Einmaliger Geschmack

"99 Prozent aller Kinder kennen Äpfel heute nur noch aus Supermärkten", sagte Klaus Lipp. Wo die Frucht und Apfelsaft tatsächlich herkommen, das erlebten Kinder am Donnerstag in Glems.

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Apfelsaft, den man selber macht, schmeckt natürlich am besten. Foto: Norbert Leister

Auch das ist aktiver Schutz der Streuobstwiesen: Wenn Kinder lernen und begreifen, dass Äpfel eben nicht in den Supermarktregalen wachsen. Wenn sie vor Ort das Obst auflesen, dabei jede Menge über das Wachstum, über Blüten, Bestäubung durch die Bienen, über Fall- und Brechobst erklärt bekommen, wenn die Kids von heute erleben, dass der Apfelsaft, den sie selbst gepresst haben, mit Sicherheit ganz anders schmeckt als der gekaufte - dann haben die Ehrenamtlichen mit ihrem Sommerferienprogramm jede Menge erreicht.

Am Donnerstag hatten sich Wolfgang Dürr, Klaus Lipp und Joachim Klatt mit knapp 20 Kindern zunächst auf den Weg zu den Apfelbäumen gemacht. Dort haben sie einen Leiterwagen voller Äpfel aufgelesen - und schon dabei gelernt, "dass Fallobst sehr gut für den Saft verwendet werden kann", wie Lipp erläuterte. Während Brechobst eher für den Verzehr geeignet ist, können nämlich die Äpfel für den Saft oder den Most durchaus auch Schorf oder kleine Macken haben. Kein Problem. Dem Geschmack tut das keinen Abbruch.

"Und wie ist das mit dem Unterschied zwischen Streuobstwiesen und Plantagen", wollte Klaus Lipp von den Kindern wissen. Die meisten hatten bestens aufgepasst und konnten nun ganz genau erklären, dass in den Plantagen ein Niederstammbäumchen neben dem anderen steht und dort die Ernte der prall voll hängenden Äste natürlich wesentlich einfacher ist als auf den Streuobstwiesen rund um Glems herum. Dort sind die Bäume nämlich wesentlich größer, höher. Und somit muss man sich ganz schön strecken, auf Leitern steigen oder mit Schüttelstangen dafür sorgen, dass das Obst zu Boden fällt.

Eine Rolle spielt laut Lipp natürlich auch, ob wie in den Plantagen die Äpfel zumeist gespritzt werden oder auf den Glemser Streuobstwiesen darauf verzichtet wird. "Und kann man am Stamm der Bäume erkennen, was für eine Frucht er trägt?" Schwierige Frage für Kinder, die in der Stadt aufgewachsen sind. Für Experten ist das mit Sicherheit kein Problem und die Kinder werden es so schnell auch nicht vergessen, dass man Kirschbäume an der waagrechten Struktur im Stamm erkennt. Und Zwetschgen an der senkrechten..

Klaus Lipp hatte aber noch viel mehr Fachwissen auf Lager: Insgesamt gibt es rund 3000 unterschiedliche Apfelsorten. Und wer hätte gedacht, dass der Wildapfel vor vielen hunderten Jahren aus Kasachstan in die Metzinger Region eingeführt wurde, erst die Römer die Frucht aber kultiviert haben?

Noch mehr Erstaunliches: "Habt ihr gewusst, dass zwei Drittel der Nahrungsmittel der Menschheit auf die Bestäubung durch Bienen zurückgeht?" Was Klaus Lipp da erläuterte, erscheint schier unglaublich, doch er bekräftigt sogleich: "Ohne die Biene geht gar nichts."

Für die rund 20 Kinder aus Metzingen, Neuhausen und Glems war dieser Nachmittag mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis. Und als sie dann selbst Hand anlegen durften, die gepflückten Äpfel waschen, klein schneiden, mit einer kleinen Maschine raspeln und schließlich selbst durch Muskelkraft pressen - was für ein Anblick, als dann tatsächlich unten aus der Presse reiner, purer Apfelsaft herausfloss. Und dieser Geschmack - einmalig.

Info Am Samstag und Sonntag, 6. und 7. Oktober, wird im Museum wieder Mostfest gefeiert. Und am Sonntag, 14. Oktober, steht die Obstsortenausstellung an, mitsamt Obstsortenbestimmung.

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