Ein mörderischer Abend

Mittlerweile ist er bundesweit einer der meist gelesenen Krimi-Autoren: Wolfgang Schorlau war zusammen mit der Band Blueskraft zu Gast im Metzinger Falkenberghaus - zu einem blutrünstigen Mahl.

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"Bisher war es immer so, dass ich zu den Konzerten von Blueskraft gepilgert bin", sagte der Stuttgarter Wolfgang Schorlau im Falkenberghaus. Wie der Held aus seinen Kriminalromanen, Georg Dengler, so ist auch Schorlau selbst bekennender Blues-Fan. Und am Freitagabend packte er sogar seine Bluesharp aus und jammte zusammen mit der Reutlinger Band. Ein wahrlich bewegendes Ereignis - für den Schriftsteller, der mittlerweile um die 500 000 Romane verkauft hat, für die Bandmitglieder, die Schorlau vor Jahren bei einem Konzert kennen lernte, und auch für das Publikum, das sich während dieses Abends bestens unterhalten fühlte. Und obendrein noch ein "mörderisches Mahl" von den Naturfreunden serviert bekam: Eine teuflische Tomatensuppe, blutiges Roastbeef und als süße Nachspeise "Mord im Schnee". Die Lesung in Kooperation mit der Buchhandlung Stoll, Mahl, Konzert und Schorlau - "all das hat sich einfach so ergeben, so spontan wie die Naturfreunde halt sind", sagte der Vorsitzende Rainer Wilhelm augenzwinkernd.

Im Mittelpunkt stand aber Wolfgang Schorlau, der vor seinen Romanerfolgen in der Softwarebranche arbeitete. Bevor er am Freitag zu lesen begann, bewies der Autor, dass er nicht nur ein hervorragender Schriftsteller ist, sondern auch äußerst amüsant, pointiert und unterhaltsam seine Lesungen gestaltet. Bei der Vorstellung der immer wieder auftauchenden Hauptpersonen seiner sechs Romane durfte natürlich der Held nicht fehlen. Georg Dengler, ein Privatermittler, mit dem Schorlau zunächst enorme Probleme hatte: Ein berühmter Stuttgarter Krimi-Autor habe dem aufstrebenden Kollegen geraten: "Privatdetektive gehen in Deutschland überhaupt nicht." Der Beweis: In der Fernsehlandschaft gebe es weit und breit nur pensionsberechtigte Beamte. Und das erzähle ihm ein Fachmann zu einem Zeitpunkt, an dem Schorlau schon die Hälfte seines ersten Romans geschrieben hatte.

Er kam zu einem Kompromiss, beließ es bei dem Privatermittler, verpasste ihm aber eine Vergangenheit als Hauptkommissar beim Bundeskriminalamt. Andere Figuren, die Wolfgang Schorlau immer wieder in Szene setzt, existieren tatsächlich. Wie etwa der Kellner in der realen Stuttgarter Kneipe: Der glatzköpfige Markus hatte nach dem sechsten Roman eine dringende Bitte: "Lass mich doch in deinem nächsten Werk endlich mal einen Satz sagen", habe er Schorlau angefleht - bis jetzt musste der Kellner immer nur wortlos bedienen. Angeführt hat der Autor am Freitag auch den Freund von Dengler, der sein Geld durch das Schreiben von Horoskopen verdient. Und natürlich "die weibliche Hauptrolle - ach, Olga", schmachtet Schorlau vor dem amüsierten Publikum. "In diese Frau habe ich alle meine männliche Phantasie gelegt, zu der ich fähig bin."

Doch in seinen Romanen geht es zumeist weniger lustig zu: In seinem aktuellen Werk "Die letzte Flucht" befasst er sich mit den unglaublich kriminellen Praktiken der Pharma-Industrie. Zwei Jahre lang hatte er recherchiert, wütend haben ihn die umfassenden Erkenntnisse gemacht. Und das ganze Gesundheitssystem wie auch die Politik schauen tatenlos bei der gnadenlosen Abzocke zu. "Die Pharma-Industrie muss eine sehr starke Lobby haben." Der Pharma-Verband habe sich zunächst überlegt, gegen den Inhalt des Romans zu klagen, sagte Schorlau. Passiert sei aber bisher nichts.

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