Ein schwäbischer Genuss

Seit mehr als 40 Jahren lädt die Kolpingsfamilie zum Maultaschenessen ein. Auch am Sonntag bildete sich bereits vor 11 Uhr vor dem Bonifatius-Saal eine lange Schlange. Wieder waren die Tische voll besetzt.

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Die Helfer der Kolpingsfamilie gaben gestern 7000 Maultaschen aus.  Foto: 

Es begann mit einer Spende und einem Wunsch. 1971 erhielt die Kolpingsfamilie eine anonyme Spende, verbunden mit der Bitte, diese zu mehren und das Geld zur Hilfe für aussätzige Menschen zu verwenden. Dem wollte man auch nachkommen. Hilfsbedürftige zu finden, war nicht das Problem, doch wie wollte man auch außerhalb von Spenden mehr Geld zusammenbekommen? So kam man auf die Idee mit dem Maultaschenessen. Und damit erreichte man dreierlei: den Genuss einer schwäbischen Spezialität, das gemeinsame Essen, das den Zusammenhalt einmal mehr festigt, und nicht zuletzt die Hilfe selbst.

Das Geld geht über die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), die ihren Hauptsitz in Würzburg hat, nach Brasilien. Zweimal im Jahr lädt die Kolpingsfamilie zu diesem Essen ein, und die Beliebtheit dieser Aktion ist, wie sich erneut am Sonntag zeigte, ungebrochen.

Die Schlange vor dem Boni-Saal wurde immer länger, in der Küche lagen die Maultaschen bereit, die Gemüsebrühe war heiß, im Saal standen schon einige Salatteller bereit, man wartete auf den Einlass. Oliver Schnepf, Vorsitzender der Kolpingsfamilie, stimmte die Helfer und Helferinnen in ihren orangefarbigen Schürzen auf das Kommende ein. Und diesmal waren sogar zwei besondere Gäste aus Würzburg gekommen: Gudrun von Wiedersperg, Präsidentin der DAHW, mit ihrem Mann und Irene Kober.

Letztere hatte vor 57 Jahren mit ihrem Mann Hermann, damals der Chefredakteur des Fränkischen Volksblatts und fünf Mitstreitern, eine Aussätzigenhilfe für den französischen Arzt Dr. Féron gegründet. Die Resonanz war überwältigend, so wurde daraus dann die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe.

Die beiden Damen zeigten sich beeindruckt vom Maultaschenessen der Metzinger Kolpingsfamilie. Es gebe hier dafür auch tolle Räumlichkeiten, merkte Irene Kober an. Natürlich nahmen sie an einem der Tische Platz, um ebenfalls die schwäbische Spezialität in der großen Gemeinschaft zu genießen. "Nur" knapp über 7000 Maultaschen seien es diesmal geworden, merkte Oliver Schnepf an, obwohl immer die gleiche Menge an Zutaten verarbeitet wurden. Es seien neue Helfer hinzugekommen, sagte der Vorsitzende, da seien eben die Maultaschen auch etwas fülliger geraten. Aus dem verbleibenden Teig wurden natürlich Nudeln gemacht, die auch zu erwerben waren.

Die gedeckten Tische hatten sich schnell gefüllt, nur noch wenige Plätze waren frei und noch immer riss die Schlange für den Straßenverkauf nicht ab, denn viele wollten die Maultaschen mit nach Hause nehmen. Es dürfte auch fraglich sein, ob sonst alle Gäste auch wirklich Platz gefunden hätten. Die zahlreichen Helferinnen und Helfer (auch die Männer in schmucken Schürzen) hatten alle Hände voll zu tun, um die Gäste zu bedienen.

Irene Kober sagte, sie sei dankbar für die Arbeit der Ehrenamtlichen, ohne die wäre diese Hilfe nicht zu machen gewesen und nicht zu machen. Hier in Metzingen konnten sie und die Präsidentin des DAHW die ehrenamtlichen Helfer in direktem Einsatz erleben, unter ihnen waren auch viele jüngere. Man wolle die Gemeinschaft pflegen, sagte Oliver Schnepf. Und das nicht nur bei und mit diesem Essen, die Kolpingsfamilie ist ja auch in vielen anderen Bereichen aktiv. Und da wird Gemeinschaft eben nicht nur auf den lokalen Bereich beschränkt.

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