Aus den Katakomben auf die Bühne

Bisher probten sie nur in den Katakomben des Sudhauses: Heute, Samstag, 5. April, startet um 20 Uhr eine neue Konzertreihe, die fünf Bands aus den Kellern auf die Sudhaus-Bühne holt.

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Wo früher Bierfässer gelagert wurden, später dann die Möbelfabrik Beck ihr Domizil hatte, haben seit 1988 zahlreiche Bands aus verschiedenen Musikgenres ihr Trainingslager aufgeschlagen: die schummrigen Gewölbekeller unter dem Sudhaushof, die, so lange es das Sudhaus gibt, als Katakomben bezeichnet werden.

Für viele Bands ist es ein ernstes Problem, zwar viel Zeit und Engagement in ihre Musik zu stecken, aber nie oder nur selten vor Publikum aufzutreten. Das möchten Sudhaus-Chef Adalbert Sedlmeier und Matthias Xander vom Freien Radio Wüste Welle nun ändern, indem sie den Bands eine regelmäßige Plattform für öffentliche Auftritte bieten. Das Motto lautet "Raus aus dem Keller - rauf auf die Bühne" und eröffnet den Kellerbands zwei bis drei Mal im Jahr die Gelegenheit, im Sudhaus aufzutreten und "damit eine größere Öffentlichkeit zu erreichen", so Xander.

Tatsächlich ist das eine sympathische Idee, was man hat, auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine Art Inventur. Das Gute an solchen Sammelveranstaltungen ist die Abwechslung. Die Möglichkeit, einen Querschnitt durch die aktuelle Musikszene in der Region zu erhalten. Immerhin 150 Musiker proben derzeit täglich in den sieben Proberäumen, davon sind zwei für Bands der ansässigen Musikwerkstatt reserviert. Für jeden der Probekeller gibt es einen Hauptmieter, der dann an weitere Bands untervermietet. Die Nachfrage ist enorm hoch, "wir könnten drei bis vier Mal so viele Räume vermieten", sagt Adalbert Sedlmeier. Im Zuge der geplanten Erweiterung des Sudhauses sollen dann zwei weitere Probekeller geschaffen werden.

Die neue Konzertreihe startet heute. Dann werden fünf Bands aus völlig unterschiedlichen Musik-Kosmen das Publikum für schlappe fünf Euro Eintritt bespielen. Vom magischen Ambient-Rock über umwerfenden Streetsoul und Alternative-Indie bis hin zum experimentellen Postpunk und Hardcore-Punkrock reicht die Palette. Den Anfang macht die seit drei Jahren bestehende Musikwerkstatt-Band Clamor. In ihrer aktuellen Besetzung mit Sängerin und Bassistin Ricky, den Gitarristen John und Alex und dem erst 13-jährigen Schlagzeuger Bela spielen sie überwiegend eigene Songs, die sie im vergangenen Jahr unter anderem beim RACT!-Festival, beim Stadtfest und bei der Wüsten Welle präsentierten. Die Indierocker von A*Tone-Inc sind dagegen schon etwas älter und haben sich ganz dem Nachspielen von Indierock- und Punkrock-Klassikern verschrieben. Johannes (Gesang), Harm (Gitarre), Jürgen (Gitarre, Violine), Henry (Bass) und Philipp (Drums) machen bereits seit 2007 gemeinsam Musik, von Billy Talent über Foo Fighters bis zu Green Day. Noch länger gibt es die Postpunk-Band Essighaus, die von sich behauptet, "Experimental-Musik ohne festgelegte Strukturen" zu machen. Die Band mit wechselnden Musikern besteht seit 1995, seit 2012 probt sie in den Katakomben.

Die vor vier Jahren formierte Tübinger Band CU@BBQ (gesprochen: See you at Barbecue) hat nicht nur einen einprägsamen Namen, sondern macht auch eben solche Musik. Eingängig, soulig, ein bisschen verwegen und dazu auf hohem Niveau: So könnte man in einem Satz die Musik der vier Tübinger zusammenfassen. "Der Kontrast und der kreative Austausch untereinander macht unsere Musik aus", sagt Sängerin Cosma-Sophia Leiner, und Bassist Marko ergänzt: "Die englischsprachigen Songs sollen ruhig auch mal polarisieren, indem sperrige Rockrhythmen auf soulige Wärme treffen." Im Gegensatz dazu arbeiten sich Hidden Society am Streetpunk ab. Die Musiker kennen sich übers Epplehaus und nennen ihre Musik "Antifascist Post-Hardcore Punkrock".

Ein großer Pluralismus der Stile also, den das Publikum erwartet. Schön, dass sich einige Bands mal wieder aus den Katakomben des Sudhauses heraustrauen und der Öffentlichkeit zeigen, was sie in ihren Proberäumen geübt haben.

Info Die Reihe startet heute, 20 Uhr, im Sudhaus und wird von der Wüsten Welle auf 96,6 Mhz live übertragen. Die nächsten Termine sind in Planung, stehen aber noch nicht fest.

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