Motivieren ist die Kunst

In vielen Städten gibt es Bürgermentoren, die durch den Paritätischen Wohlfahrtverband im Auftrag der Landesregierung ausgebildet werden. Nun steht auch in Metzingen die erste Generation am Start.

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Die Mentoren gehen frisch geschult ans Werk. Foto: Natalie Eckelt

Seit Oktober letzten Jahres haben acht angehende Bürgermentoren die Schulbank gedrückt, um fortan gut ausgerüstet auch andere Menschen fürs Bürgerengagement zu begeistern. "Die Gruppe war sehr lebhaft, lernbereit und auch sehr ideenreich", schwärmt Sabine Jäger-Renner von der Stadtverwaltung, die die Kursteilnehmer zusammen mit zwei weiteren Trainerinnen zu Mentoren ausgebildet hat.

Im Rahmen ihrer Ausbildung haben die Mentorenschüler Tipps in Sachen Gesprächsführung und Moderation bekommen und auch die bürgerliche Landschaft in Metzingen erkundet, um herauszufinden, wo es noch mehr Bedarf an bürgerlichem Engagement gibt. "Wichtig war auch, ein Gefühl dafür zu bekommen, was ein Bürgermentor eigentlich ist und was ihn vom herkömmlichen Ehrenamt unterscheidet", erklärt Sabine Jäger-Renner. "Der Bürgermentor ist ein Initiator. Er ist ein Unterstützer, der ein Projekt in Gang bringt, Ansprechpartner ist, sich dann aber auch wieder verabschiedet." Ein Bürgermentor müsse ein Projekt auch wieder loslassen können. Das größte Ziel sei, andere Mitbürger zu motivieren, sich zu beteiligen und Projekte anzustoßen.

Als Dialogpartner vermitteln die Mentoren auf Wunsch zwischen Bürgern, Vereinen und Initiativen, dem Gemeinderat und der Stadt. Die Ausbildung sei dafür unerlässlich gewesen. "Wir haben durch den Kurs das richtige Handwerkszeug bekommen", erzählt Anne Gekeler. "Vorher hatte man das Gefühl, dass das eigene Bürgerengagement ins Nichts führt, jetzt hat das, was man tut, auch wirklich Hand und Fuß und das macht viel zufriedener."

Insgesamt gibt es nun acht Bürgermentoren, vier Herren und vier Damen. Der jüngste Mentor ist Student und Mitte zwanzig, der älteste ist 72 Jahre alt und Rentner. Je nach eigenen Talenten, Fähigkeiten und persönlichem Hintergrund haben sich die Mentoren während ihrer Ausbildung an ihr Fachgebiet gemacht und sich Projekte ausgedacht, bei deren Verwirklichung sie nun noch ein Jahr lang von ihren Trainerinnen unterstützt werden. Jede Menge Unterstützung brauchen sie dabei natürlich auch von anderen Bürgern, die wie sie die Ärmel hochkrempeln und mit anpacken.

So steht zum Beispiel ein Nachtsportangebot für Jugendliche auf dem Programm. "Beim Mitternachtssport können Jugendliche beim Klettern oder Fußballspielen zu der Zeit gemeinsam Sport machen, zu der sie sonst vielleicht auf der Straße wären", erklärt Tanja Früh zu ihrer Late-Night-Sport-Idee.

Gerd Maier möchte unter anderem beim Thema Müllvermeidung das "Wir-Gefühl" fördern und nach Möglichkeiten suchen, wie Jugendliche und Erwachsene hierbei besser zusammenarbeiten können. "Es braucht immer einen Kümmerer", sagt er. "Dann finden sich auch Leute, die bereit sind, zu helfen." Svetlana Letzgus, die selbst aus Russland stammt, hat die Idee, einen "Integrations- und Kulturverein" zu gründen, um bei Kindern angefangen, die Völkerverständigung zu fördern.

Margaret Riedlinger hat sich einen Näh- und Reparaturtreff ausgedacht, in dem alle Interessierten nach "Stich und Faden" lernen könne, wie man Kleidungsstücke selbst flicken oder ändern kann. Jochen Kalweit möchte das Fahrradfahren im Ort fördern und Angelika Brauner und Achim Gölz haben sich die Jugendarbeit zu Herzen genommen und möchten zum Beispiel dem Club Thing zu einem besseren Image verhelfen.

Damit die Bürger erfahren, was eigentlich alles in den Metzinger Zukunftsteams erarbeitet wird, setzt sich Mentorin Anne Gekeler für eine verbesserte Pressearbeit und eine stärkere Vernetzung der einzelnen Teams ein.

Ihr offizielles Mentorenzertifikat bekommen die Absolventen am 12. April im großen Sitzungssaal des Rathauses.

Bei dieser Gelegenheit kann man die frisch gebackenen Mentoren von 15 bis 18 Uhr einmal persönlich kennenlernen und mehr über ihre Projektideen erfahren, die sie im Rahmen der Abschlussveranstaltung präsentieren werden. Dazu gibt es auch eine Podiumsdiskussion mit dem Thema "Macht Bürgerengagement glücklich?", eine Frage, die die acht Metzinger Bürgermentoren sicher gerne beantworten werden.

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