Emotionale Debatte zum Posthof-Areal

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Ungewöhnlich scharfe Töne hallten am Donnerstagabend durch den Sitzungssaal des Rathauses. Der Gemeinderat diskutierte dort über den Bebauungsplan "Posthof-Areal" - und über alles, was damit im engeren und weiteren Zusammenhang steht.

Die örtliche Presse wurde zum Beispiel für ihre jüngste Berichterstattung nach einer nichtöffentlichen Info-Veranstaltung zum Thema kritisiert. Die Berichte seien "nicht vom aktuellen Stand der Planungen" ausgegangen, es fehle der "Respekt vor dem Amt des Oberbürgermeisters", der sich selbst übrigens nicht beklagt hat, und es sei einfach die falsche Wortwahl gewesen, hieß es. Jürgen Fromhold (SPD) meinte schließlich: "Die Presse hat bei diesem sensiblen Thema nicht zur Befriedung der Bevölkerung beigetragen." In der Tat ist "Befriedung der Bevölkerung" kein Fach, das während der Ausbildung von Journalisten gelehrt wird. Nun stellt Medienschelte ja ein beinahe alltägliches Phänomen dar, was in einer freiheitlichen Gesellschaft auch weiter kein Problem ist. Absender und Empfänger wissen damit umzugehen.

Außergewöhnlich war am Donnerstag dagegen, was sich die Stadträte gegenseitig unterstellten. Von "Bestechung" und "Bestechlichkeit" war da die Rede. Holger Weiblen (CDU) etwa, der sich selbst in der Sache verunglimpft fühlt, wollte davon aus dem Lager der Freien Wähler gehört haben. Deren Fraktionsvorsitzender, Peter Rogosch, konnte dies natürlich nicht auf sich und seinen Parteikollegen sitzen lassen - und schob den Schwarzen Peter unbeabsichtigt in Richtung Verwaltung weiter. "Wir beschäftigen uns schon mit der Frage, wo in der Verwaltung das Engagement her kommt, sich so für dieses Projekt einzusetzen", sagte Rogosch, meinte es aber ganz anders. Auf Intervention von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler erklärte Rogosch dann, die Frage sei aus der Bevölkerung an ihn herangetragen worden, für ihn persönlich stehe außer Frage, dass in der Verwaltung alles mit rechten Dingen zugehe.

Dass das Klima überhaupt so vergiftet zu sein scheint, mancher zog gar einen Vergleich zum früheren Themenkomplex "Braike-Wangen", war spätestens vergangene Woche bei jener bereits erwähnten Info-Veranstaltung zu erkennen. Vereinzelte Projektgegner hätten dort versucht, mit Argumenten von weit unterhalb der Gürtellinie Treffer zu landen, so wird erzählt. "Ich schäme mich für diese Metzinger Bürger", ringt Sibylle Küßner (CDU) noch eine Woche danach um Fassung. Entgegen seiner ursprünglichen Planung ging dann auch OB Fiedler auf jenen Abend ein. Er stehe zu einer geordneten Bürgerbeteiligung und werde sie in Metzingen auch weiterhin praktizieren. "Aber ich habe noch nie erlebt, dass so mit mir umgesprungen wird. Von geordneter Bürgerbeteiligung konnte da keine Rede mehr sein", sagte er. Der Erfolg einer Bürgerbeteiligung lasse sich nicht daran messen, dass nach der persönlichen Meinung Einzelner gehandelt werde, stellte er klar. "Ich bin mir sicher, die große Mehrheit der Bürger wünscht sich keinen OB, der zu jedem sagt: ,Jawohl, sie haben Recht." Fiedler wünscht sich für künftige Verfahren wieder mehr Sachlichkeit.

Apropos Sachlichkeit: Über den eigentlichen Bebauungsplan "Posthof-Areal" beziehungsweise das dort geplante Projekt wurde übrigens auch geredet. Architekt Manfred Hagelstein stellte die Änderungen vor, die während der vergangenen Wochen auf Wunsch von Bürgern, Stadtverwaltung und Gemeinderat in die Planung Einzug gehalten hätten. So sei die Fassadengestaltung optimiert, sprich aufgelockert worden. Das aufgesetzte Dachgeschoss wurde nach hinten gerückt, die Dachbegrünung ist berücksichtigt und Fahrradstellplätze sind eingeplant worden. Der Abstand zur Völter-Villa sei sogar ein klein wenig größer als der vorgeschriebene Mindestabstand. An der Gebäudehöhe, Hauptkritikpunkt der Projektgegner, hat sich dagegen nichts getan. Es bleibt bei vier Vollgeschossen mit einer Höhe bis zu 13,50 Meter plus dem zurückgesetzten Dachgeschoss.

Mit 14 zu 10 Stimmen stimmte der Gemeinderat schließlich der Bebauungsplanänderung zu. "Was wäre eine Demokratie wert, wenn nicht auch enge Abstimmungsergebnisse ihre Gültigkeit hätten", beendete OB Fiedler den heißen Tagesordnungspunkt.

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