Metropolis in altem Glanz

Berlin.  Auf der Berlinale hatte gestern Abend Fritz Langs "Metropolis" in seiner Urfassung Premiere. Zuvor ist er aufwendig restauriert worden. Den Weg der Aufarbeitung zeigt die Kinemathek in Berlin in einer Ausstellung.

Als Fritz Langs Film "Metropolis" am 10. Januar 1927 im Ufa-Palast beim Zoologischen Garten in Berlin Premiere hatte, war seine Verstümmelung bereits beschlossene Sache. Lang, der drei Jahre zuvor "Neuyork" besucht hatte und diese Stadt erkennbar als Motiv in die Metropole der Zukunft einfließen ließ, hatte nach Ansicht der Verleiher zu sehr in seinen Visionen geschwelgt, er hatte bei der Aneinanderreihung impressionistischer Formen, mit Zitaten von Art déco und Neuer Sachlichkeit, den damals üblichen Rahmen gesprengt. 4189 Meter lang wurde "Metropolis", bei einer Geschwindigkeit von 24 Bildern in der Sekunde dauerte das Betrachten des Streifens in voller Länge ganze 153 Minuten. Zu viel, sagten die Leute sowohl bei der Ufa als auch beim amerkanischen Verleiher Paramount.

Die Ufa kürzte, ebenso Paramount, und die Amerikaner montierten die Geschichte zudem auf 3100 Meter nach eigenem Gusto um. Nur dem Umstand, dass eine "Metropolis"-Urfassung in voller Länge in Argentinien erhalten blieb und 2008 zufällig wiederentdeckt wurde, und den Möglichkeiten moderner Restaurationstechnik ist zu verdanken, dass dieses unbestrittene Meisterwerk des deutschen Stummfilms gestern auf der Berlinale seine zweite Weltpremiere feiern konnte.

Davor freilich musste es restauriert werden. Wie das vor sich ging, zeigt die Deutsche Kinemathek an der Potsdamer Straße in Berlin in der Ausstellung "The Complete Metropolis". Dem Museum für Film und Fernsehen ist es gelungen, einen Parcours aufzubauen, der eindrucksvolle Einblicke in die künslerischen Visionen Fritz Langs gestattet und eine Ahnung davon vermittelt, welcher Aufwand zur Herstellung des monumentalen Werks getrieben werden musste. Was die Deutsche Kinemathek zusammengetragen hat, ist original - Romanvorlage und Drehbuch, hunderte Fotos, Requisiten, Filmkameras und sogar die Noten der Filmmusik. Lediglich die Kostüme hat die Zeit hinweggerafft; das Kostümhaus Theaterkunst, das schon die Schauspieler für "Metropolis" in den 1920er Jahren ausgestattet hatte, fertigte zwei originalgetreue Kopien.

Besonders beeindruckt zeigen sich Besucher vom Aufwand, den der Filmarchitekt Erich Kettelhut im Verein mit dem Trickfilm-Kameramann Günther Rittau betrieben hat.

Der untere Teil der Kulissen, der Maschinenhalle etwa oder des Sportstadions, wurde im Studio gebaut, der obere Teil bestand jeweils aus einem verkleinerten Modell, das in die Kombinationsaufnahme eingespiegelt wurde. Monitore in der Kinemathek zeigen, wie perfekt die Teile aufeinander anbestimmt waren, zusammengefügt wirken die Aufnahmen wie aus einem Guss.

Weit mehr noch als die - teils aufwendig gemalten - Kulissen, die etwa einen Sonnenaufgang in der Oberstadt simulieren, beeindruckt "Metropolis" natürlich durch seine Darsteller. Mein lieber Scholli, konnten die schauspielern: Jede Geste, jeder Gefühlsausdruck musste mangels Sprache das erkennbar machen, was gerade vorging. Wie weit ist das weg von modernen platten Dialogen wie "Infomieren sie das Pentagon" oder "Der Captain will Sie sprechen". Maria - sowohl als Mensch wie Maschinenmensch dargestellt von Brigitte Helm - zeigt mimisch die ganze Bandbreite von Frivolität bis tiefster Verzweiflung. Und als Joh Fredersen (Alfred Abel), Herr über Metropolis, als Zeichen der Reue und Versöhnung zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten auf die Knie fällt, hat das eine Intensität, die dem Betrachter einen Schauer über den Rücken jagt.


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