Die Natur wird verjüngt

Bei herrlichstem Sonnenschein begrüßten Ulrich Notz, Leiter des Metzinger Forstreviers, und Kreisförster Hubertus Kemmler die Metzinger Gemeinderäte zum diesjährigen Waldumgang.

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    Metzinger Gemeinderäte waren im Forst unterwegs. Fotos: Larissa Abbenzeller
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    Der neue Schlepper im Einsatz.
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Die Kommunalpolitiker wollten sich direkt vor Ort ein Bild machen, was in den letzten Jahren getan wurde und was in Zukunft zu tun ist. "Heute können wir uns mal anschauen, was die Forstwirtschaftler jeden Tag für uns leisten", freute sich Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler auf die Tour durch den heimischen Wald. "Schließlich ist unser Forst nicht nur Naherholungsgebiet und Sauerstofflieferant, sondern auch Einnahmequelle." Acht Haltestellen hatte Kreisförster Kemmler auf seiner Route vorgesehen. "Da ist alles drin, was das Försterherz begehrt", schwärmte er.

Damit der enge Zeitplan des Waldumgangs auch eingehalten werden konnte, verteilten sich die Gemeinderäte auf die Forstfahrzeuge und steuerten den ersten Halt nahe der B312 an, wo sie den lange diskutierten Schlepper beim Mulcheinsatz beobachten konnten.

Am oberen Königskopf bekamen die Waldeigentümer einen Eindruck davon, wie lange es dauert, bis eine Eiche ihren Zieldurchmesser von 80 Zentimeter erreicht hat. In diesem Teil des Nonnenwaldes stehen vor allem mittelstarke bis starke Bäume mit einem Durchmesser von aktuell 64 bis 67 Zentimeter, bei einem Wachstum von fünf bis sieben Zentimeter stehen die Eichen hier kurz vor der Ernte. Hier gilt es auch in den nächsten zehn Jahren, für die der Betriebsplan des Stadtwaldes bald zu Beschluss steht, das Waldökosystem zur Vorratspflege der Eiche vital zu erhalten. Hierzu setzen Notz und Kemmler auf einen strukturreichen Mischbestand. Dabei sind die Wildbestände so zu regulieren, dass standortgerechte und qualitativ hochwertige Mischbestände ohne Schutzmaßnahmen erzielt werden können.

Für das Metzinger Forstamt hat auch in den nächsten zehn Jahren Naturverjüngung absoluten Vorrang. Das bedeutet, dass der Nachwuchs-Waldbestand durch die Saat umstehender Bäume oder vegetativer Vermehrung entstehen soll und nicht durch künstliche Saat oder Pflanzung. In der Alten Mark wird man dagegen in Zukunft auf forstliche Kultur durch Pflanzung kaum verzichten können. Der von Ahorn und Esche geprägte Teil des Waldes ist durch das Eschetriebsterben sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der fiese Pilz, der die Eschen über die Blätter befällt, geht in die Triebe, sorgt für kahle Spieße und macht ganze Äste kaputt. "Leider kann man gegen den Pilz nicht viel tun, deshalb lässt man die Eschen einfach mal in Ruhe", erklärte Kreisförster Kemmler.

20 Prozent des gesamten Waldbestandes sind Eschen und 90 Prozent davon werden durch das Eschetriebsterben in den nächsten zehn Jahren ausfallen. "Wenn dann ganze Flächen betroffen sind und Kahlstellen entstehen, muss man etwas tun und pflanzen", verdeutlichte Notz die Überlegungen zu einem langfristigen Baumwechsel. Schließlich gehören zu den Eigentümerzielen nicht nur Walderhaltung und Artenvielfalt, sondern auch die Sozial- und Erholungsfunktion des Stadtwaldes.

Das Waldwegenetz mit seinen 140 Kilometern kostet zwar Geld, gehört aber einfach dazu. Auch während der Waldumgehung konnte der permanente Erholungsverkehr von Joggern, Reitern und Spaziergängern gut beobachtet werden. "Mit unserem Erholungswald erspart man sich außerdem einen aufwendig angelegten Stadtpark mit Joggingstrecken. Das muss man auch als Wert rechnen", gab Kreisförster Kemmler zu bedenken und wies auf die ästhetischen Aspekte der verschiedenen Waldbilder hin, die jeder Metzinger zu schätzen weiß, der im Frühjahr durch duftenden Bärlauch spaziert oder die herrliche Laubfärbung im Herbst genießt.

Bei einem Spaziergang durch den heimischen Wald, kann es aber immer mal wieder vorkommen, dass man auf eine Absperrung "Vorsicht Waldarbeiten" trifft. "Diese Absperrung gilt es unbedingt einzuhalten. Auch wenn man keine Motorsäge hört", mahnte Kemmler. Selbst der Metzinger Gemeinderat stoppte auf seiner Tour an solch einer Absperrung, durfte dann allerdings live dabei sein, wie ein 34 Meter hoher Problembaum gefällt wurde.

Bei diesem seilunterstützten Fällvorgang zeigte der Schlepper erneut seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Nicht nur zum Mulchen und für Baumfällarbeiten wird der Schlepper eingesetzt, auch zur Wegunterhaltung leistet er den Forstarbeitern treue Dienste. So können die sechs qualifizierten Mitarbeiter, die regelmäßig an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, den Wald größtenteils alleine bewirtschaften. Dabei berücksichtigen sie auch stets die Belange des Naturschutzes. Dazu gehören ausgewiesene Waldrefugien, die sich selbst überlassen werden. "Das bedeutet zwar einen Nutzungsverzicht, aber schließlich sollen alle Säulen, auch die Ökologie, im Betriebsplan enthalten sein", erklärte Kemmler.

Deshalb wurden auch Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Arten entwickelt, umgesetzt und dokumentiert. Auf ihrer dreieinhalbstündigen Waldumgehung mit schon reiner Fahrtzeit von einer Stunde konnten sich die Gemeinderatsmitglieder nicht nur von den Dimensionen, sondern auch vom Zustand ihres Stadtwaldes ein eindrucksvolles Bild machen. "Das waren jetzt wirklich jede Menge Eindrücke", zeigte sich nicht nur Fiedler begeistert von der Waldinventur. Jetzt gilt es, sich Gedanken zu machen über die Eigentümerziele, die im Betriebsplan formuliert sind und bald zu beschließen sind. Hierbei müssen für die nächsten zehn Jahre wieder verschiedene Kriterien wie Walderhaltung, vitale Ökosysteme, Nutz- und Schutzfunktion des Waldes, Artenvielfalt, sowie Sozial- und Erholungsfunktion berücksichtigt werden. Ausreichend Gesprächsstoff hatten die Gemeinderäte wahrlich beim anschließenden gemütlichen Grillen im Forsthof.

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