Schwerelose Akrobaten

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    Dr. Steffen Kromer vom Kindermitmachzirkus ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und Akrobat. Foto: 
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    Am Trapez. Foto: 
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    Jongleure bei der Arbeit. Foto: 
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Auf dem Festplatz Kies in Neuhausen steht ein Zirkuszelt. Es bleibt die ganzen Ferien über und gehört dem Kindermitmachzirkus. Wer es betritt, ist schnell in einer anderen Welt, in einer schwerelosen, die es drahtigen Körpern erlaubt, am Hochtrapez durch die Manege zu fliegen oder über ein gespanntes Seil zu balancieren, als gäbe es den Abgrund nicht. Aus Lautsprechern erklingt dieses lustige italienische Volkslied „Funiculì, Funiculà“, und am Drahtseil übt sich ein Mädchen mit einem Schirm in der linken Hand, den sie von sich weg streckt, ihre rechte Hand ruht in der eines jungen Mannes: schlank, athletisch, elegant. Er trägt einen roten Frack, einen Livree, mit langen Schößen und goldenen Pailletten. Dr. Steffen Kromer ist einer der Chefs einer Künstlergruppe aus Metzingen.  Je nach Veranstaltung sind das vier oder fünf Personen, die mit den typischen Disziplinen dieses Genres vertraut sind: Trapezakrobatik, Drahtseiltanz, Bodenakrobatik, Jonglage und Clownerie.

Der Kindermitmachzirkus ist nur eines ihrer Projekte. Ein durchaus pädagogisches, das zum Sommerferienprogramm der Stadt Metzingen gehört und noch bis zum Ferienende geht. Es kommen nicht nur Kinder. Auch Jugendlichen gefällt dieses Ambiente, das fast alle Sinne anspricht. Obwohl es ein kleines Zelt ist, sieht es nach Zirkus aus. Der runde Grundriss, der hohe Mast in der Mitte, der dem Dach die kleine Spitze verleiht, die herabhängenden Planen, der Zuschauereingang und hinter der kleinen Manege das Tor, durch das die Artisten einmarschieren. Es fühlt sich nach Zirkus an, jedenfalls für die Hauptdarsteller, die sich an einem zwischen die Beine geklemmten, herabhängenden Seil kopfüber herunterschlängeln, um dann den Oberkörper hochzuziehen und ins Publikum zu lächeln. Körperspannung gehört in diesem Metier dazu, auch bei den Kindern und Jugendlichen, die nur für die Tage des Sommerferienprogramms in Sportdress und Gymnastikschuhe schlüpfen. Einzig: Es riecht nicht unbedingt nach Zirkus. Da fehlen Streu und Pferdeäpfel, wobei: „Wir haben auch Tiere“, sagt Kromer. Zwei Tauben. Sie sind handzahm und arbeiten gerne mit Kindern.

Die Sommerferien-Kinder kommen jeweils für eine Woche. In der Regel benötigen sie zwei Tage, um sich an allem auszuprobieren. Am dritten Tag kristallisiert sich dann heraus, wer was am liebsten mag, sagt Steffen Kromer. Dann geht’s erst so richtig los. Die jungen Künstler üben fürs sonntägliche Abschlussprogramm, zu dem nicht nur Eltern eingeladen sind. Contorsion steht dann auf dem Programm: Schlangenmensch sein. Wer turnerische Wurzeln hat, kann sich im Spagat üben, andere schlagen ein Rad, mehrere Kinder stellen sich auf die Schultern ihrer Kameraden und bilden eine menschliche Pyramide. Ein Teller tanzt auf einem langen Stock, den ein Kind mit leicht kreisenden Bewegungen aus dem Handgelenk mit spitzen Fingern hält. Steffen Kromer ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler, sein Co-Direktor, Manuel Späth, kommt aus dem Hotelfachwesen. Beide sind Neuhäuser, beide haben nach Studium und Lehre in Berlin eine Artistenschule besucht. Späth ist in seinem neuen Leben Clown, Feuerschlucker und Feuerspucker.

Am Ende der Ferien, am Samstag, 9. September, werden die Stadt Metzingen, die Ehrenamtsakademie und die Bürgermentoren allen ehrenamtlich Engagierten der Stadt ein kleines Geschenk machen und diese einladen zu einer Sonderaufführung des Kindermachzirkus’ mit anschließendem Büffet und dem Auftritt von Nino Latello und Band. Im Oktober gastiert der Zirkus erneut in Neuhausen. Dann aber als Traumtheater. Geboten wird eine Melange aus Akrobatik, Tanz, Gesang und Pantomime. Es wird eine Verschmelzung verschiedener Kunstformen. Mit einem ähnlichen Projekt hatten die beiden Direktoren Kromer und Späth schon erste Erfolge. In Potsdam versuchen sie, mit ihrem Unternehmen „Traum-Entertainment“ einen Weihnachtszirkus zu etablieren. Sie versprechen einen 110-minütigen Traum in zwei Akten, präsentiert im süßesten Zirkuszelt Deutschlands. Außer Luftakrobatik hoch unter der Kuppel gibt es dort auch hausgemachte Leckereien aus dem eigenen Café.

Das Sommerferienprogramm geht bis zum letzten Ferientag, immer montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr. Wer mitmachen möchte, meldet sich unter Telefon (0 71 23) 92 52 54 oder (0 71 23) 92 53 20. Immer sonntags um 14 Uhr gibt es eine Abschlussvorstellung der jeweiligen Gruppe.

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