Die Schäden am Rathaus sind größer als erwartet

Es wird das größte Bauprojekt der Stadt Metzingen im Jahr 2013. Für 4,1 Millionen Euro wird das Alte Rathaus saniert. Der Gemeinderat gab am Donnerstag trotz ausstehender Zuschusszusagen grünes Licht.

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  • Die Südseite der Außenfassade ist schon saniert, die drei anderen Seiten werden 2013 folgen. Fotos: Archiv/Koch (2) 1/3
    Die Südseite der Außenfassade ist schon saniert, die drei anderen Seiten werden 2013 folgen. Fotos: Archiv/Koch (2)
  • Schon von außen lassen sich die Schäden am Rathausdach erahnen. 2/3
    Schon von außen lassen sich die Schäden am Rathausdach erahnen.
  • Die Dachgeschosse werden zu Büros, Ausstellungs- und Besprechungsräumen. 3/3
    Die Dachgeschosse werden zu Büros, Ausstellungs- und Besprechungsräumen.
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Fast ein halbes Jahr lang haben Experten das Alte Rathaus auf seinen baulichen Zustand hin untersucht. Das Resultat fällt schlimm aus. "Man kann wohl von einem Wunder sprechen, dass das Dach überhaupt noch auf dem Rathaus steht", sagte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler. "Wir können mit der Sanierung nicht mehr warten."

Nicht nur dieser Teil der Untersuchungsergebnisse ist unerfreulich, auch die Kosten, die daraus resultieren, sind von ursprünglich veranschlagten 2,8 Millionen Euro auf jetzt 4,24 Millionen (inklusive zwischenzeitlicher Umzug der Verwaltung) gestiegen, wie Architekt Markus Haug berechnet hat. Diese Kostensteigerung sei vor den Untersuchungen nicht absehbar gewesen, so die Fachleute übereinstimmend.

Von diesen 4,24 Millionen Euro muss die Stadt eventuell nur rund 2,28 Millionen selbst bezahlen. Weitere 1,78 Millionen erhofft man sich an Zuschüssen aus der Städtebauförderung, gut 177 000 aus der Denkmalförderung. Das Problem: Noch sind diese Zuschüsse nicht bewilligt, erst kurz vor Ostern ist mit der Entscheidung des Ministeriums zu rechnen, welche Städte beziehungsweise Sanierungsobjekte in den Genuss von Zuschüssen kommen. Bis dahin aber soll in Metzingen längst gebaut werden.

"Wir sind in guten Gesprächen und gehen fest davon aus, dass wir die beantragte Aufstockung der Sanierungsmittel bekommen werden, ganz einfach, weil wir in vollem Umfang die Ziele des Sanierungsprogramms erfüllen", sagte Konrad Berger, Leiter des Amtes für Planen und Bauen.

Bislang stehen für das gesamte Sanierungsgebiet "Innenstadt III" für den Zeitraum von 2008 bis 2016 2,137 Millionen Euro zur Verfügung, inklusive des städtischen Förderanteils. Mit der Umgestaltung "Ulmer Straße Süd" oder "Wilhelmstraße 14" sowie einige Maßnahmen von privater Seite wurde bis dato davon rund eine Million verbaut. Bleiben also noch 1,1 Millionen Euro im Topf, auf die man im äußersten Notfall zurückgreifen könnte, wenn für das Alte Rathaus, das im Sanierungsgebiet "Innenstadt III" liegt, keine weiteren Sanierungsmittel bewilligt werden. "Wir würden aber natürlich lieber andere Projekte, etwa den Martinskirchenvorplatz oder die Wilhelmstraße, zusätzlich umsetzen", so Berger. Das Alte Rathaus allerdings erlaubt keinen weiteren Aufschub, davon waren alle Fraktionen überzeugt, gar einstimmig wurde letztlich der Großinvestition zugestimmt. Immerhin bekommen die Metzinger auch was fürs Geld, denn das denkmalgeschützte Rathaus wird ein funktionales Schmuckkästchen.

Neben der Fassadensanierung und der Dacheindeckung wird von außen nur die neue Rampe als Änderung zu sehen sein, die einen barrierefreien Zugang zum Alten Rathaus ermöglicht. Dazu wird eine Fensterbrüstung aufgebrochen und eine zusätzliche Tür eingebaut. Vom Erdgeschoss bis zum zweiten Obergeschoss bleibt das Treppenhaus in seiner Struktur erhalten, bekommt aber neue Bodenbeläge. Zu den Büros hin wird im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss aus Brandschutzgründen eine Verglasung eingezogen. Vom Erdgeschoss bis hinauf ins zweite Dachgeschoss wird ein Fahrstuhl eingebaut. Zusätzlich sind die beiden neu ausgebauten Dachgeschosse über eine offene Treppe zugänglich. Der WC-Bereich im zweiten Obergeschoss wird ebenfalls behindertengerecht umgebaut.

Die meisten Änderungen ergeben sich in den beiden Dachgeschossen. Hier entstehen zum einen neue Büroräume an der West-, Nord- und Ostseite. In die Dachschräge werden daher auch Dachfenster eingebaut. Im zweiten Dachgeschoss wird es einen größeren Raum geben, in dem die Stadtmodelle untergebracht sind, außerdem ein kleines Besprechungszimmer.

Ein Hauptaugenmerk, und damit werden die Sanierungsarbeiten begonnen, liegt auf der Herstellung der Tragfähigkeit des Daches. Hans-Jürgen Klose hat die diesbezüglichen Untersuchungen geleitet. "Das ist Leben unterm Dach" sagte er und meinte damit nicht die emsigen Verwaltungsangestellten, sondern allerlei Getier und Pilze, die sich im Dachstuhl tummeln und gemeinsam mit Feuchtigkeit über die vergangenen Jahrzehnte deutlich sichtbare Spuren hinterlassen haben. Zudem wurden beim Rathausumbau 1913 gravierende Schäden am Tragwerk verursacht, indem tragende Balken entfernt wurden. "Viele Balken enden heute einfach im Nichts", so Klose.

Während der einjährigen Bauphase, die im Februar 2013 beginnt, wird das Rathaus komplett geräumt. Die Verwaltung bezieht dann den Kindergarten Sannental und das benachbarte Gebäude Sannentalstraße 4.

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