Koalitionen und schöne Aussichten

Die Große Kreisstadt Metzingen schafft eine zweite Beigeordneten-Stelle. Eine heiße Favoritin gibt es bereits.

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metzingen swm leiterin haberstroh carmen  Foto: 

Kaum etwas ist in den vergangenen Jahren in Metzingen gewachsen, dessen zarte Triebe Carmen Haberstroh nicht gehegt, gepflegt und tüchtig mit jenen Wassern der Fachkenntnis begossen hätte, die aus sperrigen Themen florierende Geschäftsfelder zaubern. Sie ist als Kämmerin für die Finanzen der Stadt verantwortlich, zudem obliegt ihr die kaufmännische Leitung der Stadtwerke. Eigentlich viel genug, doch seit Metzingen das städtische Stromnetz übernommen hat und nun auch Strom vertreibt, wachsen die Aufgaben sämtlicher Mitarbeiter. Auch ihre. Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler erläuterte das am Donnerstagabend exemplarisch an nur wenigen Beispielen, um den zeitlichen Rahmen nicht zu sprengen. Eine Reihe kommunaler Pflichtaufgaben, zu denen auch der Ausbau und Betrieb der Bildungseinrichtungen, insbesondere der Kindertagesstätten gehöre, treibe den Etat zudem in die Höhe. Aus seiner Sicht sei es unumgänglich, eine zweite Beigeordnetenstelle wieder einzuführen, so wie es in Metzingen bis zum Jahr 2006 Usus war. Es war nicht schwer, den Gemeinderat davon zu überzeugen. Zumindest gab es weder am Donnerstag noch in einer gemeinsamen Sitzung der Ortschaftsräte Neuhausen und Glems am Dienstagabend Widerworte.

Die Beigeordneten sind hauptamtliche Stellvertreter des Oberbürgermeisters, die vom Ratsgremium gewählt werden. Eine davon ist die Erste Bürgermeisterin Jacqueline Lohde. Die zweite Stelle wird nun im Juni ausgeschrieben, doch noch ehe der Ausschreibungstext überhaupt formuliert ist, gibt es schon eine heiße Favoritin. „Wir haben doch eigentlich eine Beigeordnete“, formulierte es Stadträtin Dr. Christiane Hauber (FWV) und empfahl Carmen Haberstroh, sich zu bewerben. Jürgen Fromhold (SPD) pflichtete dem bei, indessen ihr Bernhard Mohr (FDP) einen akustischen Blumenstrauß offerierte: „Es würde uns freuen, wenn Sie sich bitte durchringen könnten, sich zu bewerben.“ Freilich hielt sie sich am Donnerstag noch vornehm zurück, allenfalls errötete sie leicht, was aber im schummrigen Licht des Sitzungssaals höchstens zu erahnen war. Gestern allerdings fand sie auf unsere Nachfrage eben jene Worte, die angesichts ihres bisherigen Werdegangs ebenso logisch wie für die Stadt wünschenswert sind: „Ich möchte mich bewerben.“ Nun aber zu den Mehrheitsverhältnissen im Ratsrund, oder wie es FDP-Stadtrat Bernhard Mohr angesichts der Vorkommnisse im Bad Uracher Gemeinderat formulierte: „Was machen wir, wenn unsere Fraktion von drei auf zwei Personen zurückfällt?“ Denn in Bad Urach führte das bei den Grünen zur Aberkennung des Fraktions-Status’. Die Antwort hatte Jürgen Fromhold parat, dessen SPD ebenfalls nur drei Mitglieder zählt: „Dann bilden wir eine gemeinsame Fraktion!“ Möglicherweise bedeutet dieser Schulterschluss die Renaissance der sozialliberalen Ära. Ob das schöne Aussichten sind, ist Geschmacksache. Doch mit den Aussichten, das hat die Donnerstagssitzung auch in Hinblick auf die Neubauten im Emil-Mörsch-Weg ergeben, ist es so eine Sache, wie Jürgen Fromhold erläuterte: „Es gibt kein Anrecht auf eine unbebaubare Aussicht.“

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