Einem anderen Takt folgen

Dieser Fluss verbindet Menschen, Länder und Kulturen: "An der schönen blauen Donau" heißt das Motto des Bad Uracher Musikherbsts 2014. Wir sprachen mit dem künstlerischen Leiter Florian Prey.

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SÜDWEST PRESSE: Nächstes Jahr wird Ihr zehntes Jahr als künstlerischer Leiter der Herbstlichen Musiktage Bad Urach sein - hätten Sie das, als Sie 2006 übernahmen, gedacht?

FLORIAN PREY: Natürlich! Ich will das Festival auch noch weitere zehn Jahre führen. Es ist mir ein großes Anliegen, das Erbe meines Vaters, der das Festival vor 33 Jahren gegründet hat, fortzuführen. Auch wenn es inzwischen ein etwas anderes Profil hat und wir neben viel Gesang auch die Kammermusik nicht zu kurz kommen lassen möchten. Es macht mir viel Freude. Das Festival ist wie ein Weinberg, den ich programmatisch und gedanklich bestellen darf. Er wird geerntet. . . und wir Künstler dürfen uns entfalten.

Können Sie sich an den Augenblick erinnern, wo Ihnen zum ersten Mal die Idee zum Thema "An der schönen blauen Donau" kam?

FLORIAN PREY: Als ich auf einer schönen Terrasse in der Wachau auf die Donau blickte, dabei ein herrliches Glas Wein trank. Da kamen mir die fließenden Gedanken - Musik fließt auch. Sie wurde an der Donau komponiert, ganz besonders muss ich Wien dabei herausheben, waren dort nicht die großartigsten Komponisten tätig? Hat nicht der eine oder andere einen wunderbaren Spaziergang am Donauufer gemacht? Und es sprudelten plötzlich Ideen. . .

Nun fällt auf absehbare Zeit das Residenzschloss für Konzerte aus - was bedeutet das für die Musiktage?

FLORIAN PREY: Für uns als Veranstalter ist das schon schmerzlich. Auch das Publikum wird das Residenzschloss vermissen, die schöne Dürnitz, in der man die Pausen der Konzerte erlebte bei einem Glas Wein, zusammen im Gespräch. Wir können jetzt nur hoffen, dass wir bald wieder oben im schönen Palmensaal Konzerte machen können. Der Palmensaal ist das Herz der Herbstlichen Musiktage.

Aber es gibt dadurch auch wieder Neues zu entdecken, etwa die akustisch sehr feine katholische Kirche mit dem herausragenden Altarbild von dem bedeutenden Maler Sieger Köder. Schon deswegen sollte man sich die Kirche mal ansehen. Außerdem hat dort überall eine hervorragende Sicht, wie in einem alten englischen Globe Theatre.

Apropos Ausfälle: Bei den Künstlern gibt es aber keine Absagen, oder?

FLORIAN PREY: Nein, bis jetzt nicht, und ich hoffe natürlich, dass alle kommen und es keine Pannen gibt. Aber passieren kann natürlich immer etwas. . .

Wie würden Sie Ihre Grundidee für die Musiktage kurz beschreiben?

FLORIAN PREY: Ich bin glücklich, ein Festival leiten zu dürfen, das eine ganz eigene Dynamik von Exklusivität hat. Exklusiv in dem Sinne, dass man hier Dinge stattfinden lässt, die man nur für die Herbstlichen Musiktage erdacht hat, programmatisch, oder Künstler betreffend, die möglicherweise hier zum ersten Mal zusammentreffen, hier zum ersten Mal etwas erarbeiten. Junge, ganz unbekannte Künstler sind mir genauso wichtig wie die etablierten Künstler, die sich ebenfalls auf Abenteuer einlassen möchten. Das ist eine Form von natürlich gewachsener Exklusivität, die ich wesentlich finde und die ich in meiner ganzen Arbeit als künstlerischer Leiter dieses kleinen feinen Festivals ganz intensiv verfolge.

Hier geht es nicht um einen großen Event, sondern ich möchte mit hochkarätigen Künstlern zusammen unser Publikum berühren, verzaubern, für diese Stunden in eine andere Welt entführen. Ich möchte es begeistern, in dem großen Bereich der klassischen Musik Neues zu entdecken. Ich möchte, dass Publikum und Künstler gleichermaßen Bad Urach als Heimstatt empfinden und sich wohl fühlen. Deswegen muss ein Festival eine explizite Haltung vorweisen. Es ist wichtig, sich konzeptionell abzugrenzen, wir müssen in dieser Woche einem anderen Takt folgen, eine andere Temperatur muss entstehen.

Wann gibt es beim Musikherbst wieder eine Opern-Rarität wie Schuberts "Sakontala", Meyerbeers "Alimelek" und Webers "Abu Hassan"?

FLORIAN PREY: Wir arbeiten dran, aber wir haben auch gemerkt, dass so eine Opernproduktion sehr aufwendig ist, insbesondere finanziell. Aber ich bin immer in Verhandlungen; und vielleicht klappt wieder etwas 2016.

Nach bald neun Jahren Urach: Was waren für Sie die schönsten, unvergesslichen Momente in dieser Zeit?

FLORIAN PREY: Ganz spontan denke ich an die Saison "Hommage an das Meer". Da hatten wir einen Film von Fritz Murnau, "Tabu"; jeder Akt des Films wurde von verschiedenen Komponisten vertont, und live zum Film wurde die Filmmusik gespielt. Das war ein großes Projekt, das ich gerne noch einmal machen würde. Sehr spannend!

Zu guter Letzt: Verraten Sie uns, was in Urach oder drumherum Ihr Lieblingsplatz ist?

FLORIAN PREY: Natürlich der Hohenurach. Da denke ich immer an Joseph Eichendorffs "Auf einer Burg". Text: "Eingeschlafen auf der Lauer oben ist der alte Ritter. . ." Vertont von Robert Schumann. Herrlich! Da komme ich ins Träumen. . .

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