohner (Platz 16 im Ranking) und Balingen mit 142,88 Euro je Einwohner (Platz 18). Reutlingen erreicht mit minus 80,29 Euro je Einwohner keinen positiven Wert. Landesweit steigen die Gesamtinvestitionen in den Planungen der Großen Kreisstädte um 5,39 Prozent. In der Region Neckar-Alb beträgt die Zunahme durchschnittlich nur 3,49 Prozent. Auch hier ergibt sich ein sehr unterschiedliches Bild. In Metzingen und Rottenburg sind für 2014 mehr Investitionen als im Vorjahr geplant. In Reutlingen gehen die Investitionen um 24,12 Prozent zurück. Mit einem Wert von 282,12 Euro je Einwohner bedeutet dies landesweit den 86. Platz. Metzingen (713,64 Euro je Einwohner) und Mössingen (687,68 Euro je Einwohner) belegen landesweit Plätze im oberen Bereich.

Die durchschnittliche Verschuldung des Kernhaushalts - ohne Eigenbetriebe und Beteiligungen - liegt bei den Großen Kreisstädten landesweit bei 542,95 Euro je Einwohner. In der Region Neckar-Alb lautet der Wert 727,96 Euro pro Einwohner und ist damit überdurchschnittlich. Erfreulich: Albstadt, Metzingen, Rottenburg und Tübingen gelingt es, trotz der Investitionen den Schuldenstand zu senken. Den höchsten Schuldenstand hat in der Planung mit 1166,70 Euro je Einwohner Reutlingen. Am wenigsten Schulden hat mit 317,19 Euro je Einwohner Mössingen.

"Die diesjährigen Kennzahlen legen den Schluss nahe, dass die von der Stadtspitze Reutlingens in der Vergangenheit benannten strukturellen Probleme der Stadt Wirkung zeigen", erläutert Dr. Jens Jasper, Bereichsleiter Recht und Steuern bei der IHK Reutlingen. Das sieht man bei der IHK mit Sorge, auch wenn nach dem Finanzzwischenbericht I/2014 der Stadt Reutlingen der Schuldenstand auf 810 Euro pro Einwohner reduziert werden konnte. Auf der anderen Seite geht man in dem Bericht davon aus, dass die geplanten Gewerbesteuereinnahmen in 2014 nicht erreicht werden.

Hintergrund der Analyse

Mit ihren 34 Kennzahlen soll die Analyse der Gesellschaft für Kommunalwirtschaft in Böblingen mehr Transparenz über Kommunalfinanzen schaffen und Entwicklungen und Unterschiede aufzeigen. Die Analyse beruht auf den Angaben der Haushalte 2014. Von den Planungen abweichende tatsächliche Entwicklungen sind nicht einbezogen. Die Kennzahlen bieten eine Orientierungshilfe über den Stand einer Gemeinde, sie ersetzen nicht eine im Einzelfall notwendige weitergehende Analyse. Aus der Region Neckar-Alb sind Albstadt, Balingen, Metzingen, Mössingen, Reutlingen, Rottenburg und Tübingen dabei.

SWP

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Als einer der jüngsten Nachwuchskräfte leitet er die Ortsgruppe der CDU, ist im geschäftsführenden Vorstand des Kreisverbands und bei der Jungen Union. weiter lesen