Klassik trifft Tango Nuevo

Argentinisch, norwegisch, ungarisch - das 35. Herbstkonzert des Kammerorchesters Metzingen am Sonntag in der Stadthalle bietet ein polyglottes und wie immer eigenwillig konzipiertes Musikprogramm.

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  • Das Kammerorchester Metzingen (KOM) probt fürs Herbstkonzert am Sonntag in der Stadthalle. Foto: Jan Zawadil 1/2
    Das Kammerorchester Metzingen (KOM) probt fürs Herbstkonzert am Sonntag in der Stadthalle. Foto: Jan Zawadil
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Extravagant und epochenübergreifend ist diese Werkauswahl außerdem: Folkloristisch, elegisch, romantisch, tänzerisch, je nachdem. Wieder wartet das Herbstkonzert des Kammerorchesters Metzingen (KOM) mit einer solistischen Besonderheit auf - am Sonntag wird es eine Konzertina sein, ein Konzert-Akkordeon, auf dem der Stuttgarter Solist Ulrich Schlumberger ein Bandoneon-Werk von Astor Piazzolla interpretieren wird. Solistisch mit von der Partie sind weitere junge Interpreten aus der Region.

Wie gesagt, auch international wird es zugehen - mit argentinischen, norwegischen und ungarischen Klängen. Damit präsentiert das Kammerorchester Metzingen, das seit 2006 von Oliver Bensch geleitet wird, erneut ein ausgefallenes Programm. Der zeitliche Bogen umfasst drei Jahrhunderte - von 1739 bis 1979, von Händel bis Piazzolla, von Barock bis Moderne.

Am Anfang steht Händels Concerto grosso op. 6,1 (1739), das teils schon auf die Frühklassik verweist. Typisch hier die Gegenüberstellung von Solisten- und voller Streichergruppe - Beatrice Erhart, Katharina Dolmetsch-Heyduck (Violinen) und Thomas Brocke (Cello) übernehmen dabei die Solostimmen, am Cembalo begleitet er Metzinger Kantor Stephen Blaich.

In chronologischer Reihenfolge geht es weiter mit Grieg, mit zwei elegischen Melodien für Streichorchester op. 34 (1880). Entstanden sind die beiden Sätze - "Herzwunden" und "Letzter Frühling" - aus Klavierliedern auf Texte des populären norwegischen Volksdichters Aasmund Olafsson Vinje. "Schöner, als jemals zuvor ich es sah, bedünkt mich das Blühen, schön, wie die Sonne dem Untergang nah - im letzten Erglühen" heißt es da. Doch die Melancholie der Orchestermelodien vermittelt sich auch ohne Kenntnis der Gedichttexte.

Vom Norden geht es nach Südosteuropa - mit dem Divertimento Nr. 1 (1934) von Leo Weiner, dem "Mendelssohn Ungarns", einem liebenswerten, tänzerischen Stück Musik, das mit folkloristischen Elementen (Csardas, Verbunkos) und einem ziemlich unwalzerhaften Walzer aufwartet - von zarten Pizzicati bis hin zu feurigen Rhythmen reicht hier das Spektrum.

Das Hauptwerk des Abends ist Astor Piazzollas "Aconcagua", ein Konzert für Bandoneon, Klavier, Harfe, Schlagzeug und Streichorchester (1979). Piazzolla übersetzt Einflüsse des argentinischen Tango Nuevo in die Sprache der moderaten Moderne - entsprechend kantig, feurig und strawinskyhaft geht es los, bevor das Bandoneon (in diesem Fall Ulrich Schlumberger auf seinem Konzertakkordeon) balladeske, meditative, tangoinspirierte, traurigschön-schwelgerische Töne anhebt. Das Streichorchester wird hier bereichert mit Harfe (Eva Bredl), Klavier (Carmen Ruiz-Merino) und Schlagwerk (Lukas Ehret, Markus Auer). Der gebürtige Ludwigsburger Ulrich Schlumberger (42) ist ein mehrfach preisgekrönter, studierter sowie tango- und moderne-erfahrener Akkordeonist, der mit renommierten Orchestern zusammenarbeitet, etwa dem RSO Stuttgart und den Münchner Philharmonikern.

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