Regatta statt Kreuzfahrt: 80-jähriger Metzinger segelt auf auf Platz drei

Alte Liebe rostet nicht, und sowieso nicht die zum Meereswind in den Haaren und Freiheit im Gemüt. Das dachte auch der knapp 80-jährige Metzinger Werner Haas, der kürzlich auf einer Regatta anheuerte.

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Der Metzinger Werner Haas als so genannter Rudergänger auf See. Foto: Privat

Auf Abenteuerfahrt quer durch die Weltmeere gehen und einen Wettkampf triumphreich zu segeln - davon träumt wohl so mancher kleiner oder große Junge. Den Traum wahr zu machen, das ist selbst für junge und kräftige Männer eher die Ausnahme. Eine Rarität erster Güteklasse dürfte dann wohl der Metzinger Werner Haas sein, der im bescheidenen Alter von sage und schreibe knapp 80 Jahren eine Regatta auf einem russischen Wettkampfsschiff segelte.

Acht Wochen auf See hat der ehemalige Segelflieger gerade hinter sich gebracht. Und nicht zum ersten Mal: "Früher, nachdem ich meine Segelfliegerlaufbahn beendet hatte, fuhr ich mit der 100 Jahre alten Alexander von Humboldt neun Törns", berichtet Haas.

Das berühmte "Becks-Schiff", das der Bier-Werbung das Freiheitsgefühl verleiht, nehme allerdings nur Helfer bis 70 Jahre mit: "Die Leute kennen mich da zwar", so Haas, "aber aus versicherungstechnischen Gründen hätte es allerhand ärztlicher Nachweise bedurft, um eine Ausnahme möglich zu machen und Haas trotz des hohen Alters noch mitzunehmen. "Die Russen haben gesagt: ,Das spielt überhaupt keine Rolle - wir haben einen Arzt an Bord", so Haas lachend.

Also heuerte er auf der MIR an. "MIR, ein 100 Meter Vollschiff mit 26 Segeln - toll, wenn diese sind vom Winde voll!", dichtet Haas begeistert sein Schiff beschreibend. "Mit drei Masten die Höhe 50 Meter. Wenn da so ein Kadettle ,raaguckt - irgendeiner, dann wird auch ein Riesensegler kleiner."

In einer 44 Schiff starken Regatta wurde auf drei Etappen um die Wette gesegelt was das Zeug hält. Mit 55 Offizieren und 95 Kadetten - Seemannsazubis - war man gut gerüstet. Und natürlich nicht zu vergessen Haas selbst und ein Berliner "Kollege", die als Trainees angeheuert hatten. "Ich war der Allerälteste", sagt Haas. Der Ausdruck Seemann ist im Übrigen eigentlich längst überholt: "Es waren mindestens 25 Frauen dabei", berichtet Haas. "Wir waren zwei Deutsche an Bord, die anderen waren Russen", so Haas weiter.

Dass er kein Russisch spricht, war für Haas kein Problem. "Es ist ja an sich einfach mit Menschen zusammen zu sein. Ich kann mich nicht an Probleme erinnern oder dass einer mal eine Wut gehabt hätte", so Haas. Versuche des Russischen mächtig zu werden seien schnell an der Übermacht des russischen Alphabets gescheitert, da habe man sich eben auf Englisch unterhalten.

Überhaupt habe es keine Schwierigkeiten gegeben, "alles lief nach Plan", so der Metzinger. Das einzige, was dem ein oder anderen unerfahrenen Seefahrer zu schaffen gemacht hat, war die Seekrankheit. Daher dachte man sich an Deck vermutlich so manches mal "Alles Gute kommt von oben", wenn einem Kadetten hoch oben im Masten schlecht wurde und herunter spuckte. Haas sei da längst abgehärtet: "Ich werde eigentlich schon längst nicht mehr seekrank."

Auch habe er kein bisschen Angst, den hohen Masten hochzuklettern und die Segel festzumachen: "Da geht man einfach seitlich hoch, wie an einer fest gespannten Leiter", lacht Haas.

Nur dabei gewesen zu sein, reichte dem knapp 80-jährigen Haas allerdings längst nicht aus: "Wir waren immer ehrgeizig und jeder möchte gewinnen, da wird alles eingesetzt, was nur geht", sagt er. Auf seinem Streckenabschnitt in der ersten Wettkampfetappe ist Haas mit seiner Truppe auf den dritten Platz gesegelt.

Der Startschuss für die MIR und ihre schwimmenden Konkurrenten fiel im französischen St. Malo. In einem ersten Fahrtabschnitt ging es nach Lissabon, dann im zweiten Abschnitt weiter nach Cadiz und schließlich im letzten Abschnitt vom spanischen La Coruna nach Dublin. Haas war bei fünf Törns dabei. "Den Zubringertörn habe ich ab Wilhelmshaven gefahren", erklärt Haas. "Davor einen dreiteiligen Törn vom Hamburger Hafengeburtstag nach Larvik, südlich von Oslo", so Haas weiter. "Dann Warnemünde und Fredericia in Dänemark."

Bereits beim Hamburger Hafenfest war Hass ganz von den Socken: "Da waren Millionen Menschen, ganz Hamburg war am Hafen, eine riesige Veranstaltung auf dem Wasser und an Land", schwärmt Haas. "Es macht einen Riesenspaß, da mitzumachen." Auch während der Fahrt war immer mal wieder Zeit für Muse:"Wenn man an Hafenstädten anlegt, geht man natürlich von Bord und schaut sich die Gegend an", so Haas. "Die Reise hat mir wirklich große Freude gemacht", bekräftigt der Senior, "ich bin wirklich froh über meine Gesundheit." Seine Frau habe Warten und Sorgen gut weggesteckt: "Sie ist das schon gewöhnt, dass ich über längere Zeit weg bin", sagt der glückliche Ehemann. "All die Reisen - das ist ein fortgesetzter Lernprozess", sagt Haas. "Mit Menschen zusammen zu sein auf kleinstem Raum, wir waren ja zu zwölft in einer Kajüte untergebracht", berichtet Haas. "Da war ein kleiner Tisch und wenn da jeder seine Armbanduhr drauf gelegt hat, war der Tisch voll."

Auf der See lerne man sich ganz anders kennen, so Haas. Und da nehme man natürlich so wenig wie möglich mit. "Einen Anzug fürs Kapitänsdinner habe ich eh nicht gebraucht", lacht Haas. "Natürlich war ich dann auch froh, wieder zu Hause zu sein und festen Boden unter den Füßen zu haben", gibt Haas zu. "Und es ist ein gutes Gefühl, wenn das Haus ruhig stehen bleibt und nicht von links nach rechts schaukelt." Dennoch die Zeit sei mindestens so schnell dahingeflogen, in etwa so wie das russische Schiff beim Wettsegeln.

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