Staatsanwalt fordert Haftstrafen

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Die Metzinger Dienststelle der Landesoberkasse.  Foto: 

Haftstrafen, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden können, fordert die Staatsanwaltschaft Tübingen gegen die drei Angeklagten im Fall „Landesoberkasse“. Wie berichtet, werden zwei Beamte der Behörde in Metzingen beschuldigt, von 2003 bis 2016 mehr als 1,2 Millionen Euro in bar unterschlagen und ihr Vorgehen mittels gefälschter Dokumente und Stempel vertuscht zu haben. Als dritte Angeklagte findet sich die Ehefrau eines Beschuldigten vor Gericht, die Teile des Geldes auf ihr Konto eingezahlt und somit „gewaschen“ hat.

Vier Jahre Haft fordert der Staatsanwalt für einen 45-Jährigen, er sei Ideengeber, Anstifter und treibende Kraft der insgesamt 182 Fälle gewesen, von denen wegen der Verjährungsfrist allerdings nur noch 22 mit einer Schadenssumme von 382 000 Euro zur Diskussion stehen. Er wird der Urkundenfälschung und der Beihilfe zur Untreue beschuldigt.

3,5 Jahre soll eine 61-jährige Angeklagte ins Gefängnis. Sie hatte als Teamleiterin Zugang zum Tresor und zugleich die Möglichkeit, über Fehlbuchungen den Diebstahl zu verschleiern. Letztlich habe sie aber 2016 die Unterschlagungen beendet, als sie von ihrem neuen Lebensgefährten aufgedeckt worden waren.

Die Ehefrau des 45-Jährigen soll für 2,5 Jahre in Haft. Sie hat das Bargeld, das sie von ihrem Mann bekommen hatte, auf ihre Privatkonten eingezahlt, ohne die Herkunft des Geldes abzuklären.

Die Verteidiger der Angeklagten beantragten kürzere Strafen. Seine Mandantin hätte in einem „psychischen Abhängigkeitsverhältnis“ zum gut befreundeten und verschuldeten Mitangeklagten gestanden. Er fordert maximal drei Jahre Haft für die Teamleiterin.

Die beiden Hauptangeklagten hätten gleichberechtigt gehandelt, deswegen forderte der Verteidiger des 45-Jährigen ebenfalls drei Jahre Haft.

Für die 38-Jährige, Mutter zweier kleiner Kinder, forderte der Verteidiger auf jeden Fall eine Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne, also maximal zwei Jahre. Sie sei von ihrem Mann im Unwissenden gelassen worden und habe ohne jegliche kriminelle Energie gehandelt.

Egal, wie das Urteil des Landgerichts, das an diesem Freitag gesprochen wird, ausfällt: Den dem Land Baden-Württemberg entstandene Schaden von 1,265 Millionen Euro muss das Trio auf jeden Fall in vollem Umfang begleichen.

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