Die Kirche als attraktiver Arbeitgeber

Auf Einladung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft "Kirche für Alle" referierte der frühere Metzinger Pfarrer zu einem heiklen Thema.

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Früher Pfarrer in Metzingen, jetzt Dekan in Waiblingen: Timmo Hertneck.  Foto: 

Mitarbeiter in Kirche und Diakonie sollten sagen können: "Ich arbeite gerne in der Kirche." Das ist das erklärte Ziel von Timmo Hertneck, dem früheren Metzinger Pfarrer, der jetzt Dekan in Waiblingen ist und zum Thema Kirche als Arbeitgeber im Gemeindehaus der Martinskirche sprach.

Arbeit, so Hertnecks Ausflug in die Antike war im antiken Griechenland negativ hinterlegt. Homer besang den Müßiggang des altgriechischen Adels als erstrebenswertes Ziel, und für Aristoteles waren Arbeit und Freiheit Gegensätze. Die Römer haben im Wesentlichen die griechische Missachtung der Arbeit übernommen.

Im Christentum wurde dann nicht nur die unterschiedliche Wertschätzung von Kopf-und Handarbeit eingeebnet. Beide Tätigkeiten sind jetzt positiv belegt, waren doch Jesus und seine Jünger Handwerker und Fischer, bevor sie zu predigen begannen. "Wer nicht arbeiten will", so hat es Paulus formuliert, "soll auch nicht essen". Dann ging Dekan Hertneck auf den Terminus der "Dienstgemeinschaft" ein. So sind, wie es schon in der Präambel des Mitarbeitergesetzes zu lesen ist, Mitarbeiter und Dienststellenleitungen zu vertrauensvoller Zusammenarbeit verpflichtet. Das hat zur Folge, so Hertneck, dass es keinen Unterschied zwischen Haupt-und Nebenamt geben soll. Anschließend stellte Dekan Hertneck die konkrete Dienstgemeinschaft im Kirchenbezirk Waiblingen vor.

Entscheidend dabei ist, so Hertneck, eine Kultur des Miteinander und der Wertschätzung zu entwickeln, ein bloßer Rechtsrahmen genügt nicht.

Wie wohl nicht jedem bekannt sein dürfte, können Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften ein eigenständiges Arbeitsrecht erlassen. Diese Bestimmung wurzelt historisch im Trennungsprozess von Kirche und Staat. Das kirchliche Selbstverwaltungsrecht hat arbeitsrechtlich drei Komponenten:

Erstens: Von den Mitarbeitern in kirchlichen Einrichtungen wird eine Übereinstimmung mit den kirchlichen Glaubens-und Moralvorstellungen erwartet, ein Verstoß dagegen kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Zweitens: Anstelle eines Betriebs-oder Personalrats werden die kirchlichen Beschäftigten durch eine Mitarbeitervertretung an betrieblichen Entscheidungen beteiligt. Drittens: Löhne und Arbeitsbedingungen werden überwiegend nicht im Rahmen von Tarifverhandlungen oder einseitig durch Arbeitgeber festgelegt, sondern durch Gremien, die paritätisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern besetzt werden (Dritter Weg) - Arbeitskampfmaßnahmen (Streik und Aussperrung) seien, so die Kirchen, unvereinbar mit dem Dienst am Nächsten und werden deshalb ausgeschlossen.

Bestrebungen der Dienstnehmer aus der Diakonie, aus dem Dritten Weg auszuscheren, sah Dekan Hertneck kritisch. Er sprach sich klar für eine Beibehaltung aus. Der Referent bedauerte sehr, dass bei der Diskussion über den Dritten Weg theologische Reflexionen kaum eine Rolle spielten. Dass Kirchenbeamte, Pfarrerinnen und Pfarrer de facto nicht zur Dienstgemeinschaft nach dem Arbeitsrechtsregelungsgesetz gehören, ist für Dekan Hertneck theologisch nicht zu rechtfertigen. Das Priestertum aller Gläubigen erlaube zwar eine Differenzierung verschiedener Dienste in Kirche und Diakonie, verbiete jedoch, dass sich ein Berufsstand außerhalb der Dienstgemeinschaft stellt.

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