Streben nach fairer Ordnung

Fair gehandelte Waren zu kaufen liegt im Trend. Doch es geht um mehr, als um Kaffee und Tee. Vor dem Weltladentag sprachen wir mit David Allison.

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    David Allison, Vorstandsmitglied im Förderkreis Solidarische Welt, der den Weltladen betreibt. Foto: 
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    Der Weltladen in der Pfleghofstraße. Am Samstag ist Weltladentag. Foto: 
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Herr Allison, der Weltladen Metzingen verkauft nicht nur fair gehandelte Ware, sondern beteiligt sich vor allem an politischen Kampagnen. Würden Sie als Grüner und Vorstand im Weltladen sich als politischen Aktivisten bezeichnen?

DAVID ALLISON: Ja, ich bin ein politischer Aktivist, auch wenn das komisch klingt. Oder sollte ich besser sagen: Ich bin politisch aktiv. Auch in der örtlichen Politik und auf der Kreisebene. Der Weltladen hat eindeutig ein politisches Anliegen und als Vorstandsmitglied des Fördervereins Solidarische Welt, der den Weltladen betreibt, bin auch ich politisch aktiv. Es geht uns nicht allein darum, faire Waren zu verkaufen, sondern wir sind auch bestrebt, eine faire Weltordnung aufzubauen.

Das machen Sie vom Weltladen ja besonders am kommenden Samstag beim Weltladentag deutlich. Welcher Kampagne schließen Sie sich denn an?

ALLISON: Es geht um den Nationalen Aktionsplan für UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte und darum, Unternehmen haftbar zu machen, wenn Menschen- und Arbeitsrechte in anderen Staaten, wo diese Unternehmen produzieren lassen, nicht eingehalten werden. Die Bundesregierung erarbeitet derzeit eine so genannte Sorgfaltspflicht, aber es geht um die konkreten Formulierungen und wie weit diese dann greifen werden.

Das heißt also, wenn zum Beispiel ein Modeunternehmen oder ein Sportbekleidungshersteller in, sagen wir mal, Bangladesh produzieren lässt und die dortigen Arbeitsbedingungen sind katastrophal, dann könnte das Unternehmen hier bei uns haftbar gemacht werden. Und wer soll das kontrollieren?

ALLISON: Es würde sich um eine gesetzliche Regelung handeln, die Unternehmen müssten diese Einhaltung der UN-Konventionen dokumentieren, und zwar entlang der gesamten Produktionskette.

Wäre es nicht einfacher, die Kunden würden nicht mehr bei solchen Unternehmen kaufen, die unter nachweislich menschenunwürdigen Bedingungen produzieren lassen?

Natürlich reagieren die Unternehmen auf Konsumentendruck. Aber das allein reicht nicht. Wir brauchen die gesetzlichen Bestimmungen.

Diese Kampagne unter dem Titel "Mensch. Macht. Handel. Fair" genauso wie die anderen Kampagnen, die der Weltladen führt, lesen sich recht kompliziert. Man muss sich ins Thema einarbeiten, Hintergründe beleuchten, sich erst einmal eine Meinung bilden. Überfordern Sie da die Bürger nicht?

ALLISON: Es geht nichts anders. Die Themen sind komplex. Ja klar, heutzutage scheinen einfache Lösungen gefragt, Politik wird allzu oft mit Schlagworten betrieben und dies ist ja auch das Problem in der aktuellen Politik. Aber wir wollen dennoch diese komplexen Zusammenhänge öffentlich machen und mit den Leuten darüber ins Gespräch kommen. Wir stellen fest, dass Leute durchaus Interesse daran zeigen.

Können Sie mit solchen Themen auch junge Leute ansprechen?

ALLISON: Wir arbeiten immer wieder mit Schulklassen, Konfirmandengruppen und sonstigen Jugendgruppen. Und wir gehen auch in Schulen und erklären den Welthandel. Ja, ich denke schon, dass sich junge Menschen ansprechen lassen.

Die Weltläden sind ein Kind einer ganz anderen Zeit. Der Metzinger Weltladen wurde 1978 gegründet, damals ging es um Südamerika, um Kaffeeplantagen, um Nicaragua, wo kurz danach die Sandinisten an die Macht kamen. . .

ALLISON: Ja, das war eine andere Zeit. Vor allem haben sich die Weltläden inzwischen professionalisiert. Dennoch würde ich sagen, dass eines der Hauptmerkmale in Metzingen unverändert ist, nämlich die Beteiligung an politischen Prozessen. Wir wollten von Anfang an nicht nur mit fairen Waren handeln, sondern Denkanstöße geben und Themen setzen.

Blicken wir nochmals auf den Weltladentag am Samstag: Was soll denn Ihrer Ansicht nach der Einzelne vor Ort tun?

ALLISON: Den entsprechenden Brief an die Kanzlerin zum Thema Nationaler Aktionsplan unterschreiben. In der Vergangenheit haben wir schon Erfolge mit solchen Aktionen erzielt. Es zeichnet sich zum Beispiel langsam Bewegung auf der EU-Ebene in Sachen Subventionierung von Agrarprodukten ab. Es bringt etwas, sich zu äußern und sich an solchen Kampagnen zu beteiligen. Und es geht auch darum, durch solche Unterschriftenkampagnen der zunehmenden Macht, den die Unternehmen bekommen, etwas entgegen zu setzen. Es ist wichtig, dass wir uns um ein Gleichgewicht bemühen.

Schön und gut. Aber wie könnten, wenn wir nochmals zum Nationalen Aktionsplan kommen, fairer Handel und faire Arbeitsbedingungen, Menschenrechte in Produktionsstätten tausende Kilometer entfernt, konkret in der Stadt Metzingen thematisiert werden?

ALLISON: Es gibt ja das Zertifikat Fair Trade Stadt. Für eine Textil-Stadt, eine Mode-Stadt, eine Outlet City wie Metzingen würde das natürlich hervorragend passen. Wir waren an der Sache schon mal dran, aber es ist sehr komplex und braucht viel Zeit und Energie, um dies umzusetzen.

In Baden-Württemberg gibt es bereits 90 Fair-Trade-Städte und Kommunen. . .

ALLISON: Vielleicht lässt es sich in Metzingen ja doch noch realisieren. Dazu müssten aber viele an einem Strang ziehen: Unternehmen, Einzelhändler, Stadt und der Weltladen.

Zur Person und zur Aktion

David Allison, gebürtiger Brite aus London, seit 1990 in Deutschland, 55 Jahre alt, Übersetzer, Mitglied des Kreistags für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, seit sieben Jahren Mitglied der Grünen.

Der Metzinger Weltladen wurde 1978 gegründet und wird vom Förderkreis Solidarische Welt mit etwa 30 Mitgliedern ehrenamtlich betrieben. Der Weltladentag, an dem 400 Weltläden bundesweit beteiligt sind, findet am Samstag, 14. Mai, von 9 bis 13 Uhr statt. In dieser Zeit klebt auch ein leerer Anzug in der Innenstadt auf dem Boden, versehen mit einem orange-farbenen Klebeband. Eine Installation des Weltladens.

SWP

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