Kirschtorte auf Ortsgeschichte

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  • Die Macher des Calverbühl-Kreises (vorne rechts Traute Seibold und Hans Berger) sind mit Kaffee und einem Lächeln für ihre Gäste da. Noch. Verstärkung ist dringend notwendig. 1/2
    Die Macher des Calverbühl-Kreises (vorne rechts Traute Seibold und Hans Berger) sind mit Kaffee und einem Lächeln für ihre Gäste da. Noch. Verstärkung ist dringend notwendig. Foto: 
  • Viele ältere Menschen aus dem Ermstal kommen zu den Freundeskreis-Treffen ins Dettinger Bürgerhaus. Sie können dort ihren Alltag ein paar Stunden hinter sich lassen. 2/2
    Viele ältere Menschen aus dem Ermstal kommen zu den Freundeskreis-Treffen ins Dettinger Bürgerhaus. Sie können dort ihren Alltag ein paar Stunden hinter sich lassen. Foto: 
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Kaffeeduft steigt den Neuankömmlingen im Dettinger Bürgerhaus schon von weitem in die Nase. Die Tafel ist mit Kastanien und Herbstblumen hübsch geschmückt, viele ältere Menschen sitzen an den Tischen. Wer denkt, hier tagt eine behäbige Seniorenrunde, der irrt. Bildung ist angesagt: Der Beamer wirft Fotos von Dettinger Unternehmen an die Wand, vorne steht Albrecht Arnold, Fachmann für Lokalgeschichte. Er spricht über die Ermsgemeinde und ihre Industrie im Wandel. Und manchmal hört man die Zuhörer über einen Altbau staunen: „Ach so sah das einmal aus!“

„Albrecht Arnold gehört zu unseren Star-Referenten“, sagt Traute Seibold. Die Dettingerin muss es wissen. Seit 14 Jahren arbeitet sie federführend in einem siebenköpfigen Team von Ehrenamtlichen, das den Freundeskreis Calverbühl am Leben hält. Hinter der Gruppe, die den Dettinger Hausberg im Namen trägt, steht ein besonderes Angebot für Senioren im Ermstal: Die Calverbühler gehören keiner Kirchengemeinde an, keinem Verein, und sie sind auch kein Kind der Gemeinde.

Der Freundeskreis will unabhängig sein, offen für alle, er ist praktisch ein Projekt von Bürgern für Bürger.

Gemeinsam mit ihrem Mann Hans Berger, der ehemaligen Gemeinderätin Gisela Dorsch und anderen Helfern gestaltet Traute Seibold etwa neun Mal im Jahr, immer mittwochs, einen Nachmittag für ältere Menschen. Früher gehörten dazu viele Ausflüge, etwa Betriebsbesichtigungen beim großen Reutlinger Sprudelhersteller oder anderen Firmen. Heute müssen es die Programm-Macher des Calverbühl-Kreises etwas ruhiger angehen lassen. Ihre Stammgäste sind mit den ehrenamtlichen Regisseuren älter geworden. Spaziergänge fallen den meisten schwer, also bieten die Macher des Treffs eben launige und informative Vortragsgäste.

Weltreisende gehören da ebenso dazu wie Polizeibeamte, die von ihrer Arbeit erzählen. Oder Gesundheitsexperten wie Dieter Siegler, der Vorsitzende des Homöopathie-Vereins in Dettingen.

Kurz, seit mehr als 42 Jahren ist immer etwas geboten beim Freundeskreis Calverbühl. Damals waren die Dettinger sogar die Pioniere in Sachen Altenarbeit. Noch nicht einmal die jährlichen Seniorennachmittage der Gemeinde Dettingen gab es. Doch jetzt könnte das regelmäßige Angebot für ältere Menschen im Ermstal auf der Kippe stehen.

Der Grund: „Wir suchen seit zwei Jahren verzweifelt nach Ehrenamtlichen, die unsere Arbeit übernehmen“, sagt Traute Seibold. „Aber bis jetzt hat sich einfach niemand gefunden.“ Als die Rentnerin ihr Amt mit damals 62 Jahren übernahm  („meine Mutter lebte 800 Kilometer weit weg, da wollte ich einfach etwas für andere ältere Menschen tun“), hätte sie kaum gedacht, dass es sich dabei um eine Langzeit-Aufgabe handelte. Um einen freiwilligen Nebenjob fürs Alter. Nun ist Traute Seibold 76, ihr Mann Hans Berger schon 78 Jahre alt. Und zwei Frauen aus dem Führungsteam gehen sogar auf die 84 zu. „Wir können das einfach nicht mehr stemmen. Wir brauchen jüngere Helfer“, sagt auch Hans Berger.

Doch die Suche nach Nachfolgern blieb bislang erfolglos, die Aufrufe brachten nicht die erwünschte Resonanz.

Bislang hat Traute Seibold mit ihrem Team dennoch weitergemacht. Ende des Jahres wollen die Ehrenamtlichen aber endgültig aufhören. Dann wird es eng für den beliebten Seniorentreff.

Deswegen bemühen sich die Dettinger nochmals eindringlich um Verstärkung. Ideal wären Interessierte zwischen 60 und 65 Jahren, die gerade aus dem Berufsleben ausscheiden und sich noch in der Gesellschaft engagieren wollen, betont Hans Berger.  „Es handelt sich um neun Tage im Jahr, das ist keine große Sache.“

Dennoch freuen sich viele ältere Menschen auf die Treffen. Sie sind dort in Gesellschaft, können ihren Alltag ein paar Stunden vergessen. Irgendwann wollen auch Traute Seibold und Hans Berger einfach als Gast zu den Nachmittagen des Freundeskreises kommen: „Unser größter Wunsch ist, dass wir schnellstmöglich Nachfolger finden, um auch in Zukunft gemütlich zusammen sitzen zu können“.

Der Dettinger Freundeskreis Calverbühl kommt am kommenden Mittwoch, 15. November, ab 14.30 Uhr wieder im Bürgerhaus am Anger zusammen. Wer Interesse hat, in der Leitungsgruppe mitzuhelfen, kann sich dort melden. Anrufe nimmt auch die Gemeinde Dettingen unter Telefon (07123) 7207-0 entgegen.

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