Eine Frage des Überlebens

Trotz eines guten Jahresergebnisses der fusionierten Volksbank Ermstal-Alb endete die erste Vertreterversammlung nicht nur freudig.

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Mancher Entscheidung der Vertreter ging eine rege Debatte voraus.  Foto: 

Mit Bedenken und "manchmal schwerem Herzen" hat Andreas Schwarz als einer der Vertreter bei der Versammlung der Volksbank Ermstal-Alb am Montagabend der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zugestimmt, wie er selbst betonte. Zwei andere Vertreter hatten die Entlastung verweigert - und das hatte vor allem einen Grund: Die Schließung von sieben Zweigstellen wollte manchen Volksbank-Mitgliedern nicht schmecken. "Die Präsenz in der Fläche ist wichtig, die Genossenschaft ist schließlich auch eine Solidaritätssache", betonte Schwarz. "Die Volksbank sollte nicht der Kreissparkasse hinterherhecheln mit den Filialschließungen."

Diese Ausführungen wollte Bernd-Dieter Reusch so nicht stehen lassen: "Wir ziehen uns ausdrücklich nicht aus der Fläche zurück und wir haben auch keine Filialen schlecht gerechnet, um sie schließen zu können", ging der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Ermstal-Alb auf Vorwürfe ein, die offensichtlich nach Bekanntwerden der Zweigstellen-Aufgaben laut geworden sind. Die mahnenden Worte der Mitglieder seien sehr wohl angekommen, "wir treffen aber keine Entscheidungen leichtfertig", entgegnete Reusch. Das unterstrich Eberhard Sailer als Aufsichtsratsvorsitzender der Bank: "Auch wir haben uns eingehend Gedanken gemacht, die Filialschließung ist mit eine Frage des Überlebens." Schließlich würde ein Großteil der Kunden die täglichen Bankgeschäfte mittlerweile online erledigen, ohne wie früher für jede Überweisung täglich in die Filiale zu kommen.

Fritz Goller warf als ein weiterer Volksbank-Vertreter die Idee einer mobilen Zweigstelle auf - "wir haben das schon diskutiert, wir glauben nicht, dass das der richtige Weg ist", antwortete der Vorstandsvorsitzende. Eher soll "ganz individuell" auf Kundenwünsche eingegangen werden, wenn nötig auch "einer alten Frau das Geld persönlich vorbeibringen", so Reusch. Die Rahmenbedingungen des Bankgeschäfts hätten sich veränderte und "auch die Kreissparkasse agiert unter heftigem Druck", so Reusch.

Ansonsten verlief die Vertreterversammlung der Volksbank Ermstal-Alb durchweg friedlich, Beschlüsse wurden einstimmig gefasst, das Ergebnis des Jahres 2015 wohlwollend zur Kenntnis genommen. Die Bilanzsumme betrug rund 1,4 Milliarden Euro, was ein Zuwachs von 1,1 Prozent bedeute. Zugenommen habe auch das Kreditgeschäft der Volksbank: Mit der erreichten Summe von 871 Millionen Euro seien die Forderungen an die Kunden um 1,4 Prozent gestiegen. Ein Anstieg aber auch bei den Kundeneinlagen - trotz miserabler Zinsen: Zum 31. Dezember vergangenen Jahres sei dieser Betrag bei 1,131 Milliarden Euro gelandet, was einen Anstieg der Spareinlagen der Kunden um 2,1 Prozent bedeute.

"Unsere Kunden investieren verstärkt in Fonds und andere Anlagen wie Immobilien, die wenigstens noch ein klein wenig Rendite versprechen", betonte Bernd-Dieter Reusch. "Das größte Stück des Anlage-Kuchens sind die Anleihen und Schuldverschreibung mit 284 Millionen Euro."

Allerdings achte die Bank auch bei Wertpapiereinlagen wegen der "Gefahr steigender Zinsen auf überschaubare Laufzeiten", so der Vorstandsvorsitzende. "Ganz besonders wichtig ist, dass unsere Gelder sicher angelegt werden." Und die Volksbank werde diese "Risikopolitik" auch nicht ändern, "wir bleiben sehr vorsichtig". Auch wenn riskantere Anleihen höhere Renditen versprechen würden.

Der Jahresüberschuss von rund drei Millionen Euro gestatte es dem Bankhaus, dass "wir wiederum eine gute Dividende von 3,5 Prozent ausschütten können", sagte Reusch. Neben der Vorstellung von den für die Vertreter der Ermstal-Volksbank neuen Vorstandsmitgliedern Martin Schnitzler und Karl Herrmann und der Verabschiedung von Walter Failenschmid nach 33 Jahren im Aufsichtsrat verbreitete René Borbonus am Montagabend in der Schillerhalle zudem Weisheiten über die Freude an Kommunikation und Rhetorik.

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