Quadratur des Kreisverkehrs

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Erneut haben Stadtverwaltung sowie Vertreter der Holy AG die Pläne zur Bebauung des G&V-Areals vorgestellt. Etwa 200 Interessierte kamen am Mittwochabend in ein von der Firma Holy genutztes Gebäude auf dem derzeit noch größtenteils brach liegenden Gelände. Der Bürgerdialog ist damit in die nächste Runde eingetreten, und es hat sich im Verlauf eines etwa eineinhalbstündigen Austauschs zwischen Stadt, Investor und zahlreichen mit Fragen präparierten Bürgern angedeutet, wo möglicherweise Konfliktpotenzial verborgen liegt. Die Sannentalstraße beispielsweise ist so ein Punkt.

Schon der erste Bürger, der sich am Mittwoch zu Wort meldete, Dr. Georg Bräuchle, kritisierte den derzeitigen Planungsstand, wonach die Anbindung der Sannentalstraße zur Stuttgarter Straße nicht mehr vorgesehen ist. Danach zumindest sieht es derzeit aus, wobei Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler, aber auch der Leiter des städtischen Bau- und Planungsamts, Konrad Berger, weiterhin Gesprächsbereitschaft signalisierten.

Wenn, so führte es Bräuchle aus, selbst Anwohner der Sannentalstraße, wenn also die Ausfahrt in die Stuttgarter Straße nicht mehr möglich sein sollte, müssten alle Anwohner dieses Wohnviertels das Quartier über die nördlich gelegene Einsteinstraße bei der Autovermietung Hartter verlassen. Dort, an der Zufahrt zur L 378a, die in die Stuttgarter Straße übergeht, entstünde bei aufkommendem Berufsverkehr morgens ein ordentlicher Rückstau. Zudem, so beschrieb es Bräuchle, „mäandern dann 3000 Leute wie ein Bächlein durch das Wohngebiet.“ So weit freilich ist es noch nicht, wie OB Fiedler erneut bekräftigte. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen, allerdings räumte er auch ein, es nicht allen 100-prozentig recht machen zu können. Konrad Berger sprach in dem Zusammenhang von der Quadratur des Kreises: Eine Anbindung der Sannentalstraße an die Stuttgarter Straße sei wohl sinnvoll, allerdings gilt das dann für alle, auch für auswärtige Outletkunden: „Aber wir wollen ja keinen Schleichverkehr.“

Im Laufe des Dialogs entstanden daraus weitere Überlegungen. Etwa die, aus der Sannentalstraße zwar in die Stuttgarter Straße einfahren zu können, aber nicht umgekehrt. Konrad Berger schlug zudem vor, eine Variante auszuprobieren und bei Bedarf nachzujustieren. Ein Anwohner brachte einen Kreisverkehr oder eine Ampel auf Höhe der Autovermietung Hartter ins Spiel: Eine Variante, über die die Stadt ebenfalls schon nachgedacht habe, wie Berger versicherte. Die Fläche dafür sei vorhanden. Und auch eine Anbindung des Wohngebiets über eine Zufahrt direkt an den Stadtwerken vorbei, wie von einem Anwohner vorgeschlagen, wollte Berger nicht von vornherein ausschließen. Das allerdings, so Berger, erhöhe wiederum den Verkehr in der Schützenstraße. Als „richtig spannende Anregung“ empfand OB Fiedler den Vorschlag, die Sannentalstraße nur temporär zu schließen, nämlich dann, wenn mit einem Ansturm auswärtiger Outletkunden zu rechnen sei.

Während die Anbindung der Anwohner aus dem Hart Hölzle noch zu kontroversen Diskussionen führen könnte, gab es am Mittwochabend auch eine Reihe weniger politisierender Informationen. Für Radfahrer beispielsweise ergeben sich ganz neue Möglichkeiten durch die Erschließung des G&V-Areals, das die Stadt bislang in zwei Teile zergliederte. „Die Verbesserungen werden gigantisch sein“, versprach Berger. Mit der Öffnung des Areals stünden auch sämtliche Wege Radfahrern zur Verfügung, sodass in weiten Teilen die Stuttgarter Straße für sie überflüssig wird, zumal mittelfristig der Adlergarten ebenfalls parkähnlichen Charakter mit Fuß- und Radwegen erhalten soll und darüber hinaus alle Straßen ertüchtigt werden, wie es Berger formulierte: also einen Radschutzstreifen erhalten.

Den, darauf hat Elke Haubold-Schüle aufmerksam gemacht, benötigen jene Radfahrer, für die der Adlergarten nicht auf dem Weg in die Innenstadt oder zurück liegt, oder jene, die Berger als „schnelle Radfahrer“ bezeichnete. Die wollen auf dem kürzesten Weg Tempo machen.

Die Christian-Völter-Straße, auch das war zu erfahren, könnte auf Grund der Bauarbeiten möglicherweise bis zu sechs Monate gesperrt werden: „Vielleicht wird ein Provisorium eingerichtet“, stellte Konrad Berger in Aussicht. Auch die Zukunft des Schlachthofes wird den Gemeinderat im kommenden halben Jahr beschäftigen. Zwangsläufig muss er nicht weichen, doch er steht insofern zur Disposition, wie OB Fiedler ausführte, als er einen nennenswerten Abmangel verursacht. Bis Mitte 2017 jedenfalls dürfen ihn die Betreiber nutzen, was danach geschieht, hat der Gemeinderat zu entscheiden.

Kein Verdrängungswettbewerb

Wolfgang Bauer, der Vorstandsvorsitzende der Holy AG, entkräftete die Befürchtung eines Fragestellers, ob nicht zu viele Hotels geplant seien. Holy beschäftige sieben Touristiker, alle bitten händeringend um  mehr Übernachtungszimmer in der Stadt. „Wir kooperieren mit der Region, mit Stuttgart, Baden-Baden oder Konstanz.“ Auch OB Fiedler betonte, keinem Verdrängungswettbewerb die Tür öffnen zu wollen, aber allein die Outletcity habe laut einer Studie aus dem Jahr 2012 750 000 Übernachtungen in der Region kreiert.

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