Auf den richtigen Winterschnitt kommt es an

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Nach den diesjährigen Blütenfrösten ist der richtige Schnitt sehr wichtig, wie hier in der städtischen Obstanlage.  Foto: 

Im Winter werfen Obstbäume ihr Laub ab und stehen recht kahl im Garten und auf der Streuobstwiese. Allerdings kann auch diese Zeit genutzt werden, um mit dem Baumschnitt im Winter für eine stets erneuerte Kronenform und eine reiche Ernte im nächsten Jahr zu sorgen. Die Natur hat über Jahrmillionen ausreichend Schutzmechanismen entwickelt, damit Bäume auch harten Wintern trotzen können. Am deutlichsten zeigt sich dies in der Zeit, während der sich ganze Landschaften mit prächtigsten Farben schmücken.

Dies bestätigt auch Detlef Schollmeier, Leiter des städtischen Obstbaubetriebs Metzingen. Die klimatischen Verhältnisse seien nicht mehr so, dass man Obstbäume in Garten, Wiese und Plantage extra vor Kälte schützen muss. „Wir haben ja keine 30 Grad Minus mehr“, sagt  der Fachmann. Bei Obstbäumen in Pflanzkübeln auf Terrasse  und Balkon sieht es freilich anders aus. Diese sollte man schon gegen Kälte schützen. Doch im Garten und auf der Streuobstwiese sieht es anders aus.

Wer laut Schollmeier nach den Blütenfrösten in diesem Jahr falsch reagiert, kann viel falsch machen. Generell sei es so, wenn man einen sehr starken Ernteausfall hatte, ist die Gefahr groß,  dass man im folgenden Jahr zu viel Obst bekommt. Das bedeutet zum einen, dass die Qualität schlechter wird. Einige Früchte reifen unter Umständen gar nicht richtig aus. „Wenn Bäume überfordert sind“, so Detlef Schollmeier, „weil sie gleichzeitig die Früchte für das Jahr 2018 ermöglichen,  die Blütenanlage für 2019 bilden müssen und gleichzeitig ein ausreichendes Längenwachstum der Äste garantieren sollten, reicht die Kraft nicht aus.“ In der Regel ist es dann so, dass sich der Baum für das Wachstum der aktuellen Früchte entscheidet. Somit hat er laut Schollmeier keine Kraft für das Ausbilden der Früchte für das Folgejahr. „Das“, so der Leiter des städtischen Obstbaubetriebs, „nennt man Alternanz.“ Eingeleitet wurde dieser Weg durch den Blütenfrost in diesem Jahr. „Dagegen“, so Schollmeier weiter, „muss man etwas tun, sonst hat man nur alle zwei Jahre Früchte.“

Der erste und wichtigste Schritt dagegen ist der richtige Baumschnitt. Schollmeier: „Wir müssen den Baum entlasten. Man muss aber darauf achten, dass man nicht zu viel herausschneidet, sonst wird das Triebwachstum zu stark gefährdet.“ Dies hätte zur Folge, dass die Bäume aus dem Rhythmus geraten.

In der städtischen Obstbauanlage bevorzugt man dafür ein Zwei-Schnitte-System. Zwei Drittel des notwendigen Baumschnitts werden im Winter erledigt, das letzte Drittel folgt im Sommer. Dann wird nach Aussage Schollmeiers nochmal alles Überflüssige herausgeschnitten. Ziel sei es, jedes Jahr gleichmäßige Erträge und ausgewogene wachsende Bäume zu erhalten. Im städtischen Obstbaubetrieb wurde schon im vergangenen Sommer geschnitten. „Wir schneiden praktisch bereits Juni die Bäume aus“, sagt Detlef Schollmeier. Er sagt auch, dass dies jeder hinkriegt, weshalb die Obst- und Gartenbauvereine auch in diesem Winter wieder diverse Schnittkurse anbieten.

Die Situation jetzt sei freilich eine außergewöhnliche. „Ich habe so etwas noch nicht erlebt“, sagt Schollmeier, „außer vielleicht im Jahr 1993. Doch ganz so extrem war es damals nicht.“ Wer gar nicht schneiden will, könne es auch lassen, damit sich der Baum beruhigen kann. Doch dann bildet er Triebe aus ohne Ende. Das dauert dann gut sechs Jahre. „Meine Sache ist das nicht“, sagt Detlef Schollmeier.

Ein Obstbaum in Garten und Wiese ist anders zu behandeln als ein Baum im Pflanzkübel. Da es sich beispielsweise beim Apfelbaum im Pflanzkübel um keine typische Zimmerpflanze handelt, darf dieser nicht wie eine solche überwintert werden.

Dennoch muss der Obstbaum im Topf vor Frost geschützt werden. Da sich die Wurzeln nicht unterhalb der Erdoberfläche befinden, können sie eventuell durch Fröste Schaden nehmen.

Trotzdem sollte das Bäumchen im Topf nicht direkt im warmen Zimmer stehen. Besser eignet sich zum Überwintern ein gemäßigt kalter Standort wie ein Schuppen oder ein unbeheiztes Frühbeet.

Der Obstbaum benötigt selbstredend auch im Winter ausreichend Wasser und Licht, sagen die Experten.

Als Alternative kann ein Apfelbaum im Topf über den Winter auch in ein ausreichend groß gegrabenes Loch im Boden versenkt werden, damit die Wurzeln vor der Winterkälte geschützt sind.

Am wichtigsten im Winter ist der Baumschnitt. Wer sich diesbezüglich unsicher ist, dem empfiehlt sich ein Schnittkurs. Die Obst- und Gartenbauvereine im Ermstal bieten  einige Schnittkurse an.

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