Ein Königsmord beim Maskenball

Am Sonntag, 6. April, 19 Uhr, gastiert auf Einladung des Veranstaltungsrings das Pforzheimer Stadttheater mit Verdis "Maskenball" in der Stadthalle.

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Mit der Demaskierung offenbart sich die Katastrophe - ein Mord geschieht auf einem Fest vor den Augen aller, die sich scheinbar sicher auf dem spiegelglatten Gesellschaftsparkett bewegen; jeder perfekt in seiner Rolle als Teil eines räderwerkartigen Systems. Dieses kollabiert, als das Getriebe ins Stocken gerät, hervorgerufen durch menschliche Regungen abseits eingeschliffener Bahnen: Der Herrscher Riccardo begehrt heimlich Amelia, die Frau seines Vertrauten Renato. Eine Warnung der Wahrsagerin Ulrica läuft ins Leere, da sie der Angesprochene, Riccardo, missachtet. Verschwörer planen ein Attentat auf den Herrscher und gewinnen Renato für sich.

Am 16. März 1792 wurde der schwedische König Gustav III. auf einem Maskenball in der Stockholmer Oper vor den Augen der Ballgesellschaft angeschossen und starb kurz darauf an den Folgen. Dieser Vorfall inspirierte Verdi. Sein "Maskenball" wurde nach langem Streit mit den verschiedenen Zensurbehörden am 17. Februar 1859 im Apollo-Theater in Rom, statt wie geplant in Neapel, uraufgeführt. Für Neapel war der Stoff eines Königsmordes, auch wenn er in eine Liebesgeschichte eingebettet wurde, zu revolutionär und zu real, da man sich an das Attentat auf den König von Neapel und auf Napoleon III. erinnert fühlte. Die Oper wurde abgelehnt, und Verdi verließ die Stadt umgehend. In Rom wurde er jedoch mit großem Triumph gefeiert.

Als 1860 dann der verhasste bourbonische Herrscher in Neapel gestürzt worden war, war es dann "Ein Maskenball", der als erste Oper in der befreiten süditalienischen Stadt aufgeführt wurde.

Die Ermordung des Königs steht als Symptom für den Niedergang einer Gesellschaft, die nur noch in ihrer Maskierung zu funktionieren scheint. Verstellungen und Missverständnisse, Unausgesprochenes und vielleicht Gesagtes, vereint mit der expressiven und farbig instrumentierten Musik Verdis weisen konsequent auf das überwältigende und tragische Finale hin.

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