Skifahren: Glücksgefühl und Genusserlebnis

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Am Freitag sind am Beiwald erstmals seit zwei Jahren wieder Skikurse gegeben worden. Einer der Anbieter: die Skizunft Dettingen mit ihrer Skischule unter der Leitung von Andree Fees. Foto: Privat  Foto: 

Nach zwei Jahren Pause meldet sich ein für viele gern gesehener Gast zurück: Der Winter. Und das mit so viel Schnee, dass Wintersportfreunde am verlängerten Wochenende voll auf ihre Kosten gekommen sind. Die Skilifte auf der Alb sind in Betrieb gegangen und es sind Skikurse angeboten worden. Das ist immer seltener der Fall, so standen die Lifte in den vergangenen zwei Jahren still, wer Ski-, Snowboard- oder Schlitten fahren wollte, musst längere Anfahrtswege auf sich nehmen. Das führt auch dazu, dass immer mehr Liftbetreiber überlegen, ob sie aufhören sollen und immer mehr Skizünfte ihre Kurse der Schneesicherheit wegen gleich in höher gelegene Skigebiete verlegen.

Skikurse quasi vor der eigenen Haustür haben bei der Skizunft Dettingen eine lange Tradition, an der man gerne festhält. Der Skischulleiter und Vorsitzende Andree Fees erzählt, was den Reiz des Skifahrens ausmacht und warum es sich durchaus lohnen kann, auf Schnee in der Region zu warten.

Herr Fees, Skikurse auf der Schwäbischen Alb finden immer seltener statt. Lohnt es sich denn überhaupt noch, diese anzubieten?

Andree Fees Es lohnt sich allein deshalb, weil es ein verbindendes Element im Vereinsleben ist. Klar, man darf nicht nachfragen, ob es sich finanziell lohnt, denn wirtschaftlich ist es meist nicht. Aber es gehört dazu, wie beispielsweise eine Skibörse. Außerdem haben unsere Skikurse am Beiwald eine lange Tradition, darum haben wir ein wahnsinnig großes Einzugsgebiet. Wir sind in der Zwischenzeit einer der wenigen, die Skikurse sehr bewusst weiterhin auf der Alb anbieten.

Die sind aber sicher nicht leicht zu planen, oder?

Fees Es ist natürlich immer sehr kurzfristig, und dadurch organisatorisch eine große Herausforderung. Wir brauchen einen Stamm von 20 bis 40 Helfern,  damit wir immer genügend für unsere Kurse zusammen bekommen. Denn wenn es gut läuft, kommen bis zu 140 Kinder und dafür brauchen wir viele Betreuer. Schnee auf der Alb ist nicht mehr planbar, darum muss man eben damit rechnen, dass mal ein oder mehrere Jahre keine Kurse stattfinden. In den vergangenen zwei Jahren war gar nichts, dafür in den fünf Jahren davor jedes Jahr. Da müssen wir flexibel reagieren.

Viele andere gehen eher auf Nummer sicher und bieten Ausfahrten an. Sind Sie nie auf diese Idee gekommen?

Die Skizunft Dettingen bietet auch Ausfahrten an, allerdings ohne Skikurse. Wobei man sagen muss, dass auch in den Bergen das Skifahren oft nur noch mit massivem Aufwand zu betreiben ist. Wir möchten regionale Anbieter sein, die das Erlebnis des Skifahrens auf der Schwäbischen Alb ermöglichen. Für mich gehört nämlich auch die schöne Landschaft dazu, die man hier genießen kann. Da lohnt es sich, auf eine echte Winterlandschaft zu warten. Das alles funktioniert natürlich nur dank der guten Kooperation mit den Skiliftbetreibern. Die Familie Müller engagiert sich mit großem Idealismus, sonst würde es nicht gehen, ebenso die Pächter des Skiliftstübles.

Was ist die Spezialität der Skizunft Dettingen?

Wir habe uns stark auf den Skikindergarten konzentriert. Wir haben Figuren und einen kleinen Lift und unterrichten Kinder ab drei Jahren. Durch dieses Angebot heben wir uns extrem von anderen ab. Und das ist für uns auch der Antrieb, all den Stress auf uns zu nehmen: Zu sehen, mit wie viel Spaß und Freude die Kinder nach ein paar Tagen einen kleinen Berg herunterrutschen können.

Sie sind ja auch Lehrer. Wie ist Ihre Einschätzung: Sind die Kinder und Jugendlichen von heute wirklich unsportlicher als früher?

Ich arbeite seit 20 Jahren mit Kindern und denke, das lässt sich nicht verallgemeinern. Was auffällt: Den Kindern fehlen immer mehr die Rahmenbedingungen. Kinder haben Freude an der Bewegung, aber man muss ihnen auch die Möglichkeit dazu geben. Erwachsene grenzen sie oft ein, Kinder sollen am Besten nur ruhig und brav sein. Früher waren sie selbständiger und mehr alleine draußen unterwegs. Heute sind die Eltern viel ängstlicher.

Zurück zum Skifahren: Was macht den Reiz dieses Sports aus?

Das Schönste ist die Bewegung in der freien Natur, in dieser ruhigen Winterlandschaft mit ihren gedämpften Geräuschen. Durch das rhythmische Fahrgefühl bekommt man schnell ein Genusserlebnis und Glücksgefühle. Es gibt wenig Sportarten, wo dies so ist.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Wochen für ein Wetter?

Konstantes Winterwetter und jeden Donnerstag 30 Zentimeter Neuschnee. Am besten wäre dann für die Wochenenden blauer Himmel und Sonnenschein, dann sind alle, die auf die Alb Skifahren gehen, zu beneiden.

Info: Die Skikurse der Skizunft Dettingen finden an Wochenenden mit Schnee jeweils von 13.30 bis 15.30 Uhr statt. Eine Voranmeldung ist nicht möglich, darum sollte man mindestens 45 Minuten vor Kursbeginn vor Ort sein. Aktuelle Infos findet man auf der Homepage www.skizunft-dettingen.de

Zur Person: Andree Fees leitet seit 15 Jahren die Skischule der Skizunft Dettingen am Beiwald, seit zwölf Jahren ist er außerdem Vorsitzender der Skizunft.
Der Sport-, Technik-, Informatik- und Mathematiklehrer ist seit 2012 Rektor der Werdenbergschule in Trochtelfingen.

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