Gut gemeinter Rat zum Rad

Wenn im Herbst die Dunkelheit früher am Tage Einzug hält und dafür am Morgen erst später verschwindet, steigt das Unfallrisiko für Radfahrer. Die Polizei informiert daher an Schulen über verkehrssichere Fahrräder.

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In gelöster Atmosphäre ging die Fahrradkontrolle der Polizei gestern an der Neugreuthschule über die Bühne. Foto: M. Koch

"Jetzt gibts eine aufs Dach." Als gestern Vormittag sechs Beamte des Polizeireviers Metzingen unangemeldet an der Neugreuthschule erschienen, um die Fahrräder der Schüler zu inspizieren, da war so manchem Jugendlichen in der Warteschlange, dem nicht schnell genug eingefallen war, dass er ja ausnahmsweise mal zu Fuß zur Schule gekommen war, schon klar, dass sein Rad wohl nicht den Segen der Beamten bekommen würde.

Kein Licht, keine Klingel, keine Reflektoren, schwache Bremsen, wackelige Sättel - die Mängel, die gestern an der Neugreuthschule auftauchten, unterscheiden sich dabei in keinster Weise, auch nicht in der Häufigkeit, von jenem Bild, wie es sich den Beamten vor Tagen an der Schönbein-Realschule oder am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium dargestellt hat.

"Die Moral der Radfahrer hat in den vergangenen Jahren nachgelassen", befindet der Einsatzleiter, Polizeioberkommissar Jürgen-Günter Schneider. Dies treffe zum einen auf die Fahrweise zu, zum anderen aber eben auch auf die Verkehrstauglichkeit der Fahrräder. Und er hat festgestellt, dass die Räder bei jüngeren Kindern, also Fünft- oder Sechstklässlern, in schlechterem Zustand sind als bei älteren Jugendlichen. "Die älteren legen ab und zu schon selbst mal Hand ans Fahrrad, aber wenn überwiegend die Eltern noch die Verantwortung für den Zustand des Fahrrads tragen, dann siehts oft ganz schlecht aus."

Gestern also wurde während der Überprüfung durch die Beamten auch das Gespräch mit den Schülern gesucht. Sinn sei es ja nicht, Räder zu konfiszieren oder Strafen auszusprechen, sondern Überzeugungsarbeit bei den Schülern zu leisten. Neben den vorgeschriebenen Fahrradteilen (siehe Extrakasten) wurde auch das Thema "Fahrradhelm" angesprochen. "Uncool" bekennen die einen ganz offen, "den hab ich oben im Klassenzimmer", behauptet ein anderer und wird dabei ganz rot. Wie auch immer - der Anteil der helmtragenden Jugendlichen ist viel zu gering. "Wenn die Eltern das nicht vormachen und selbst einen Helm tragen, dann tun es die Kinder meist auch nicht", weiß Schneider.

Tatsächlich "aufs Dach bekommen" hat natürlich keiner der Schüler etwas, dafür einen Mängelbericht, den die Kinder den Eltern vorlegen sollen. Binnen sieben Werktagen müssen sie dann mit dem verkehrstauglich gemachten Fahrrad beim Polizeirevier Metzingen erscheinen. "Das wird natürlich überprüft, wir haben Durchschläge von den Berichten", so Schneider. Noch wichtiger als die eigentliche Kontrolle ist es den Beamten aber, das Bewusstsein der Schüler zu schärfen, welchem Risiko sie mit nicht verkehrstauglichen Rädern ausgesetzt sind.

Und da gilt es noch viel Arbeit zu leisten, wie die gestrigen Zahlen belegen. Von 33 überprüften Rädern entsprachen nur vier den Anforderungen der Straßenverkehrsordnung, 19 hatten leichte Mängel (fehlende Klingel oder Reflektoren), zehn waren gar mit erheblichen Mängeln (ohne Licht oder mit defekten Bremsen) vorgeführt worden. Ein Vater erschien schon gestern Nachmittag mit Kind und repariertem Rad beim Polizeirevier, "das darf schon als Erfolg für die Sicherheit der Schüler und ihrer Teilnahme am Straßenverkehr gewertet werden", resümiert Schneider.

Das gehört zu einem verkehrssicheren Fahrrad und einer passenden Ausrüstung

Rote Rückleuchte an der Rückseite (empfohlen wird eine Standlichtfunktion). Ein batteriebetriebenes Dauerlicht darf zusätzlich angebracht sein.

Kleiner roter Rückstrahler an der Rückseite (darf in die Rückleuchte integriert sein).

Roter Großflächen-Rückstrahler, gekennzeichnet mit dem Buchstaben "Z".

Weißer Frontscheinwerfer für nach vorne abstrahlendes weißes Licht (empfohlen wird Standlichtfunktion).

Weißer Frontrückstrahler, der nach vorne in Fahrtrichtung wirkt (darf in den Scheinwerfer integriert sein).

Dynamo mit einer Nennleistung von mindestens drei Watt und einer Nennspannung von sechs Volt (empfohlen wird ein Nabendynamo).

Speichenreflektoren an Vorder- und Hinterrad, jeweils um 180 Grad versetzt oder ringförmige, weiß reflektierende Streifen an den Reifenseiten oder in den Speichen.

Gelbe Pedalrückstrahler, die jeweils nach vorne und nach hinten wirken.

Bremsen in zwei von einander unabhängig wirkenden Systemen.

Klingel zur Warnung vor Gefahren.

Radhelme mit CE-Prüfzeichen entsprechen der europaweit geltenden Norm DIN EN 1078.

Bügel-, Ketten- oder Kabelschloss zur Vorbeugung gegen Diebstahl.

Auch Rennräder unterliegen Beleuchtungsvorschriften. Bis zu einem Radgewicht von 11 Kilogramm müssen Scheinwerfer und Schlussleuchten betriebsbereit mitgeführt werden, wenn sie nicht fest montiert sind. Sie dürfen batteriebetrieben und getrennt einschaltbar sein. Während angemeldeter Radrennen sind Rennräder von den Beleuchtungsvorschriften befreit.

Kinderfahrräder sind Spielgeräte und sollten nur auf Gehwegen, in verkehrsberuhigten Bereichen oder abseits des öffentlichen Straßenverkehrs genutzt werden.

Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen vorhandene Gehwege benutzen, ältere Kinder bis zum 10. Lebensjahr dürfen auf Gehwegen fahren (mit verkehrssicherem Fahrrad).


 

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