Der Herbst und eine „Toilette für alle“

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Die öffentliche Toilette am Bahnhof soll für Schwerst- und Mehrfachbehinderte umgebaut werden.  Foto: 

Jetzt hat der Herbst Einzug gehalten. Zwar bäumte sich bis Wochenmitte der Sommer mächtig auf und bescherte in manchen Regionen Rekordwerte für Mitte September. Auch Metzingen schwitzte nochmals kräftig mit Temperaturen knapp über 30 Grad. Und nun? Die Freibäder machen dicht und damit deutlich: Der Sommer ist vorbei.  Gestern war es bereits deutlich kühler und fürs Wochenende ist Regen angesagt. Der ist auch bitter nötig. Denn in den Gärten klaffen Risse. Es ist zu trocken, die Vegetation lechzt nach Wasser. Die erste Apfelernte wird derweil eingefahren, die Mosterei Reusch in Neuhausen bietet am Sonntag einen Tag der offenen Tür. Saft von eigenen oder zumindest von heimischen Wiesen ist der Renner und wird weithin beworben. Auch die Mosterei in Glems ist seit heute wieder in Betrieb. Die Möglichkeiten, das Obst zu verarbeiten, sind vielfältig. Ja freilich, noch immer ist es so, dass der Streuobstbau für den Normalverbraucher ein Minusgeschäft ist. Da braucht es schon eine gehörige Portion Freude am Obstbau, damit die Arbeit nicht zur Qual wird. Dennoch hat sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren viel getan, Überzeugungsarbeit wurde geleistet, damit die Streuobstwiesen eine Zukunft haben.

Über einen schönen Erfolg darf sich derweil Metzingens Inklusionsbeauftragte Ute Kern-Waidelich freuen: Die Stadt erhält vom Sozialministerium einen Zuschuss in Höhe von 12000 Euro für die „Toilette für alle“, die am Standort der derzeitigen öffentlichen Toilette am Bahnhof eingerichtet werden soll. Rund 19000 Euro muss die Stadt dafür investieren. Die „Toilette für alle“ ist allerdings nicht für alle, sondern nur für Menschen mit schweren oder mehrfachen Behinderungen. Und damit auch nur diese Zielgruppe die Toilette nutzen kann ist sie mit einem so genannten Euroschloss gesichert. Den Schlüssel dazu erhalten Menschen mit Schwerbehindertenausweis. Eine „Toilette für alle“ ist weit mehr als eine bloße Behindertentoilette, ist sie doch mit einer Liege sowie einem Lifter ausgestattet. Für Nichtbehinderte wird dann die öffentliche Toilette am Bahnhof erst einmal wegfallen. Allerdings ist die Stadt wohl derzeit in Verhandlungen mit Gastronomen, damit die so genannte „Nette Toilette“ wie bereits in anderen Städten auch in Metzingen eingerichtet wird. Konkret geht es darum, dass gastronomische Betriebe ihre Toilette auch für Nichtkunden zur Verfügung stellen, für die Reinigung erhalten sie einen Zuschuss von der Stadt. Ob die Metzinger Gastronomie sich darauf einlässt, bleibt abzuwarten. Wenn nicht, wird sich die Situation für Touristen oder Einheimische, die mal müssen, weiter verschärfen.

Ob sich Senioren auf die Rikscha-Fahrten des Bürgermentoren-Projekts „Radeln ohne Alter“ einlassen, bleibt abzuwarten. Am Wochenende jedenfalls sollen bewegungseingeschränkte Menschen wieder „den Wind in den Haaren“ spüren, so die Bewerbung des aus Dänemark stammenden Projekts. Fitte Freiwillige fahren weniger bewegliche Menschen in Rikschas durch die Gegend. Na dann: viel Spaß!

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