Ravi Coltrane Quartet glänzt im Sudhaus

Mit dem Auftritt des New Yorker Saxofonisten Ravi Coltrane und seiner Mitspieler erlebten mehr als 350 Besucher im Sudhaus ein Jazz-Highlight.

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Ravi Coltrane und seine Mitmusiker überzeugten durch Einfallsreichtum und individuelle Spielweise. Foto: Spieß

Kleine Geniestreiche in einem Konzert auf höchstem Niveau: So könnte man den gut zweieinhalbstündigen Auftritt des Ravi Coltrane Quartets resümierend beschreiben. Das zum Großteil aus Eigenkompositionen zusammengestellte Programm ist auf die ausgefeilte Blastechnik Coltranes ausgerichtet, doch in der Qualität ihrer Soli stehen ihm seine Mitspieler in nichts nach.

Bei all den filigranen Strukturen gerät die Musik ausgesprochen dicht und überraschungsreich. Zu den brodelnden Basslinien von Dezron Douglas flechtet der Grammy-nominierte Power-Drummer Jonathan Blake immer wieder hochenergetische Akzente ein, und auch der aus Kuba stammende Pianist David Virelles ist kein langweiliger Traditionsverwalter. Wer also nur auf den die Blicke auf sich ziehenden Bandleader achtet, überhört Wesentliches. Denn die drei Mitspieler überraschen mit schnittigen Post-Bop-Varianten, die sie mit den rhythmischen Vertracktheiten der New Yorker M-Base-Bewegung verbinden. Der Sohn des Jazz-Heiligen John Coltrane, der erst zu Beginn der 90er Jahre angefangen hat, ernsthaft als professioneller Musiker zu arbeiten, präsentiert ein individuelles Spektrum - Jazzern wie Steve Coleman oder Branford Marsalis näher als den Überlieferungen seines berühmten Vaters.

Gelegentlich wird ein Stück mit freiem Gebläse aufgeraut, um gefälligen Wohlklang zu vermeiden. Und auch bei den eher zupackenden Nummern seines neuesten Albums "Spirit Fiction" sowie bei den groovenden Balladen überzeugt der 49-jährige Saxofonist durch Einfallsreichtum und individuelle Spielweise. Kaum ist ein Solo beendet, steht Coltrane lächelnd an der Seite und lauscht, was die anderen mitzuteilen haben. Und immer wirkt er hochkonzentriert und strahlt eine enorme Bühnenpräsenz aus.

Dabei hat es Ravi Coltrane sicher nicht leicht gehabt in den ersten Jahren seiner Musikerkarriere. Vater John hat die Messlatte hoch gelegt, und der Junior betonte immer wieder, er habe andere Vorbilder, nannte Helden von Ornette Coleman bis Paul Motion. Dagegen kannte er die Musik seines Vaters nur von Platten, denn dieser starb bereits, als sein jüngster Sohn gerade mal zwei Jahre alt war.

Erst mit Mitte 20 studierte Ravi dann als Spätberufener am California Institute of the Arts und brauchte Jahre, um seinen eigenen Stil zu entwickeln. Nun ist Ravi Coltrane aber auf dem besten Weg, aus Daddys langem Schatten und in dessen musikalische Fußstapfen zu treten. Mit seinem mittlerweile fünften Album "Spirit Fiction" hat der "Young Lion" auch die Kritiker überzeugt, die ihn vor Jahren noch etwas abfällig "Söhnlein brillant" nannten. Nicht nur seine mit vollem Ton geblasenen Post-Bop-Varianten, auch die vor Energie berstenden Powerstücke wirken frei von jeder Beliebigkeit. Der Sohn der Saxophon-Ikone John Coltrane spielt hochmodern und drückt wahrnehmbar Gefühle durch sein Instrument aus. Darin besteht seine Klasse. Eine Klasse für sich.

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