Fließbandarbeit mit Herz

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Fließbandarbeit einmal anders: Ohne Maschinen, mit viel Handarbeit und noch mehr Herz. Wenn sich sonntags die Türen des St. Bonifatius-Gemeindehauses zum traditionellen Maultaschen-Essen öffnen, dann liegt hinter rund 80 ehrenamtlichen Helfern bereits ein intensiver Arbeitstag: Rund 8000 Exemplare der schwäbischen Spezialität werden samstags in einem Zwei-Schicht-Betrieb hergestellt und dabei wir nichts dem Zufall überlassen.

„Wir haben die Abläufe im Lauf der Jahre perfektioniert und ausgetüftelt“, erklärt Oliver Schnepf, Vorsitzender der Kolpingsfamilie. So hat sich eine ganz spezielle Maßeinheit für die Füllung der Maultaschen ergeben: Ein kleiner Schöpflöffel wird mit Brät gefüllt und abgestrichen. So ist garantiert, dass jede Maultasche mit der gleichen Menge gefüllt ist. „Das hier ist das Herz der Herstellung“, meint er mit Blick auf die vielen Helfer in der Produktion: 26 sind es in der ersten Schicht, 24 in der zweiten. Oliver Schnepf freut die Bereitschaft, die Kolpingsfamilie zu unterstützen: „Es gab auch Zeiten, an denen nicht wussten, wie wir über die Runden kommen“, gibt er zu.

Mitkocher aus Noyon

Mit dabei sind auch Metzinger, die mit der Kolpingsfamilie und der katholischen Kirche nichts zu tun haben wie ein Kreis von Kolleginnen: „Die finden die Aktion ganz einfach toll“, weiß Schnepf. Das gilt auch für Valentine Brassart und Antoine Outrequin aus der Partnetstadt Noyon, die sich an der Maultaschen-Produktion beteiligen: „Die gibt es bei uns nicht“, meint die junge Französin. Klar, lasse sie sich das Rezept geben und einige Maultaschen werden die beiden auch mit ins Nachbarland nehmen.

Genau 60 Stück wird Gudrun Freifrau von Wiedersperg nach Franken importieren, für einen guten Zweck: vor 60 Jahren wurde die Deutsche Lepra- und Tuberkulosenhilfe gegründet und dieser kommt seit jeher der Erlös des Maultaschenessens zu. Vergangenes Jahr war die Präsidentin des Vereins in offizieller Mission in Metzingen zu Gast, dieses Mal reiht sie sich in die Schar der Helfer ein: „Dieser ehrenamtliche Einsatz ist gigantisch“, lobt sie die Kolpingfamilie und ist begeistert von der ganz eigenen Atmosphäre. „Schon das Abschmecken allein ist ein Erlebnis“, meint sie zu ihren Eindrücken. Nudelteig und Brühe werden komplett in Eigenregie hergestellt. Allein für die Füllung holt sich die Kolpingsfamilie Unterstützung bei einem Metzger – doch nur das Fleisch wird von ihm bezogen. „Bei einem Bäcker schneiden wir sieben Schütten Knödelbrot“, erzählt Oliver Schnepf. Auch die Zwiebeln werden selbst geschält und halbiert sowie rund 700 Eier aufgeschlagen – nichts wird dem Zufall überlassen, auch nicht die Menge des Pfeffers zur Würzung der Füllung. Kurz vorgekocht, werden sie im Gemeindesaal zum Trocknen auf Tischen ausgelegt: Maultaschen soweit das Auge blickt. „Ich kann die nächste Zeit keine Maultaschen mehr sehen“, gibt eine Helferin denn auch zu. Am Sonntag geht es in den frühen Morgenstunden mit der Herstellung des Kartoffelsalats weiter: Kartoffeln schälen, rädeln und Zwiebeln schneiden, würzen. Ein Mammutprogramm für die Helfer, an beiden Tagen sind jeweils rund 80 junge und ältere Frauen und Männer im Einsatz.

Der Spaß überwiegt

Manche sind Samstag wie auch sonntags mit dabei: „Das ist durchaus anstrengend“, weiß Schnepf. Doch der Einsatz lohne sich, der Spaß überwiege: Die Gemeinschaft werde gestärkt zwischen den Generationen. „Wir arbeiten ja nicht nur“, meint eine Seniorin zustimmend. „Wir können nebenher viel miteinander reden.“

Zur gelebten Tradition gehört auch, dass die Helfer nach der Arbeit miteinander essen – die selbst hergestellten Maultaschen natürlich. Deren Qualität wissen auch die Gäste am Sonntag zu schätzen, wenn der Gemeindesaal zu einem Restaurant auf Zeit wird: „Es ist uns wichtig, dass nicht alle Maultaschen über den Straßenverkauf rausgehen“, erklärt Oliver Schnepf, die Menschen sollen das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit haben. Wie der gestrige Sonntag wieder gezeigt hat.

Eier werden für das Maultaschenessen aufgeschlagen. Insgesamt schafft die Kolpingsfamilie mit weiteren Helfern stolze 8000 Maultaschen für das traditionelle Benefiz-Essen.

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