Dank Dolores: Ein Dettinger im siebten Film-Himmel

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    Prominent besetzt: Dolores mit Franziska Petri und Udo Schenk. Foto: 
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    Produzent Frieder Scheiffele (links) mit Teil des Teams bei Aufnahmen in Nürtingen. Foto: 
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Manchmal haben Träume eben doch das Zeug, um wahr zu werden. Frieder Scheiffele ist der beste Beweis dafür. Schon in seiner Schulzeit saugte der Dettinger alles auf, was mit dem Filmgeschäft zu tun hatte. Als Teenie managte er vom Ermstal  aus den „Marienhof-Fanclub“, war nicht nur Bundes-Vorsitzender, sondern auch glühender Anhänger der ehemaligen Daily-Soap. Die Serie hatte in den 1990er Jahren ein Millionenpublikum – auch wenn sich nicht jeder outete, der schaute. Frieder Scheiffele stand zu seiner Vorliebe für die leichte Filmkost. Unter den Jahrgängern am Uracher Gymnasium ist er als Abiturient manchmal belächelt worden. Denn der heutige 38-Jährige wusste schon damals: Er will zum Film.

Dort ist der zurückhaltende junge Mann längst angekommen. Wir kennen ihn und seine ebenfalls in Dettingen beheimatete Firma „Schwabenlandfilm“ vor allem als Produzent der schwäbischen Bäckersaga „Laible und Frisch“.  In der ehemaligen SWR-Serie (später auch als Theaterstück in der Stuttgarter „Komödie im Marquardt“ zu sehen) spielt  Frieder Scheiffele lustvoll mit den Klischees. Gut gegen Böse, Groß gegen Klein, Konzern gegen Familienunternehmen.

Doch ausgerechnet mit einem filmischen Experiment katapultiert sich der Dettinger Produzent nun in die erste Liga des Fernseh- und Filmbusiness. Mit ihrer in den 60er-Jahren spielenden Love-Story „Dolores“ sind die Macher um Drehbuchautor Sebastian Feld und Regisseur Michael Rösel nun für den  Grimme-Preis nominiert. Der Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehfilme in Deutschland.

„Wahnsinn. Wir sind total überrascht“, freut sich Frieder Scheiffele. Schließlich handele es sich bei der Produktion um den ersten Spielfilm des Regisseurs. Und mit Blick auf die mehr als 1000 Einsendungen für den Grimme-Preis, darunter Werke prominenter Filmemacher, „ist schon die Nominierung eine Art Ritterschlag“, sagt der 38-Jährige.

Vielleicht war’s der durchaus andere Stoff, der in der Vorauswahl überzeugte. Dolores, unter anderem in historischen Gebäuden in Nürtingen gedreht, mischt Elemente des Film Noir mit denen des Phantasy-Streifens. Er wurde mit 20 weiteren Produktionen in der Kategorie „Fiktion“ für den Grimme-Preis nominiert, der am 31. März in Marl (Nordrhein-Westfalen) verliehen wird.

Der historisch angehauchte Film erzählt  die aussichtslos scheinende Liebe des unscheinbaren Modellbauers Georg zu der unnahbaren Hollywood-Diva Dolores. Georg schafft es, mit Hilfe seiner Modelle Herr über Leben und Tod zu werden. Dabei fließen  reale und magische Ebenen ineinander. Besetzt ist die Produktion für die TV-Nachwuchsreihe „Debüt im Dritten“, mit renommiertem Prime-Time-Personal wie den Schauspielern Franziska-Petri (Tatort, Donna Leon) und Udo Schenk (In aller Freundschaft).

Der Streifen entstand nach einem Comic für Erwachsene, einer Graphic Novel aus den 90er-Jahren. Er wurde  am 12. November im dritten Programm erstmals ausgestrahlt. Und: Die Nominierung sieht Frieder Scheiffele auch als Auszeichnung für den Mut der Macher und  Projektpartner.   „Ein ungewöhnlicher Film wie ‚Dolores‘ hätte im oft sehr formatierten Fernsehen wohl sonst kaum eine Chance auf Realisierung gehabt.“

Den Mut für Experimente auf dem rutschigen Parkett des Filmgeschäfts will Frieder Scheiffele auch weiterhin aufbringen. Momentan kämpft der Dettinger von seinem Reutlinger Büro aus für die Finanzierung des  Kinofilms „Laible und Frisch“. Keine leichte Aufgabe, die Zuschüsse aus Bundesstöpfen stehen noch aus. Wer glaubt im Norden schon an einen Mundart-Streifen,  in dem die Akteure schwäbisch palavern? Scheiffele selbst hat sich auch da nicht abbringen lassen, was ein bisschen für seine Bodenständigkeit steht. Der Mann, der für die Freien Wähler im Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Dettingen sitzt, will  Geschichten aus seiner Welt erzählen, wie er einmal sagte.  Träumen ist dennoch weiterhin erlaubt. Zum Beispiel von den ganz großen Auszeichnungen.     

Frieder Scheiffele Geschäftsführer von Schwabenlandfilm: 1979 in Reutlingen geboren; lebt seit 1980 in Dettingen. 1999 Abitur in Bad Urach. Erste Mitarbeit bei TV-Produktionen, 2003 bis 2007 Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg. Eigene Produktionen: Laible und Frisch, Dolores.

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