Der deutsche Arzt und die afghanischen Kinder

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Annette und Dr. Reinhard Erös in einer der Schulen, die von der Kinderhilfe betrieben wird.  Foto: 

Die Kinderhilfe Afghanistan bringt Bildung und damit Hoffnung in ein zerrissenes Land: Die Organisation mit Sitz im bayerischen Mintraching betreibt in Afghanistan inzwischen 30 Schulen, etwa 60 000 Mädchen und Jungen besuchen dort regelmäßig den Unterricht. Dazu gesellen sich weitere Einrichtungen, wie etwa zwölf Computer-Ausbildungszentren, ein Waisenhaus, Ausbildungswerkstätten oder drei christlich-muslimische Dorfschulen. Hinter dem Hilfswerk stehen das Ehepaar Annette und Dr. Reinhard Erös sowie deren fünf Kinder. Über sein Engagement am Hindukusch berichtet Dr. Erös am kommenden Mittwoch, 18. Oktober, in der Metzinger Medienakademie. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Die Kinderhilfe finanziert ihre Arbeit ausschließlich über private Spenden, sagt Gertrud Kleineikenscheidt. Sie gehört zum Organisationsteam der Metzinger Friedenswochen und hat den engagierten Mediziner schon einmal live erlebt, als er vor gut zehn Jahren Gast des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums war. Um ihn als Referenten für die Metzinger Friedenswochen zu gewinnen, knüpfte sie schon vor Monaten Kontakt zu ihm.

Tatsächlich ist Erös ein gefragter Redner, der seine Erfahrungen auch gerne an Schüler weitergibt. „Er ist ein faszinierender Erzähler“, sagt Gertrud Kleineikenscheidt, die hofft, dass möglichst viele Zuhörer zu seinem Vortrag in die Medienakademie kommen. 2500 Flyer hat das Organisationsteam der Friedenswochen für diesen Abend drucken lassen und in der Stadt verteilt.

Beleuchten will Reinhard Erös in seinem Vortrag auch die aktuelle Situation in Afghanistan. Diese ist für die junge Generation katastrophal, wie Erös in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im April dieses Jahres erläuterte. Schwierig ist die Lage indessen weniger wegen der Taliban, sondern wegen fehlender Bildungschancen. Es gebe für die vielen Kinder schlicht zu wenig Schulen, sagt Erös. Einen Job, sagte Erös in diesem Interview, erhalte ein junger Mann nur, wenn er gute Beziehungen zur Regierung oder genug Geld hat, um sich einzukaufen. Aus diesem Grund würden viele lieber ihren Koffer packen und nach Deutschland fliehen. In der Bundesrepublik gehe es den jungen Afghanen vor allem darum, Geld zu verdienen, um später in ihrer Heimat eine Familie gründen zu können.

Damit die junge Generation die Chance auf ein besseres Leben hat, baut und betreibt die Kinderhilfe Schulen in sechs afghanischen Provinzen. Das Geld stammt von etwa 25 000 Kleinspendern, die pro Jahr etwa eine halbe Million Euro an die Organisation überweisen, wie Erös der Süddeutschen Zeitung sagte.

In Afghanistan bezahlt die Kinderhilfe rund 1500 einheimischen Mitarbeitern ein regelmäßiges Gehalt, wie die Organisation auf ihrer Homepage schreibt. Alle Projekte werden von Erös regelmäßig besucht. Er kontrolliert und überwacht die Arbeit und zahlt die Gehälter für die Lehrer, Ärzte, Ingenieure, Bauarbeiter oder Schreiner direkt vor Ort aus. Auf diese Weise will der inzwischen pensionierte Oberstabsarzt der Bundeswehr sicherstellen, dass die Spenden sparsam und sinnvoll eingesetzt werden.

Seine Ehefrau Annette und die erwachsenen Söhne Veit, Urs und Welf begleiten ihn regelmäßig und unterstützen vor Ort in Afghanistan die Arbeit. Die beiden ebenfalls erwachsenen Zwillingsschwestern Cosima und Veda engagieren sich in Deutschland für die Kinderhilfe. Sie kümmern sich unter anderem um die Büroarbeit und die Vorbereitung von Vorträgen und Ausstellungen.

Die siebenköpfige Familie Erös arbeite komplett ehrenamtlich für ihr Hilfswerk, wie es auf der Homepage heißt. Gehälter, Spesen und  Aufwandsentschädigungen würden nicht an sie ausbezahlt.

Schulen betreibt die Kinderhilfe Afghanistan im Augenblick in sechs Provinzen des Landes. Beschäftigt sind dort rund 1400 Lehrkräfte für 60 000 Schüler.

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