Sag’s mit Schopenhauer

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Man wird ja geradezu erschlagen. Kandidaten sämtlicher Couleur werfen im Fernsehen mit Zahlen, Daten und Fakten um sich, dass einem schon ganz schwindelig wird. Hier taucht die Mütterrente auf, da der Mindestlohn, es wird in Hinblick auf die Stärkung des Mittelstands eine Reichensteuer eingefordert oder eben jene Reichensteuer in Hinblick auf die Stärkung des Mittelstandes abgelehnt. Die Fakten stoßen, von Weltanschauungen angetrieben, frontal zusammen oder rauschen knapp aneinander vorbei wie zwei aus der Umlaufbahn geworfene Planeten, deren Schwerkraft sie in elliptischen Bahnen immer mehr anzieht, bis sie in einem fulminanten Wirbel zu einem großen Materiehaufen verschmelzen. Am Ende dieses Prozesses, wenn in all den Fernseh-Studios die Mikrofone ausgestöpselt und die Lichter ausgegangen sind, wissen die Wähler dann so gut wie alles über jede Verordnung und jedes Gesetzesvorhaben. Nur nicht, wen sie wählen wollen. Selbst die Philosophie bedient sich bei der Frage nach dem freien Willen schwerer Geschütze, indem dass Arthur Schopenhauer nämlich sagt, der Mensch könne tun, was er will, aber er könne nicht wollen, was er will. Nein, das wäre in der Tat zu viel verlangt, und so ist ein durchaus namhafter Kommunalpolitiker aus dem Ermstal dieser Tage der Idee verfallen, all diesem Irrsinn mit purer Gelassenheit zu begegnen. Dettingens Bürgermeister Michael Hillert kandidiert für eine neue Amtsperiode und braucht dazu gerade so viel Argumente, die in einen einfachen Satz passen: „Ich fühle mich fit und gesund.“ Das hat metaphysische Kraft. In den Jargon der Jugend übersetzt, könnte man Hillerts Vorhaben mit einem Wort kommentieren: Läuft!

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