Und Django reitet durch die Nacht

Ein Mal im Jahr verwandelt sich der Metzinger Bauhof in einen großen Freiluft-Kinosaal. Dieses Wochenende ist es wieder soweit. Mit dem Western-Streifen Django startete das Open-Air-Kino schon am Donnerstag.

|
Vorherige Inhalte
  • Der erste Abend im Open-Air-Kino war ganz gut besucht, auch wenn mancher Stuhl leer blieb. Fotos: Natalie Eckelt 1/2
    Der erste Abend im Open-Air-Kino war ganz gut besucht, auch wenn mancher Stuhl leer blieb. Fotos: Natalie Eckelt
  • Und Django reitet über die Metzinger Leinwand. 2/2
    Und Django reitet über die Metzinger Leinwand.
Nächste Inhalte

Vor dem nachtblauen Himmel über dem Bauhof leuchteten am Donnerstagabend nicht nur die Sterne. Auf einer fünf auf zehn Meter großen Leinwand ritten der Sklave Django und sein Kumpan Dr. Schultz über den Metzinger Nachthimmel und die schneebedeckte Prärie des wilden Westens in der Zeit kurz vor dem amerikanischen Bürgerkrieg.

Wenn auch nicht alle der 300 weißen Gartenstühle im Open-Air-Kino besetzt waren, waren doch viele Italo-Western-Fans gekommen, um den Quentin Tarantino Film unter freiem Himmel zu erleben. Besonders die Liegestühle ganz vorn waren schnell vergriffen. Der Duft von Popcorn lag in der Luft und die Wege zum Ausgang waren mit Windlichtern und Fackeln beleuchtet. Stephanie Laib vom Mitveranstalter Metzingen Marketing und Tourismus GmbH weiß, was den Zauber des Open-Air-Kinos ausmacht: "Kino im Freien ist einfach etwas besonderes", sagt sie.

"Zu diesem Freiluftambiente kommt dann noch der Industriecharme des Bauhof-Areals und dazu noch das gigantische Wetter." Selbst wenn es geregnet hätte, wäre man dafür im Bauhof mit der großen Überdachung im Freien gut gerüstet gewesen. Die Zuschauer hatten aber Glück, es blieb trocken und wurde auch erst später am Abend richtig frisch.

Hartgesottene Open-Air-Kino-Gänger konnte man gleich an ihren Wolldecken unterm Arm erkennen, um die sie die weniger erfahrenen Freiluftgucker spätestens nach der zweiten Pause beneideten. Zwei Pausen kamen den Zuschauern gerade recht, da sie die Chance nutzen konnten, sich bei den Ständchen der Metzinger Skizunft und des Fördervereins Kino und Kultur mit Roten, Popcorn und Süßigkeiten einzudecken. Die beiden Pausen hatten aber noch einen anderen Grund.

Thorsten Heil vom Luna-Filmtheater in Metzingen musste bei der gigantischen Django-Filmlänge von drei Stunden nämlich gleich drei Mal die Filmrollen wechseln. Das tat er im Hinblick auf die Umstellung der 35 mm Filme auf die digitale Abspielung mit wehmütigem Herzen. Schon im Oktober soll im Luna nämlich auf den digitalen Film umgestellt werden. "Da geht schon ein wenig Zauber verloren", erzählt er. "Immerhin waren das 120 Jahre Filmgeschichte."

Für den Zuschauer ergebe sich dadurch aber kein Unterschied, nur bei ihm im Abspielraum geht damit ein wenig Nostalgie zu Ende. Das Klickern und Zucken der Filmrolle wie in alten Tagen konnten die Open-Air-Kinogänger diesmal noch voll und ganz mitnehmen. Und das auf einer viel größeren Leinwand, als im Luna. "Dort ist die Leinwand sieben auf dreieinhalb Meter groß, die aufblasbare Leinwand hier ist fünf auf zehn Meter groß." Da kamen die mächtigen Südstaatenplantagen und die kultigen Westernstädte des Films noch eindrucksvoller rüber. Damit die große Leinwand auch drei Stunden durchhalten kann, braucht es viel Luft. "Das funktioniert wie bei einer Hüpfburg, da wird andauernd Luft reingeblasen", so der Kinofachmann. Aufgebaut war die Leinwand schnell. "Das hat nur rund fünf Minuten gedauert", so Stephanie Laib. Trotzdem ist so ein Open-Air-Kino-Ereignis ein viel größerer Aufwand, schließlich muss ein ganzes Kino nach draußen. Da ist Thorsten Heil doch einen Tick nervöser als sonst. "Eigentlich kann nicht viel schief gehen", sagt er. Als ihm aber neulich beim Open-Air-Kino in Reutlingen der Film gerissen ist, sei er doch kurz ins Schwitzen gekommen. So etwas passiere aber sehr selten.

Nach Nürtingen, Bad Urach, Dettingen und Reutlingen ist nun Metzingen die letzte Station des Sommer-Open-Air-Kinos. Welche Filme gezeigt werden, das entscheidet Thorsten Heil zusammen mit dem Förderverein. "Die Wahl war in diesem Jahr nicht so einfach, weil es keine so klaren Favoriten gab", erzählt er.

"Wir haben versucht, etwas für alle Geschmäcker zu zeigen", so Stephanie Laib von der MMT. Während der Italo-Western "Django - Unchained" mit Jamie Foxx und dem deutschen Schauspieler Christoph Waltz mit jeder Menge detailreicher Schusswechsel und einer Altersfreigabe ab 16 eher etwas für erwachsene Westernfans war, ging es dann am Freitag mit dem "Nachtzug nach Lissabon" weniger actionreich zu. Als letzter Film steht nun am heutigen Samstag mit "Die Kirche bleibt im Dorf" noch eine Komödie auf dem Programm, bei der es heiter und vor allem schwäbisch zugeht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gesucht: Ideen und Investoren

Die Stadt will das Areal rund um den Ulrichsturm neu gestalten. Am Montag startet deswegen ein Architekten- und Investorenwettbewerb. weiter lesen