Das Tak-Tak-Tak des Radschutzstreifens

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Die Ortsdurchfahrt Neuhausens wird durch Radschutzstreifen sicherer. Zudem werden weitere Bushaltestellen und Längsparkplätze errichtet.  Foto: 

Ich glaub, uns geht’s zu gut.“ CDU-Stadtrat Holger Weiblen wollte sich ursprünglich an der Diskussion um die Radwegführung und zwei Bushaltestellen am Ortsausgang Neuhausens in Richtung Dettingen eigentlich gar nicht beteiligen, doch als er die Argumente seiner Fraktionskollegen den Bach hinunter schwimmen sah, sprach er doch noch: „Eine barrierefreie Bushaltestelle, wo sie niemand braucht, dafür aber am WIM-Haus keine.“

Das Kürzel „WIM“ steht für Wohnen und Inklusion in Metzingen und ist in der Tat Heimstätte für unterschiedlich behinderte Menschen. Und in der Tat wäre an dieser Stelle ein barrierefreier Zugang zum Bus sinnvoll, das sieht auch die Stadtverwaltung so. Allein: Dort wären enorme bauliche Veränderungen notwendig, wie der Leiter des Bau- und Planungsamts, Konrad Berger, erläuterte. Ein Widerspruch beispielsweise ist die für die Barrierefreiheit notwendige Bordsteinhöhe von 18 Zentimetern, die mit dem Wunsch der Anlieger kollidiert, in ihre Garagen über möglichst niedrige Bordsteine zu fahren.

Bereits vor einer Woche hatte der Neuhäuser Ortschaftsrat die Fortführung der Radschutzstreifen und die Bushaltestellen kurz vor der Einmündung in die Hofbühlstraße (in Fahrtrichtung Dettingen) gut geheißen, einstimmig.

Doch im Ort grummelt es etwas, weil es noch immer überall zu spüren ist, dieses Unbehagen gegenüber diesen mit gestrichelten Linien abgegrenzten Fahrbahnstreifen, auf denen Fahrradfahrer Vorrang haben, und die eben nicht baulich von der Straße getrennt sind. Gleichwohl gelten sie unter Verkehrsexperten als sicher, das belegen Unfallstatistiken.

Auch deswegen, weil sie den Radfahrern keine falsche Sicherheit vortäuschen wie früher übliche Radwege, die besonders dann zur Falle wurden, wenn Autos aus Garagen auf die Straße einbiegen wollten und dazu den Radweg kreuzten. Das gibt es bei Radschutzstreifen nicht, sie gehören zur Straße und werden von Autofahrern durchaus respektiert und wahrgenommen.

Robert Schmid (FWV) ärgerte sich am Donnerstagabend während der Gemeinderatssitzung ebenso wie Holger Weiblen, aber aus ganz anderem Grund: Weil während einer Veranstaltung in Neuhausen Stimmen zu hören waren, die den Radschutzstreifen freiheraus ablehnen: „Das hat mich wahnsinnig geärgert. Radschutzstreifen sind das einzige Mittel, um als Radfahrer sicher und schnell durch die Stadt zu kommen.“

Er darf in dieser Hinsicht als erfahren gelten. Robert Schmid ist passionierter Fahrradfahrer und kennt die Tücken der Straße. Holger Weiblen hat dazu seine eigene Meinung. Er wohne in der zweiten Reihe in der Nürtinger Straße, wo es einen solchen Streifen bereits gibt. Allerdings sind die Markierungen aufgeklebt, sodass die Abrollgeräusche darüberfahrender Autoreifen ziemlich enervierend sein müssen: „Einen Radfahrer habe ich da drauf noch nie gesehen, aber das Tak-Tak-Tak höre ich pausenlos.“

Auch ohne die sieben Stimmen der CDU hat der Gemeinderat die Radschutzstreifen für Neuhausens Ortsmitte genehmigt. Dasselbe gilt für die Bushaltestellen.

Wiewohl Albert Welz (CDU) noch versucht hat, die Sache umzubiegen. Er beantragte, diesen Punkt so lange zu vertagen, bis Klarheit darüber herrsche, ob an der Kreuzung zur Hofbühlbrücke ein Kreisverkehr entstehe. Mit diesem Antrag scheiterte er ebenso wie mit einem Folgeantrag: Statt die Bushaltestellen am Ortsausgang zu bauen, mögen die bestehenden an der Insel barrierefrei gestaltet werden.

Möglicherweise, das hat Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler signalisiert, schlage das die Verwaltung dem Gemeinderat ohnehin demnächst vor. Vorausgesetzt, von der Sanierung der Salonkreuzung bleiben noch Fördermittel übrig.

Ganz nebenbei wird wegen der Radstreifen, wegen zusätzlichen Längsparkplätzen in der Uracher Straße, wegen der Bushaltestellen und wegen einer Verkehrsinsel der Verkehr nach Ansicht der Experten spürbar eingebremst. Ob es einer zusätzlichen Temporeduzierung bedarf, wie es vergangene Woche im Ortschaftsrat anklang, stand am Donnerstag nicht zur Debatte.

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