G8 bleibt ein Fehler

|
Peter Kiedaisch.  Foto: 

Morgen ist Ostern. Ein Fest, das an jenen Tag erinnert, an dem die Auferstehung Jesu offenbar wurde, an dem freilich auch diverser heidnischer Bräuche gehuldigt wird. Der Hase und die Eier dürften kaum christlichen Ursprungs sein. Selbst die Bezeichnung Ostern soll sich auf eine germanische Frühlingsgöttin namens Ostara beziehen. Feiern wir in Wirklichkeit also gar kein christliches Fest? Die Sache mit der Frühlingsgöttin ist in der Wissenschaft umstritten, und die paar gefärbte Eier sollten der Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod keinen Schaden zufügen können. So wie Glanz und Lichter zu Weihnachten gehören, liegen morgen eben bunte Eier als würzende Zutat in einem mit Moos ausgekleideten Körbchen. Das muss uns nicht stören. Doch eine Frage sei erlaubt: Womit würzen wir die Bildungspolitik, um sie uns schönreden zu können? Immerhin leistet sich Baden-Württemberg mit der Wehrhaftigkeit einer Jeanne d’Arc den vermeintlichen Luxus, Gymnasiasten in nur acht Jahren zum Abitur zu führen, von einigen Ausnahmen abgesehen, was die Sache zusätzlich verschlimmbessert. Ein Beispiel: Das Metzinger Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium ist die einzige G9-Modellschule im Landkreis. Mehr als 180 Schüler wollen im kommenden Schuljahr neu auf dieses Gymnasium. Zwölf Kilometer entfernt steht das Bad Uracher Graf-Eberhard-Gymnasium, für das sich nur 80 Schüler angemeldet haben. Müssen sich nicht alle Wähler veralbert fühlen, wenn das Kultusministerium behauptet, G9 sei im Land kein Thema mehr und auch nicht im Sinne der Schüler und ihrer Eltern? Das ist blanker Hohn. Dass ausgerechnet Bayern den Schritt zurück zum G9 wagt, sollte den Politikern im Ländle zu denken geben, denn Bayern stand noch nie im Ruf, das Abitur leichtfertig unters Volk zu streuen. So vergehen also die Jahre, in denen in Turbogeschwindigkeit Kindern das Kindsein ausgetrieben wird wie einst vermeintlichen Hexen noch vermeintlichere Dämonen. Dass dabei erstens die Kinder auf der Strecke bleiben und zweitens wichtige Lerninhalte stillschweigend aus dem Kurrikulum verschwinden, beeindruckt die Bildungspolitiker dieses Landes entweder nicht, oder sie haben eine andere Meinung dazu. Die Abstimmung mit den Füßen, was G9 und G8 anbelangt, haben die Schüler im Ermstal für sich entschieden: Mit 180 zu 80. Im Sport hieße das eine Klatsche.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Jede Spende kann ein Menschenleben retten

Das Metzinger-Uracher Volksblatt/Der Ermstalbote, die Reutlinger Nachrichten und der Alb Bote sammeln für das Deutsche Rote Kreuz im Landkreis Reutlingen. weiter lesen