Stiftung heißt "Wohnraum"

Was OB Dr. Ulrich Fiedler während seiner Neujahrsansprache im Januar als "epochale Aufgabe" bezeichnete, wurde inzwischen auf den Weg gebracht: die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

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Die Stadt stellt sich den Fragen des sozialen Wohnraums.  Foto: 

Am Mittwoch trafen sich 20 engagierte Personen im Sitzungssaal des Metzinger Rathauses. Sie haben in einer fast dreistündigen Sitzung einer noch zu gründenden Bürgerstiftung den Weg geebnet. Vorerst trägt sie den etwas sperrigen Arbeitstitel "Wohnraumstiftung Metzingen". Folgende Idee steckt dahinter: Die Bürgerstiftung erwirbt Grundstücke oder bestehende Gebäude. Baugesellschaften können diesen Wohnraum dann vermieten.

An dieser Stelle greift allerdings der Satzungszweck der Stiftung. Die Wohnungen müssen bezahlbar sein. Um dies auf Dauer zu gewährleisten, verkauft die Stadt weder Grund und Boden noch Immobilien, sondern vermietet sie an die Investoren auf Basis des Erbbaurechts. Dieser Vertrag gilt, so lange das Grundstück seinem Zweck entsprechend genutzt wird. Um die Formulierung dieses Stiftungszwecks wurde am Mittwoch heftig gerungen. Es gibt einige juristische Fallstricke zu beachten. Die Beschaffung finanzieller Mittel, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, lässt der Gesetzgeber als Stiftungszweck nicht zu. Insofern liegt noch etwas Arbeit vor Metzingens Erster Bürgermeisterin Jacqueline Lohde, die aus dieser Grobformulierung in den kommenden Wochen ein formaljuristisch unantastbares Konstrukt artikulieren muss. Sinngemäß könnte dies so lauten: Satzungszweck ist die Unterstützung von am Wohnungsmarkt Benachteiligten dabei, eine geeignete und bezahlbare Wohnung zu finden. Bis zur offiziellen Gründungsversammlung Anfang April gilt es ohnehin, die gesamte Satzung zu formulieren.

Die Stadt wird dabei unterstützt von der Stiftung Trias. Sie soll zunächst die Geschäfte der Bürgerstiftung leiten. Trias wurde eigenen Angaben zufolge gegründet, "um Menschen und Projekte zu fördern, die Antworten auf die gesellschaftlichen Fragestellungen der Bodenspekulation, des gesellschaftlichen Zusammenlebens und ökologischer Verhaltensweisen suchen". Andrej Schindler von Trias hat am Mittwoch den Satzungsentwurf durchaus kritisch durchgeackert und immer wieder zu Diskussionen angeregt. Auch für die Stiftung Trias (mit Sitz in Hattingen an der Ruhr) ist so eine Zusammenarbeit mit einer Kommune Neuland. Normalerweise berät sie Baugruppen und unterstützt gemeinschaftlich organisierte Wohngruppen.

Deren Stiftungsziel hört sich fast schon revolutionär nach Hausbesetzerszene an: "Wir wollen den Boden langfristig der Spekulation entziehen und diesen einer gemeinschaftlichen und ökologischen Nutzung zuführen." Doch genau das könnte auch nach Meinung Jacqueline Lohdes der Ansatz zur Lösung der Metzinger Wohnungsnot sein. Denn bislang laufen Mietverträge, deren Bau der Staat gefördert hatte, 15 oder 25 Jahre. Danach fallen die Wohnungen wieder auf den Markt und werden verkauft. Das verhindert im Falle der Wohnraumstiftung Metzingen das Erbbaurecht. Sobald die Wohnungen zweckentfremdet werden, fallen sie zurück an die Stadt. Noch vor der Gründungsversammlung, bei der ein aus drei Personen bestehender Vorstand und ein Beirat (acht Mitglieder) gewählt wird, lädt die Stadt ein zu einer Infoveranstaltung, die indirekt durchaus zu diesem Thema passt: "Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen - Funktioniert das?"

Antworten darauf gibt es am 9. März um 19 Uhr in der Volkshochschule.

Gemeinsames Bauen und Leben - Funktioniert das?

Infoabend Gemeinschaftliches Bauen und Wohnen - Funktioniert das?: Alle Interessierten sind eingeladen am Mittwoch, 9. März, um 19 Uhr in der VHS Metzingen zuzuhören, mitzudiskutieren, erste Kontakte zu knüpfen und zu beginnen, den dringend benötigten, bezahlbaren Wohnraum gemeinschaftlich zu realisieren. Ansprechpartnerin ist Erste Bürgermeisterin Jacqueline Lohde. Gerne beantwortet sie auch im Vorfeld und im Nachgang zu dieser Veranstaltung Fragen und gibt Informationen unter Telefon: (0 71 23) 92 52 18, oder per E-Mail: J.Lohde@metzingen.de.

Engagement Deutschland steht vor einschneidenden Änderungen im sozialen Gefüge seiner Bevölkerung. Demographischer Wandel, Altersarmut und aktuell die Integration von Flüchtlingen sind nur einige der Herausforderungen. Kann die Politik alleine diese Fragestellungen lösen oder muss dieses Thema vielmehr im Sinne des bürgerschaftlichen Engagements selbst angepackt werden?

Wohnraum Die aktuellen Herausforderungen betreffen vor allem den Wohnraum und den Umgang miteinander. Man wünscht sich Lebensqualität, unkündbaren und bezahlbaren Wohnraum, Selbstbestimmung bis ins hohe Alter und Gemeinschaft. In Metzingen wird man, um diese Wünsche zu erfüllen, die Stiftung Wohnraum Metzingen gründen. Sie soll die Voraussetzung schaffen, Grund und Boden für bezahlbaren Wohnraum dauerhaft und gemeinschaftlich zu sichern. Auf von der Stiftung erworbenen Grundstücken soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. Für diese Vorhaben sollen diejenigen zusammengeführt werden, die eine Wohnung suchen und diejenigen, die sich fachlich, ehrenamtlich oder mit finanziellen Mitteln einbringen möchten. Eine Beteiligung an diesen Wohnprojekten soll allen möglich sein, insbesondere auch denjenigen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen und sich dennoch mit ihren Möglichkeiten von Beginn an einbringen möchten.

Trias Seit über 25 Jahren gibt es die Bewegung des selbstorganisierten, gemeinschaftlichen Wohnens. Viele Städte haben begonnen, gezielt diese Wohnbauprojekte zu fördern. Aber was sind gemeinschaftliche Wohnprojekte? Was können sie zur Lösung des fehlenden, bezahlbaren Wohnraums für die Gemeinschaft und für den Einzelnen beitragen? Wie funktionieren diese Projekte?

Antworten Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt des Vortrages und des anschließenden Gesprächs mit Andrej Schindler, Mitarbeiter der Stiftung Trias und Berater für gemeinschaftliche Wohnprojekte. Darüber hinaus wird als Gast "pro gemeinsam bauen und leben eG" teilnehmen, die als Genossenschaft ebenfalls Initiativen gemeinschaftlicher Wohnprojekte unterstützt.

SWP

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