Songwriterin mit dem gewissen Etwas

Sarkastische Untertöne und melancholische Seitenblicke: Eleni Mandell aus Los Angeles singt in der Sudhaus-Peripherie und schafft es dabei, jedem ihrer ruhigen Songs das gewisse Etwas zu verleihen.

|

Die Kneipe ist in fahles, blaues Licht gehüllt. Rauchschwaden liegen über der Szenerie irgendwo in einer Großstadt an der US-Westküste und dort in einer reichlich heruntergekommenen Gegend. Mürrische Gestalten mit Cowboyhüten und spitzen Schuhen sitzen auf lederüberzogenen Barhockern, rauchen und starren stumpf in ihre Whisky-Gläser.

So oder ähnlich stellt man sich die Atmosphäre vor, in der Eleni Mandell normalerweise ihren Westcoast-Sound präsentiert. Den ersten Applaus des Abends, der herzlich und begeistert den kleinen Sudhaus-Saal erfüllt, quittiert die 44-jährige Songwriterin aus Los Angeles mit einem passenden Blick zur Seite und einem verunsicherten "Thank you", das in etwa einem "Toll, Socken, danke" an Weihnachten entspricht. Nicht, dass der Applaus ihr nicht gut genug wäre. Nur: Sie muss erstmal warm werden mit dem Publikum, und das schafft sie in der Folge dadurch, indem sie zwischen den Liedern persönliche Anekdoten aus ihrem Leben erzählt. Über ihre Erlebnisse als alleinerziehende Mutter von Zwillingen und wie es sich so als Solokünstlerin anfühlt.

Eleni Mandell trägt ein schlichtes schwarzes Kleid und lila Strümpfe, solche, wie man sie in den 80er Jahren häufig auf Friedensdemos gesehen hat. Dazu wirken ihre Haare wie die einer schüchternen Bratschistin aus dem Schulorchester. Eigentlich tut das ja nichts zur Sache, wenn es nicht so verwirrend wäre, was die Songwriterin aus Los Angeles mit ihrer kleinen Gitarre da auf der Bühne für eine Stimmung anzettelt. Natürliche Kratzbürstigkeit und Coolness, Sexyness und Sarkasmus, immer in sehr geringen Dosierungen, machen besonders empfindsam für die bewusst gesetzten Akzente. Manchmal hört sie sich ähnlich müde an wie Norah Jones. Aber es ist eine Müdigkeit, die den Zuhörer in Sicherheit wiegen soll. Um dann, wenn die engelsgleiche Stimme einen heiseren Kratzer bekommt, allen eine Gänsehaut zu verpassen.

Es sind mindestens 25 Lieder, die auf der Setlist stehen, und "Country" wäre als Beschreibung gar nicht mal so falsch formuliert. Man könnte aber auch einfach sagen, es sind Songs, die man mit entsprechendem Talent gesegnet eben so schreibt, wenn man etwas zu erzählen hat. Von Liebe, Trennungen, Alleinerziehung, Amerika und anderen großen Dingen handeln sie. Man muss in ihnen auf die Details achten, um sich besser zurecht zu finden. "Maybe doesnt turn me on, maybes not Filet Mignon", heißt es einmal wundervoll lakonisch in ihrem Loblied auf die Antwort "Yes!".

Mit anderen Worten: Eleni Mandell singt alle ihre Lieder mit einem sarkastischen Unterton, der erst beim dritten Mal plötzlich eine gar nicht kleine Melancholie unter den Ponyfransen durchschimmern lässt. Als ihre Vorbilder gibt sie Hank Williams, Merle Haggard oder Willie Nelson an, aber offenbar hat Eleni Mandell ebenfalls nicht wenig von Patti Smith mitgenommen. Mal wendet sie sich in Richtung Nashville und befreit die dort ansässige Volksmusik kurzerhand aus ihrer Halsstarrigkeit. Dann wieder variiert ihr Gesang die überlieferten Muster mit einer großen Ausdruckspalette, fahndet ununterbrochen nach einem Keim von Emotion inmitten verbrannter Erde.

Die rund 70 Besucher haben ein eindringliches Solokonzert erlebt, weil sie einen gar nicht typischen Querschnitt durch die kalifornische Westcoast-Szene präsentiert bekamen, der neben Country-Anklängen auch andere Ausprägungen wie Folkrock- und 50er- und 60er- Jahre-Reminiszenzen beinhaltete.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Weitere Vollsperrung auf der Bundesstraße 28

Autofahrer müssen sich weiter in Geduld üben: Zwischen Bad Urach und Böhringen wird gebaut. Die B 28 wird daher neben der Sperrung bei Neuhausen auch auf der Steige voll gesperrt werden. weiter lesen