Trockener See als Attraktion

1964 ging das Pumpspeicherwerk Glems mit dem dazugehörigen Stausee in Betrieb. Erstmals in diesen 50 Jahren ist der See jetzt fast komplett geleert, weil ein Verschluss ausgetauscht werden muss.

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Emsiges Treiben am unteren Staubecken des Pumpspeicherwerkes Glems: Dort haben zum einen die Vorarbeiten zum Austausch der Entlastungsverschlüsse begonnen. Weithin sichtbarer Schritt dazu ist die vollständige Leerung der Talsperre. Auf dem trockengelegten Seegrund ist eine Baustraße angelegt worden, um auf ihr gefahrlos bis zum Grundablasseinlauf vorzukommen. Die Straße bleibt später erhalten, wird aber komplett unter der Wasseroberfläche verschwinden. Rund um den Einlauf wird ein Spundwandkasten errichtet, um den Einlauf schlammfrei legen zu können. Der eigentliche Verschluss befindet sich im Häuschen am Fuße des Staudamms, in der so genannten Schieberkammer. Der Verschluss dort wird durch zwei neue ersetzt. Der Doppelverschluss ist inzwischen Vorschrift, mit dem Austausch wird die Betriebssicherheit für Notsituationen erhöht, wie Dr. Jörg Franke, zuständiger Projektleiter der EnBW, erklärt. Eine solche Notsituation könnte etwa ein zehntausendjähriges Hochwasserereignis oder ein starkes Erdbeben sein. Dann müsste das Wasser eventuell schneller abzulassen sein, als das jetzt über die zwei vergangenen Wochen der Fall war. Tatsächlich fürchtet Franke einen solchen Fall nicht. Das Hochwasser im vergangenen Jahr war für den Stausee jedenfalls kein Problem, im Gegenteil: „Wir haben damals sogar noch Wasser gespeichert und später kontrolliert abgegeben, das hat Metzingen sehr gut getan“, verdeutlicht Franke.

Rund um den Einlauf staut sich derzeit noch eine letzte Restmenge Wasser, in der sich die Fische des Sees gesammelt haben. Seit gestern sind nun Mitglieder des Fischereivereins Ermstal damit beschäftigt, die Fische aus dem Wasser zu holen (einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie in unserer Samstagausgabe).

Insgesamt werden sich die Sanierungsarbeiten bis in den Oktober ziehen. Der Verschluss auf der Wasserseite des Dammes soll bis Ende Juni sitzen, dann wird die Wiederbefüllung etwa vier Wochen in Anspruch nehmen. Ab August kann das Pumpspeicherwerk dann mit gedrosselter Leistung wieder angefahren werden. Erst danach erfolgt der Austausch in der Schieberkammer.

Die EnBW veranschlagt die Kosten mit rund einer Million Euro. Dass dieses Geld auch sinnvoll investiert ist, davon machte sich gestern der Vorstandsvorsitzende der EnBW, Dr. Frank Mastiaux, persönlich vor Ort ein Bild.

„Es ist beachtlich, was Sie hier machen“, lobt <NO1>EnBW-Chef Dr. Frank<NO>Mastiaux <NO1>zu Beginn seines Besuchs<NO>den Kreis Reutlingen – „und es ist gut, dass Sie das nicht erst seit gestern machen, sondern schon vor Jahren begonnen haben.“ Landrat Thomas Reumann hatte im Schnelldurchgang im Sitzungssaal des Landratsamtes vor Abgeordneten und Kommunalpolitikern einen Überblick über die regionalen Projekte gegeben. Vor allem die Zertifizierung beim European Energy Award beeindruckte den Energie-Manager: „Da robben Sie sich rasch in die Gold-Klasse vor!“
Der gebürtige Essener Mastiaux hat sich vorgenommen, sukzessive das Versorgungsgebiet der EnBW kennenzulernen. „Wir sind schon in der Region angekommen“, versicherte er dem Auditorium, der Sohn studiert in Tübingen und „ich trage zur Wertschöpfung durch Abbuchungen von meiner Kreditkarte bei Shopping-Touren meiner Tochter in der Outletcity Metzingen bei.“
Mastiaux, promovierter Chemiker, macht derzeit vor allem durch sein Effizienzprogramm von sich reden, das dem Energiekonzern ein radikales Abspecken verordnete. Der Stratege erläuterte seine Vorstellungen vom Umbau und der Neuausrichtung des Unternehmens mit rund 20<TH>000 Mitarbeitern. Dabei kann er sich bereits erste Erfolge ans Revers heften. Die EnBW kommt in der ersten Bilanz, die Mastiaux mit zu verantworten hat – er übernahm im Oktober 2012 den Vorsitz der Geschäftsführung – mit einem „blauen Auge“ davon, während die Konkurrenz „röchelt“, wie die Wirtschaftswoche schrieb. Der „Economist“ attestierte der EnBW, das „am deutlichsten veränderungsbereite Unternehmen Europas“ zu sein.
Wichtigste regionale Auswirkung des neuen Kurses<NO1>und des technischen Fortschritts<NO> ist mit Sicherheit laut Mastiaux, dass es „keinen wirtschaftlichen Anreiz für weitere Speicheranlagen wie in Glems gibt“. Der Spitzenbedarf in der Mittagszeit, den das Wasser aus dem Hochbehälter bislang deckte, lasse sich mittlerweile durch Solarenergie abdecken.

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