Luna: Kurz vor dem Abspann

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Noch residieren Luna und Volksbank in trauter Nachbarschaft. Doch Ende 2019 läuft der Mietvertrag der Kinobetreiber mit der Bank aus, bis dahin braucht das Filmtheater einen neuen Standort.  Foto: 

Es hätte ein so schöner und unbeschwerter Start ins Kino-Jahr 2018 werden können. Die Besucher standen Schlange zur Laible & Frisch-Verfilmung „Da goht dr doig“ – ein Kassenschlager, in der Filmbranche Blockbuster genannt, gleich zu Jahresbeginn, wie er im Jahr in den Kinosälen des Ermstals maximal drei bis vier Mal vorkommt. „Wir haben extrem vom Heimvorteil mit den Aufnahmen aus der Region profitiert. Natürlich würden wir uns eine Fortsetzung des Films wünschen“, sagt Thorsten Hail, Vorsitzender des Stadtjugendrings Bad Urach, der das Luna-Fimtheater in Metzingen und das Forum 22 in Bad Urach betreibt.

Doch ob eine eventuelle Fortsetzung von Laible & Frisch in Metzingen noch im altehrwürdigen Luna in der Eisenbahnstraße gezeigt werden würde, das scheint zum Tage doch sehr ungewiss. Die mögliche Schließung des Kinos in Metzingen war in den Warteschlangen zur Schwaben-Komödie das Top-Thema.

Wie berichtet wird die Volksbank Ermstal-Alb als Eigentümer des Kinogebäudes den Ende 2019 auslaufenden Mietvertrag mit dem Stadtjugendring nicht nochmals verlängern. „An dieser Beschlusslage hat sich auch in den vergangenen Wochen nichts geändert“, versichert Vorstandsmitglied Karl Herrmann, der für die Immobilienverwaltung der Bank zuständig ist.

Hintergrund der Überlegungen der Bank ist, dass es im Quartier rund um den Bahnhof derzeit eine Befragung der Anlieger gibt, wie sie gedenken ihre Grundstücke künftig zu nutzen, beziehungsweise was sie sich für eine Attraktivierung des Areals wünschen würden. „Wir können uns deswegen nicht langfristig festlegen, weil wir nicht wissen, was um uns herum passiert“, so Herrmann. Sollten zum Beispiel die Parkplätze entlang der Eisenbahnstraße bebaut werden, „dann brennt’s bei uns in Sachen Parkplätzen“. Durch die Fusion der Volksbank Metzingen-Bad Urach mit der VR-Bank Alb seien schließlich viele neue Mitarbeiter in die Zentrale nach Metzingen gekommen. Um für künftige Aufgaben und Herausforderungen flexibel zu bleiben, müsse man sich das Areal des Luna einfach freihalten.

Die Argumentation der Bank kann Thorsten Hail in der Sache zwar nachvollziehen, wahrhaben möchte er sie aber dennoch nicht. „Das Kino ist an dieser Stelle eine historische Einrichtung. Standort, Infrastruktur und die Größe des Saales sind einfach ideal“, stellt Hail fest. Eine passende Alternative ließe sich auf die Schnelle wohl kaum in Metzingen finden. „Wir bräuchten dazu einen großen dunklen Saal, hoch genug, damit eine Leinwand mit entsprechender Höhe auch hineingeht“, erklärt Hail. Doch selbst, wenn eine solche Halle gefunden wäre, der Weg bis zu einem zweckdienlichen Kino sei dann immer noch lang, zumal der Stadtjugendring die Finanzen und die Manpower für einen möglichen Umbau aufbringen müsste. Beides kann Hail  nicht garantieren, arbeiten die Mitglieder seines Vereins doch zum großen Teil ehrenamtlich.

Eine Verlängerung des Mietvertrages für zum Beispiel nur ein oder zwei Jahren brächte beide Seiten auch nicht weit. Wenn keine langfristige Sicherheit besteht, dann bleiben nämlich Investitionen sowohl von Vermieter und Mieter zum Beispiel in die Vorführtechnik oder in eine Rollstuhlrampe für einen barrierefreien Zugang aus.

Zwei Mal haben die Verantwortlichen des Stadtjugendrings bereits das Gespräch mit der Stadtverwaltung gesucht. Dort besteht großes Interesse daran, das Kino in Metzingen zu erhalten. „Wir sind in Verhandlungen sowohl über den jetzigen Standort als auch über mögliche Alternativen“, sagt Pressesprecherin Christine Schuster. „Der Stadt ist am Kino sehr gelegen, mehr können wir zum aktuellen Zeitpunkt leider nicht sagen.“

Unabhängig von den Fortschritten der Stadt zum Thema Kino sucht auch der Stadtjugendring nach neuen Standorten in Metzingen, würde doch ein Wegfall der hiesigen Einnahmen den gesamten Stadtjugendring und damit womöglich auch die Existenz des Forum 22 in Bad Urach bedrohen. „Eine Schließung in Metzingen wäre jedenfalls nicht so einfach zu verkraften“, drückt es Thorsten Hail etwas weniger dramatisch aus.

Und inwieweit könnte die Volksbank den Kinobetreibern noch entgegen kommen? Mit dem Hinweis, den Spielbetrieb schon seit Jahren regelmäßig mit 25 000 Euro pro Jahr zu bezuschussen, sagt Karl Herrmann. „Sollte sich abzeichnen, dass an einem neuen Standort der Umbau oder Umzug noch einige Monate mehr Zeit benötigt als über das Jahresende 2019 hinaus, dann werden wir die Letzten sein, die nicht wohlwollend mit sich reden lassen.“

Wer die schwäbische Bäcker-Komödie mit Lokalkolorit noch nicht gesehen hat, kann dies im Januar noch nachholen. In dieser Kino-Woche läuft er durchgängig im Forum 22 in Bad Urach, in der Woche darauf dann wieder im Metzinger Luna.

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