Die Bücherei wird zum Garten

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Büchereileiter Ulrich Koch ist für den Start der Gartensaison gerüstet: Die Tulpen und Stiefmütterchen am Eingang sind aber erst der Anfang, denn ab Samstag soll es rund um die Kalebskelter erst richtig grünen und blühen.  Foto: 

Die alten Römer wussten nicht allein mit Waffen umzugehen, sondern verstanden sich auch auf weise Worte. Als  beredtes Beispiel dafür darf Marcus Tullius Cicero gelten, der den Nachfahren folgende Erkenntnis ins Stammbuch schrieb: „Wenn Du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es Dir an nichts fehlen.“ Ob der Römer Recht hatte, können die Metzinger ab Samstag selbst herausfinden, wenn sich die Stadtbücherei am Kelternplatz Stück für Stück in ein Gartenhaus verwandelt.

Rund um das historische Gebäude finden Gräser, Himbeer- und Johannisbeerbüsche, Bäume, Erdbeeren, Gemüse und Kräuter ihren Platz. Bis Ende Oktober soll das Grün wuchern, sagt Büchereileiter Ulrich Koch. Wer möchte, darf sich die Früchte des Gartens auch schmecken lassen: Die Beeren können direkt vor Ort vernascht werden, Bohnen, Zuckerschoten oder Zucchini  mag jeder selbst nach Hause tragen, um daraus schmackhafte Suppen, Salate oder Beilagen fürs Mittagsmahl zu zaubern.

Bücherei und Garten, sagt Ulrich Koch, seien in der Tat zwei Bereiche, die einiges gemeinsam haben. Wer über die Schwelle einer Bibliothek tritt, dem eröffnen sich viele Möglichkeiten, seinen Horizont zu erweitern sowie sein Wissen wachsen und seine Persönlichkeit reifen zu lassen. Das wiederum hilft dabei, Perspektiven zu wechseln und Sachverhalte in neuem Licht zu sehen.

Einem Wandlungsprozess sehe sich auch die Institution Bücherei gegenüber, erklärt Ulrich Koch. Sie sei schon lange weit mehr als ein nur Ort, an dem sich Literaturfreunde ihre Lektüre besorgen. Die digitalisierte Gesellschaft, die älter werdende Bevölkerung, die verdichtete Schulzeit sind Herausforderungen, auf die Bibliotheken reagieren müssen, betont er. Etwa, indem sie sich als Platz definieren, an dem die Bürger einer Stadt zusammenkommen, Raum finden, um sich auszutauschen oder die nötige Ruhe erlangen, um inne zu halten. Diesen Weg des steten Wandels habe die Metzinger Bücherei bereits betreten, sagt Ulrich Koch, die Gartenaktion biete deshalb eine gute Gelegenheit, die Bibliothek mit all ihren Facetten verstärkt in den Fokus der Metzinger zu rücken. Eine Seite des Gebäudes wird in den kommenden Wochen beispielsweise Zentimeter für Zentimeter von Kletterpflanzen erobert. Dort, wo derzeit noch triste Bauzäune stehen, wächst eine grüne Fassade: „Der Garten soll Anlass sein, das Gebäude immer wieder anzuschauen“, sagt Ulrich Koch, der hofft, dass das Projekt nicht allein die Büchereinachbarn auf dem Kelternplatz enger zusammenführt, sondern für viele Metzinger zu einem Ort der Kommunikation wird: „Ich bin gespannt was passiert, wenn die Leute vorbeischauen, um sich unseren Garten anzusehen.“

Kresse und Radieschen

Um das Projekt umzusetzen, erhält die Stadtbücherei tatkräftige Hilfe von verschiedener Seite: Eine örtliche Baumschule liefert zahlreiche Pflanzen für die grüne Bücherei, ebenso wie die Bleiche. Der Metzinger Obst- und Gartenbauverein bewirtet am Samstag nicht allein mit Roten vom Grill, er bietet Kindern außerdem an, einen Garten zum Nachhausetragen zu gestalten. Die Mädchen und Jungen dürfen vor Ort Kresse und Radieschen einsäen und anschließend daheim beobachten, wie die Pflanzen wachsen. Wer möchte, kann auch Saatgutbomben basteln. Die Idee stammt aus dem so genannten Guerilla-Gardening, erklärt Ulrich Koch. Aktivisten werfen die Samenbomben auf Brachflächen oder öde Verkehrsinseln und warten, welche Pflänzchen an vorher kahlen Orten sprießen.

Eröffnet wird die Aktion am morgigen Samstag, 22. April, von 13 bis 17 Uhr: Der Obst- und Gartenbauverein grillt und schenkt Säfte aus regionaler Produktion aus. Kinder können einen kleinen Garten gestalten und mit nach Hause nehmen. Die Klimaschutzagentur bietet an, Samenbomben zu basteln.

Eine Ausstellung über Heilpflanzen wird am Montag, 29. Mai, 19.30 Uhr, eröffnet. Es gibt eine Einführung zum Thema „Heilpflanzen sammeln, bestimmen und anwenden“.

Am Mittwoch, 31. Mai, 18 Uhr, gibt es einen Workshop mit Anne Gekeler zum Thema „Heilkräuter aus dem Garten und ihre Anwendung“.

An den Freitagen 12. Mai, 19. Mai und 15. September gibt es jeweils ab 15 Uhr ein Programm für Kinder. Es gastiert unter anderem das Theater Tambambura mit einem Stück über Bienen. Auch der Apfel wird Thema sein.

Vom 11. bis zum 23. Oktober heißt es in der Stadtbücherei „Der köstliche Apfel – Alte und neue Sorten in einer Ausstellung mit Verkostung“.

Am Donnnerstag, 26. Oktober, 19.30 Uhr, schließt das Projekt ab mit einem vergnüglichen Blick auf das Jahr des Gärtners.

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