Die letzte Existenzsicherung

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Für vieles ist im Sozialstaat gesorgt. Wer seinen Job verliert, erhält Arbeitslosengeld, wer nicht genügend verdient, hat Anspruch auf Wohngeld, wer studiert, aber keine betuchten Eltern hat, kommt mit Bafög über die Runden.

So könnte das soziale Netz funktionieren, gäbe es nicht immer wieder diese Einzelschicksale. Menschen, die geradewegs durch die gröber werdenden Maschen dieses Netzes fallen und auf dem Boden aufschlagen. Weil sie von Behörde zu Behörde gereicht werden, oder aber, weil sie schnell unbürokratische Hilfe benötigen, um einen schlimmeren Absturz zu vermeiden. Der tut nämlich weh, insbesondere dann, wenn Kinder davon betroffen sind.

In Neuhausen gibt es seit 17 Jahren den Basar „Alles fürs Kind“. Dort gibt es freilich nichts geschenkt, aber er ist eine zunehmend wichtige Konstante zwischen dem freien Spiel der Kräfte in einem Land, das immer weiter abrückt von dem, was einen sozialen Bundesstaat einst ausgezeichnet hat.

Dieser Tage hat das Basarteam dem Metzinger Hilfsfonds einen Scheck über 750 Euro überreicht. Das ist ein kleiner Betrag, aber er steht wie ein Symbol für das soziale Miteinander in der Stadt. Über den inneren Antrieb der Basar-Leute und die Not mancher Metzinger sprachen wir mit Susanne Bauer von der Diakonischen Bezirksstelle sowie mit Karin Merkt und Annette Müller vom Basarteam.

Frau Merkt, warum machen Sie sich Jahr für Jahr die Mühe und organisieren einen Basar für Kindersachen?

Karin Merkt  Wir engagieren uns für das soziale Miteinander. Das treibt uns um. Wir sind ein Team von 15 bis 20 Mitarbeitern, weitgehend alle aus dem kirchlichen Umfeld. Wir möchten in die Tat umsetzen, was in der Bibel steht.

Dann geht es nicht allein darum, die Sachen nicht einfach dem Restmüll überlassen zu wollen?

Annette Müller Zum Wegwerfen wären die Sachen zu schade, aber unser Engagement hat noch andere Gründe. Dadurch generieren wir Spenden und bieten jenen Menschen eine Plattform, die diesen Basar aus irgend einem Grund besuchen.

Die Spende geht dieses Mal an den Hilfsfonds Metzingen. Frau Bauer: Was leistet der Hilfsfonds?

Susanne Bauer Er unterstützt Menschen, die in wirtschaftlicher Not sind.

Das machen diverse staatliche oder kommunale Einrichtungen auch.

Bauer Das stimmt schon, aber es gibt Situationen, da muss sofort gehandelt werden. Wenn der Hilfsfonds die letzte verbliebene Möglichkeit ist, Not zu lindern, springt er ein. Wenn einer Familie mit Kindern die Waschmaschine kaputt gegangen ist, hilft nichts anderes, als zu sagen, jetzt wird eine gekauft. Oft trifft es auch Menschen in Übergangssituationen. Wenn jemand krank wird oder die Arbeit verliert. Oder nach einem Jahr Arbeitslosigkeit in Hartz IV kommt. Manchmal bricht die Familie ganz plötzlich auseinander, und jemand bleibt allein zurück. Wer in solchen Situationen keine Rücklagen hat, bleibt auf der Strecke. Wer lange arbeitslos war, hat aber keine Rücklagen. Wer lange auf Hartz IV war, hat dauerhaft zu wenig. Für viele Menschen ist der Hilfsfonds die letzte Existenzsicherung.

Wer wendet sich denn an den Hilfsfonds?

Bauer Wir haben schon Kindern aus einer Familie einen Zuschuss für die Ferienfreizeit gegeben. Sonst wären die Kinder nie weggefahren. Ein Mal hatten wir eine Studentin, der der Stress zu viel wurde. Sie nahm ein Urlaubssemester, bedachte aber nicht, dass dann ihr Stipendium nicht weiter läuft. Da ging für die Familie nichts mehr, weil für drei bis vier Monate das Einkommen für eines der Familienmitglieder wegbrach. Die junge Frau bekam einen Zuschuss von uns, jetzt studiert sie weiter. Sie wird ihren Weg machen.

Die Zuschüsse sind aber keine Darlehen?

Bauer Nein, das sind Geschenke. Ich sage immer zu den Menschen, sie mögen an andere denken, wenn es ihnen wieder gut gehen sollte. Ich hatte nie das Gefühl, wir würden ausgenutzt.

Hat jemals jemand seinen Zuschuss zurückgezahlt?

Bauer Das ist auch schon vorgekommen. Ein Mal hat uns eine Frau etwas gespendet und sich an meine Worte erinnert, sie möge an andere denken, wenn es ihr wieder besser geht. Es hat mich deswegen berührt, weil sie immer noch nicht viel für sich hatte.

Merkt Da schließt sich der Kreis. Auf dem Basar kostet auch Markenkleidung nur ein Bruchteil des Neupreises und sieht dennoch fast aus wie neu.

Müller Der Basar hilft übrigens allen. Denen, die dort etwas günstig kaufen, denen, die Einnahmen aus dem Verkauf erzielen, und denen, die aus dem Erlös des Basars eine Spende erhalten. Man merkt den Leuten die Not manchmal regelrecht an. Beispielsweise, wenn die Tische für den Basar schon vergeben sind und sie eigentlich zu spät anrufen. Manche sagen dann am Telefon „bitte, ich brauche so dringend einen Tisch.“ Weil sie das Geld aus dem Verkauf brauchen.

Der Hilfsfonds Metzingen wird in Kooperation von Krankenpflegeverein und Diakonischer Förderverein Metzingen geführt. Der Hilfsfonds unterstützt Menschen aus den Gemeinden des unteren Ermstals, die in eine materielle Notlage geraten sind und diese Not nicht durch eigene finanzielle Kräfte abwenden können.

Die fachliche Beratung und Begleitung von Ratsuchenden erfolgt durch die Diakonische Bezirksstelle in Metzingen, Gustav-Werner-Straße 20, Telefon (0 71 23) 1 52 41.

Für ein soziales Miteinander in der Stadt bittet der Hilfsfonds um Spenden. Die Bankverbindung lautet: Volksbank Ermstal-Alb,  DE55 6409 1200 
0202 2040 14.

Der Termin für den nächsten Basar „Alles fürs Kind“ im Gemeindezentrum Neuhausen steht bereits fest. Er ist am Samstag, 23. September, von 10 bis 12 Uhr. Das Basar-Team hat dem Hilfsfonds 750 Euro gespendet.

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