Treue Helfer in der Not

25 Jahre gibt es den Verein Notnagel. Seine Hilfe ist noch immer dringend nötig, Spender gibt es viele, allerdings fehlt es an tatkräftigen Helfern.

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Notnagel 25 Jahre, Packmannschaft, MEMV 01  Foto: 

25 Jahre sind vergangen, seit der Verein Notnagel gegründet worden ist. Das Hauptanliegen damals: Hilfstransporte nach Siebenbürgern und Hermannsstadt zu schicken, um die Not in dieser Region Rumäniens zu lindern. Der Gründer, Dr. Otto Oertel, ist dorthin gereist, nachdem er als Kinderarzt in den Ruhestand gegangen ist – und war zutiefst erschüttert von dem, was er dort gesehen hat.

„Das Elend war unvorstellbar“, erzählt die heutige Vereinsvorsitzende, Barbara Heller. Es herrschte eine Riesenarmut, in den Waisenhäusern und Altenheimen boten sich im erschreckende Szenarien, die Menschen besaßen fast nichts, statt sanitärer Anlagen gab es Kloakenrinnen. Dr. Oertel gründete mit fünf Mitstreitern den Verein Notnagel, der fortan zwei mal pro Jahr mit Lastwagen aus dem Ermstal nach Siebenbürgen fuhr, um Waren zu liefern. 19 Mal war Oertel selbst dabei.

Vor neun Jahren hat Barbara Heller den Vorsitz übernommen, nachdem der Fortbestand des Vereins auf der Kippe stand, weil sich zunächst niemand fand, der in Dr. Oertels Fußstapfen treten wollte. Heller, die ihn seit langem kennt und über die Maßen schätzt, wie sie betont, hat irgendwann das Amt der Schriftführerin übernommen und erklärte sich dann spontan bereit, seine Nachfolge anzutreten, damit der Verein weiterleben und weiter Gutes tun kann.

Denn Hilfe in Siebenbürgen wird nach wie vor dringend benötigt. Gerade im Hinterland, das ländlich geprägt ist, herrscht Not, oder, wie Barbara Heller sagt: „Es hakt an allem“. Alle zwei Jahre reist sie dorthin, um sich ein Bild zu machen, was wo gebraucht wird. In Rumänien hat der Verein ein ganzes Netzwerk von Helfern: Sie verteilen die Waren, die ankommen, weiter, sie organisieren Basare, mit deren Erlös sie Dinge kaufen oder unterstützen arme Menschen. So gibt es beispielsweise die Seniorenpaten: Zehn Euro pro Monat gehen an bedürftige Rentner, deren Rente ansonsten nur 60 Euro im Monate beträgt.

Sachspenden gehen nach wie vor viele ein, erzählt Heller, an was es vor allem fehlt, sind Helfer, die diese sortieren und zum Transport verpacken. Notnagel hat einen Lagerraum von der Stadt in Metzingen, die aktiven Vereinsmitglieder sind allerdings großteils nicht mehr die Jüngsten. „Die Männer, die die LKWs beladen, sind älter als 80“, erzählt Barbara Heller, auch die Sortierfrauen sind teilweise älter als 70. Ihnen wird die Arbeit zu schwer, dringend bräuchte man kräftige Nachwuchskräfte, die mit anpacken.

Zwar haben samstagmorgens auch schon Mal die Pfadfinder geholfen, erzählt Heller, doch wenn ein Transport unter der Woche losfährt, wird es fast ein Ding der Unmöglichkeit, außerhalb der Stammmannschaft jemanden zu finden. Unverzichtbar sind da solche Helfer wie ein gebürtiger Rumäne, der in Deutschland lebt und der immer wieder Transporte organisiert und begleitet oder die Hilfskräfte in Rumänien, die über den eigenen Beruf hinaus einen enormen Einsatz an den Tag legen.

Notnagel hilft übrigens nicht mehr nur in Rumänien, auch wenn die Projekte in Siebenbürgen weiter eine großen Teil der Aktivitäten ausmachen. „Wir helfen, wo Hilfe benötigt wird“, lautet das Motto des Vereins, unterstützt werden Menschen in Not ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht, Religion oder Nationalität. Etwa das Ferientagheim in Metzingen, ein Junge mit Behinderung auf der Alb oder die Abteilung für Altersmedizin in der Ermstalklinik, denen Rollatoren gespendet worden sind.

Mit was der Verein zu kämpfen hat, ist die zunehmende Bürokratie. So dürfen medizinische Geräte laut EU-Richtlinien nicht älter als 15 Jahre sein, egal, ob sie noch funktionieren und ob sie dringend gebraucht werden, um Menschenleben zu retten und obwohl viele Krankenhäuser oder Pflegeheime in Rumänien sie nicht besitzen. Auch sonst gibt es immer mehr Vorschriften für Transporte, die eingehalten werden müssen. Dabei ist das einzige Ansinnen des Vereins seit seiner Gründung nur eines: Not zu lindern, unbürokratisch und direkt vor Ort.

Info Der Verein Notnagel feiert am 3. Juni sein 25-jähriges Bestehen in der Festkelter in Metzingen.

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