Reise ohne Urlaubscharakter

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Schule muss aufs Leben vorbereiten. Es geht um mehr, als nur um Vokabeln, mathematische Formeln oder Gedichtsinterpretationen – es geht um Menschenbildung. Einen wesentlichen Beitrag dazu, den Blick über den berühmten Tellerrand hinaus zu richten, leistet am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) seit Jahren die Brasilien AG, deren Hauptanliegen das bereits mehrfach ausgezeichnete „Gonzalinho-Projekt“ ist. Dahinter verbirgt sich ein Betreuungsangebot für Kinder in Cáceres, im „Wilden Westen“ Brasiliens, das mit finanziellen Mitteln aus Metzingen aufgebaut wurde und betrieben wird.

Fünf Wochen unterwegs

Am 1. August tritt nun eine Gruppe von 16 Schülern des DBG mit ihren Lehrerinnen Katja Polnik und Nicole Schröders samt Familien die nächste Reise nach Brasilien an, um zum einen an dem Kinderprojekt selbst mitzuarbeiten, zum anderen aber auch weitere Landstriche mit ihrem jeweiligen politischen Konfliktpotenzial kennenzulernen. „Nein, das wird sicher kein Erholungsurlaub“, sind sich die Schüler vor der fünfwöchigen Exkursion sicher. Drei Jahre lang haben sie sich auf das, was sie zu erwarten haben, vorbereitet – inklusive Sprachunterricht.

Neben dem Gonzalinho-Projekt werden die Metzinger noch fünf Tage an der Seite von Indigen („Eingeborenen“) sein, die sich gegen die Landenteignung durch Grundstücksbesitzer wehren. Vier Tage werden sie zudem in einem Flüchtlingsheim in Sao Paulo mitarbeiten. „Für uns ist es wichtig, dass man das mal erlebt“, finden die Schüler. Die Schülerinnen sind darauf gefasst, dass sie dort womöglich sogar Heiratsanträge von den Flüchtlingen bekommen, um diesen so die Reise nach Deutschland zu ermöglichen.  Eine weitere Woche wird die Schülergruppe dann noch bei Kleinbauern auf dem Land mitarbeiten.

Das Gonzalinho-Projekt selbst, dessen Wurzeln in Metzingen bis ins Jahr 2003 zurückreichen, hat sich seither stets weiterentwickelt. In der Anfangsphase wurde das Grundstück erworben und das Gebäude errichtet, es folgten die Außenanlagen, ein Brunnen, zuletzt konnte ein Fußballfeld angelegt werden. Aufgabe für die jetzige Gruppe wird es sein, Spielgeräte für den Spielplatz zu bauen.

Etwa 50 Kinder kommen täglich in zwei Gruppen in die Betreuungseinrichtung. Sie erhalten dort eine Mahlzeit, werden in Schulangelegenheiten begleitet und können ansonsten ein paar unbeschwerte Stunden abseits ihres mühevollen Alltags verbringen. Ohne das Kinderhaus würden viele der Kinder ihre Freizeit auf der Straße verbringen müssen, zumindest mal ohne vernünftige Versorgung.

Zwei bleiben ein Jahr lang

Die Schüler aus Metzingen werden beim Betrieb der Einrichtung helfen. Zwei von ihnen, Franziska Fora und Madeleine Saretzki, werden ein komplettes Jahr in Cáceres verbringen, sie absolvieren nach ihrem gemeisterten Abitur ein von der Bonifatiusgemeinde ausgeschriebenes Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Von hier stammt auch ein Teil der Finanzmittel, die zum Betrieb der Einrichtung notwendig sind. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten auch die Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, zum einen mit Spenden der Schüler, zum anderen mit Erlösen aus Veranstaltungen wie unter anderen dem Sperrmüllflohmarkt. Die aktuelle Reise selbst wird zudem bezuschusst aus Mitteln des Bundesjugendplanes des Bundesfamilienministeriums. Trotzdem haben fast alle Schüler in den vergangenen Jahren neben der Schule noch gearbeitet, um sich die Reise leisten zu können.

Einmalige Erfahrungen

Wozu der Aufwand? Auf diese Frage erntet man ungläubiges Kopfschütteln. „Diese Reise kann man in der Form nie mehr machen. Sie wird etwas ganz Besonderes. Eine solche Gelegenheit gibt es nicht an jeder Schule“, entgegnen sie. Ihre Hilfe solle auf Augenhöhe mit den Menschen vor Ort stattfinden und unterstützenden statt bevormundenden Charakter haben.

Die Schüler sind also eingestimmt, auch Entbehrungen, etwa bei den Unterkünften, werden sie gerne in Kauf nehmen. Nun geht es ans Koffer packen, Absprachen dazu wurden beim letzten Vorbereitungstreffen getroffen. Unter anderem mit dem Tipp, warme Klamotten einzupacken – am Ankunftsflughafen in Brasilien hat es aktuell nämlich nur bescheidene 13 Grad.

Für das Kinderprojekt Gonzalinho werden Spenden benötigt. Solche der finanziellen Art dienen dem Unterhalt der Einrichtung und der Entlohnung des Personals vor Ort. Spenden können unter dem Stichwort „Brasilienprojekt St. Bonifatius“ auf das Konto DE89 6405 0000 0000 9490 99 eingezahlt werden.

Darüber hinaus können die Schüler Sachspenden mitnehmen. Jeder darf ein zweites Gepäckstück mit bis zu 32 Kilogramm Gewicht aufgeben. Idealerweise würden in diesen Koffern Spielwaren, Bettwaren, einfaches medizinisches Material oder gut erhaltene Kleidung transportiert. Entsprechende Spenden können bis Mittwoch, 26. Juli, im Lehrerzimmer des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums abgegeben werden.

Schließlich suchen die beiden FSJ’ler noch Unterstützer für ihren Lebensunterhalt in Brasilien. Wer daran Interesse hat, kann sich an die Bonifatiusgemeinde Metzingen wenden.

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