Mit balkanesischem Akzent

Balkan- und Cool-Jazz - anspruchsvoll und doch eingängig: Der Trompeter Dusko Goykovich und die Wüste Welle Big Band gaben im Sudhaus bei den Jazz & Klassik Tagen ein Konzert mit Überraschungen.

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Früh von Miles Davis persönlich entdeckt: der heute 81-jährige Dusko Goykovich. Foto: Jürgen Spiess

Ziemlich genau 56 Jahre ist es her, als eine Begegnung das gesamte Musikerleben von Dusko Goykovich umkrempeln sollte. Bei einer Jamsession in seiner Wahlheimat München saß plötzlich Miles Davis neben dem damals unbekannten Trompeter aus Montenegro.

Der Superstar lauschte andächtig dem Spiel des Newcomers, stieg in die Session mit ein und bot Goykovich danach an, nach New York zu kommen. Obwohl die beiden nie wieder gemeinsam auf der Bühne standen, riss der Kontakt bis zum Tod der Trompeten-Legende nicht mehr ab. Miles Davis öffnete für den damals 25-jährigen Goykovich so manche Türe zur amerikanischen Jazz-Szene.

56 Jahre nach dieser Begegnung feiert Dusko Goykovich bei seinem Auftritt innerhalb der Jazz & Klassik Tage seinen 81. Geburtstag, und der Geist von Miles Davis Musik ist noch immer zu spüren. Mit der 17-köpfigen Wüste Welle Big Band aus Tübingen und den Geburtstagsgästen Peter Lehel (Saxofon) und Si Backu (Gesang) interpretiert Goykovich Bigband-Kompositionen, Stücke aus eigener Feder und auch einige Arrangements im Gedenken an den US-Trompeter. In seiner Behandlung mutieren Swing- und Hardbop-Klassiker stets zu neuen, mit dem Original nur wenig verwandten Balkanjazz-Nummern - im Sudhaus bezeichnet der noch immer vital und jung wirkende Goykovich seine Musik treffend als "Jazz auf balkanesisch".

Die Geschichte hat den seit 1968 in München lebenden Trompeter und Flügelhornisten gelehrt, dass Bescheidenheit eine adäquate Lebenshaltung ist. Immer wieder zieht er sich zurück, lässt dem Karlsruher Saxofonisten Peter Lehel den Vortritt, reiht sich ein in das Gebläse der seit zwei Jahren bestehenden Wüste Welle Big Band. Für einige Stücke erweist auch Sängerin Si Backu dem Trompeter ihre Reverenz, hat aber zuweilen Schwierigkeiten, sich mit ihrer Stimme gegen das kraftvolle Powerplay der Bigband durchzusetzen.

Wenn Goykovich in den Blickpunkt rückt, spielt er melodiöse Fremd- und Eigenkompositionen, meist Balladen wie "The look of love", "Serenade to a soul sister" oder "A ballade for Miles". Er bläst sein Instrument, ohne historische Patina, sondern ganz frisch, im Augenblick geboren. Sich zu riskieren, hat er nicht mehr nötig, er überbläst die Töne nicht, stößt keine schneidende Akzente aus. Trotzdem wirkt sein Spiel - auch im großen Format - unvermindert präsent und süffig. Goykovich hat nicht nur einen bemerkenswerten Tonumfang, er bläst seine Phrasen auch klar, intensiv und sanftmütig.

Egal, ob sich der Trompeter im Hardbop oder in swingenden Balkanjazz-Gefilden bewegt, egal, ob Lehel eines seiner gelungenen Soli auf dem Tenorsaxofon zum Besten gibt oder ob Goykovich mit Gefühl und Timbre die Trompete bläst: Zu hören gibt es immer hochelegante und luftige Jazz-Linien. Routine ist nichts, auf das sich Dusko Goykovich verlassen möchte - auch wenn er davon jede Menge hat.

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