Der Vagabundenwind kann viele Geschichten erzählen

|
Doris Oswald mit ihrem neu erschienenen Buch: „Vagabundenwind“ ist das zweite Werk, das in Zusammenarbeit mit Renate Otto entstanden ist. Erschienen ist es im Messner-Verlag.  Foto: 

Schon als Mädchen hat Doris Oswald gerne Reime geschmiedet. Zusammen mit einer Freundin büxte sie einst sogar aus dem langweiligen Unterricht aus, um stattdessen auf der Schulwiese Gedichte zu schreiben. Aus dieser großen Liebe zur Literatur sind inzwischen neun Bücher erwachsen, das jüngste ist seit Kurzem auf dem Markt. Entstanden ist es erneut in Zusammenarbeit mit der Malerin und Illustratorin Renate Otto. Etwa ein Jahr lang haben die beiden Frauen am gut 60 Seiten dicken Werk mit dem Titel „Vagabundenwind“ gearbeitet, das im Messner-Verlag erschienen ist. Renate Otto steuerte die Aquarelle bei, Doris Oswald die Gedichte. Inspiriert haben sich die Frauen oftmals gegenseitig, wie Doris Oswald berichtet.

In Text und Bild erzählen sie beispielsweise von einem alten Feldweg, der müde vom langen Sommer „geruhsam im warmen Atem des Herbstes“ liegt. Das Glück versteckt sich gleichfalls in den Buchseiten, und es lässt sich nach langer Suche sogar an einem Felsenriff finden. Auch den Gedanken der Nebelfrau spüren die beiden Autorinnen poetisch nach. Der schwäbischen Mundart, in der Doris Oswald gemeinhin ihre Texte verfasst, ist sie bei diesem Lyrik- und Bildband untreu geworden, ebenso wie beim Vorgängerbuch „Und der Himmel so blau“, das bereits eine zweite Auflage erlebt hat.

Mit dem Wechsel in die Schriftsprache will Oswald der Mundart keineswegs abschwören, wie sie betont, vielmehr erhörte sie damit den immer wieder geäußerten Wunsch ihres Publikums. In dessen Reihen sitzen regelmäßig Nichtschwaben, die nicht immer alle Feinheiten des schwäbischen Dialekts verstehen. Wenn Doris Oswald auf der Bühne steht, sind es freilich gerade die vielfältigen und mitunter schillernden Nuancen dieses Idioms, die Raum lassen für reichlich Komik sowie manch tiefschürfende Gedanken über die Welt und den Wankelmut des Schicksals.

Obschon die inzwischen 81 Jahre alte Metzingerin ihre Auftritte reduziert hat, ganz von der Bühne verabschieden kann sie sich schon wegen ihrer vielen treuen Fans nicht. Immer wieder erhält sie Anfragen von Vereinen oder Institutionen, die sie um einen Auftritt bitten.

Bekannt ist die Mundartdichterin indessen auch als große Tierliebhaberin. Unter anderem engagiert sie sich seit Jahrzehnten in der Katzenhilfe. Erst jüngst, so berichtet sie, hat sie wieder mitgeholfen, einen streunenden Kater einzufangen. Versuche, des Tierchens habhaft zu werden, waren indessen nicht sofort von Erfolg gekrönt: Drei Mal verirrte sich ein Igel in die Falle. Selbstredend sind auch im Hause Oswald längst Katzen eingezogen, das Geschwisterpärchen  Moritz und Butzi gehört seit nunmehr 20 Jahren zur Familie, Kater Leo lief dem Ehepaar vor einigen Jahren zu. „Ein Tier kann einem Menschen sehr viel geben“, sagt Doris Oswald. „Es ist doch einfach schön, wenn man zu Hause jemanden hat, der auf einen wartet.“

Um das Wohl der Metzinger Stadttauben kümmert sie sich ebenfalls schon seit Jahren. Regelmäßig tritt sie den Weg zum Taubenhaus am Bahnhof an, um die Vögel mit Futter zu versorgen und gleichzeitig die Eier aus den Nestern zu holen, damit sich die Tiere nicht unkontrolliert vermehren können.

Ihre Zuneigung schenkt die Metzingerin indessen allen Lebewesen, die auf der Erde kreuchen und fleuchen: „Schon als Kind“, erzählt sie lachend, „habe ich die Hühner meiner Tante im Puppenwagen spazieren gefahren.“ Diesen Winter half sie beispielsweise einer Wespe, die kalte Jahreszeit zu überstehen, diese hatte sich am Wohnzimmerfenster der Oswalds ein geschütztes Plätzchen gesucht. Regelmäßig erhielt das Insekt ein Tröpfchen Honig,  damit es bei Kräften bleibt. Auch ein Käfer durfte sich in der Wohnung einrichten, während draußen die Schneeflocken fielen.

Das neue Buch „Vagabundenwind“ ist im Messner-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich, unter anderem bei den Metzinger Buchhandlungen Stoll und Widmann.

Im Buch findet sich beispielsweise folgendes Gedicht: „Die Wunder grüßen im Vorbeigehen“: Septembergold liegt auf dem Feld, die Reife deckt für uns die Tische, der blaue Himmel spannt sein Zelt.

Die Tage sind wie Samt und Seide, das Glück es lädt nun jeden ein zum fröhlich sein in ihrer Weite, bevor die Stürme brechen ein.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die letzten Tage der Bäckerei Sautter

Ein Traditionsbetrieb hört zum Monatsende auf. Aus Altersgründen, denn der Chef geht in Rente. Eine Nachfolge scheiterte, weil der Standort zu exklusiv ist. weiter lesen