Schriftenreihe erinnert an NS-Opfer

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Albert Fischer aus Metzingen ist im Buch „Mut bewiesen“ ein Kapitel gewidmet.  Foto: 

Als das Leben des Metzingers Albert Fischer hätte erst richtig beginnen sollen, war es schon fast zu Ende. Er geriet als junger Erwachsener in die Fänge des NS-Machtapparats und bezahlte für seine antifaschistische und eine den Krieg ablehnende Gesinnung einen hohen Preis. Der dem klassischen Arbeitermilieu entstammende Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordnete, dessen politische Heimat zunächst die SPD, dann die USPD und schließlich die KPD war, geriet früh ins Visier der Nationalsozialisten. Bereits im August 1933 wurde er erstmals verhaftet und in den Konzentrationslagern Heuberg und Oberer Kuhberg gefoltert und gedemütigt. Dieser Tage ist ein Aufsatz über ihn erschienen in einer Schriftenreihe der Landeszentrale für politische Bildung. Sie heißt „Mut beweisen – Widerstandsbiographien aus dem Südwesten“. Nicola Wenge skizziert ihn als unbeugsamen Verfechter der sozialistischen Arbeiterbewegung, der nach dem Ersten Weltkrieg zunächst den bürgerlichen Parteien den politischen Kampf ansagte und in den Folgejahren immer mehr die aufkommende NSDAP als politischen und ideologischen Gegner zu fürchten hatte. Die Autorin bezieht sich dabei auf Vorarbeiten von Angelika Hauser-Hauswirth, Stadtarchivar Rolf Bidlingmaier und Rudolf Renz, dem Leiter des Arbeitskreises Stadtgeschichte (AKS).

Der AKS war es auch, der vor etwa eineinhalb Jahren bei der Stadt eine angemessene Würdigung Albert Fischers beantragt hat. Ein Antrag, der von der Stadtverwaltung insofern erweitert wurde, als eine Gedenkstätte für alle Metzinger NS-Opfer errichtet werden soll. Der Gemeinderat hat dem zugestimmt, jetzt wird noch der geeignete Platz dafür gesucht (wir haben darüber berichtet). Derzeit sind vier Standorte in der näheren Auswahl.

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Mehr als 40 Beiträge über Menschen, die aus unterschiedlichen Motiven heraus Widerstand gegen die nationalsozialistische Terrorherrschaft geleistet haben: Diese Biographien aus dem deutschen Südwesten vereint das neue Buch der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB). Unter dem Titel „Mut beweisen“ stehen Frauen und Männer im Mittelpunkt, die sich jenseits aller politischen, religiösen oder weltanschaulichen Prägungen durch persönlichen Mut und entschlossenes Handeln gegen die Diktatur ausgezeichnet haben. Herausgegeben wird der 340-seitige Band von Angela Borgstedt, Sybille Thelen und Reinhold Weber.

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