Neue Energie fürs alte Glems

Die Glemser haben es vermutlich schon immer vermutet, demnächst bekommen sie es schwarz auf weiß: Ihr Ort ist perfekt. Jedenfalls aus Sicht der Stadtwerke, die dort ein Pilotprojekt begleiten wollen.

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Von einigen Dörfern in der Region geht die Kunde, die Schweden hätten deren geplante Heimsuchung während des 30-jährigen Kriegs nicht absichtlich dreingegeben, sondern dort auf Grund mangelnder Ortskenntnis einfach nicht hingefunden. Zum Beispiel Glems.

Es liegt im fast schon hügeligen Terrain vor dem Albaufstieg, ist heute wie damals vom Ermstal aus nicht zu sehen und ist als Stadtteil Metzingens von anderen Wohnvierteln räumlich abgetrennt.

Deswegen, und weil die Einwohnerzahl von etwa 1000 den Ort auch für Stadtplaner angenehm überschaubar macht, gilt Glems als idealer Standort für ein Pilotprojekt der Stadt, die dafür kürzlich Zuschüsse beantragt und inzwischen auch zugesichert bekommen hat. Sofern der Gemeinderat während der Haushaltsberatungen fürs nächste Jahr zustimmt.

Es geht um die energetische Stadtsanierung, ein Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Kommunen, die sich daran beteiligen, können ein Wohnquartier hinsichtlich etwaiger Energiesparpotenziale untersuchen lassen.

Die Stadtwerke unterstützen diesen Prozess, in dessen Verlauf jedes Haus untersucht wird, wie der Technische Leiter der Stadtwerke, Giancarlo Bragagnolo, erläutert. Es geht dann um die Heizungen, um die Hausfassaden, um die Dächer. Doch keine Sorge, beruhigt Alexander Bollheimer vom Stadtplanungsamt. Wer niemanden ins Haus lassen möchte, muss das auch nicht. "Alles", so Bollheimer, "beruht auf Freiwilligkeit."

Folgendes Szenario könnte sich im Laufe der Erhebung ergeben, wie Bragagnolo schildert: Einige, vielleicht zehn eng beieinanderstehende Gebäude stehen vor einer grundlegenden Sanierung. Das ist durchaus denkbar, denn Mitte der 1980er Jahre wurde in Glems fleißig gebaut. Damit sind aber auch all die darin verbauten Heizungsanlagen in einem durchaus fortgeschrittenen Alter. Selbst, wenn sie noch einige Jahre durchhalten sollten: ineffizient sind sie vermutlich schon jetzt. In so einem Fall könnte ein zentrales Nahwärmenetz diese zehn Einzelheizungen ersetzen. Der Vorteil für die Hauseigentümer: Für sie entfallen künftig Kosten für die Wartung und Instandhaltung ihrer Heizung, und den Kaminfeger brauchen sie auch nicht mehr.

Zudem, so Bragagnolo, arbeite eine zentrale Anlage effizienter. Etwa eine Kraft-Wärme-Koppelung, bei der ein per Gas betriebener Generator gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt.

Der Strom wird ins Netz gespeist, die Wärme wird in Form von heißem Wasser durch Leitungen zu den Endverbrauchern geleitet. Wer daran angeschlossen ist, erhält dann von den Stadtwerken keine Gas-, sondern eine Wärmeabrechnung. Für das kürzlich erschlossene Baugebiet Entensee in Glems wurde dafür bereits der Grundstein gelegt. Die dafür nötige Heizzentrale im Rathaus wird zwar im Oktober erst montiert, doch schon jetzt liegen die nötigen Wärmeleitungen im Boden und reichen an jedes Grundstück.

Als Energiequelle dient in dem Fall Flüssiggas, freilich könnte das Ingenieurbüro, das mit der energetischen Stadtsanierung beauftragt wird, auch Heizanlagen anderer Machart vorschlagen. Holzhackschnitzel etwa, wobei Bragagnolo inmitten eines Wohnviertels nicht unbedingt als erstes an Holzverbrennung denkt. Wegen der Emissionen.

Damit die Einwohner auch aus erster Hand erfahren können, worum es geht, wird es zum Auftakt eine Bürgerversammlung in Glems geben. Erhebungen und Umfragen treffen dann also keine Unvorbereiteten. Die Planung, mit der eine externe Firma beauftragt werden soll, kostet etwa 80.000 Euro, doch 65 Prozent davon sind förderfähig.

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