Signale aus der Unterwelt

Metzingen.  Die Stadt Metzingen hat damit begonnen, ihr gesamtes Kanalnetz per Videokamera zu erfassen (wir berichteten). Das kostet viel Geld, doch die Instandhaltung des Kanalnetzes ist auch aktiver Umweltschutz.

Im Rahmen der so genannten Eigenkontrollverordnung sind die Kommunen des Landes dazu verpflichtet, alle zehn Jahre ihr Abwasserkanalnetz per Videokamera auf Schäden zu untersuchen. Das kostet zwar eine Menge Geld, in Metzingen rechnet man pro Jahr mit 100 000 Euro, doch die daraus resultierenden Sanierungsarbeiten dienen auch dem Umweltschutz. Und ein intaktes Kanalnetz spart auch Kosten.

Diese entstehen etwa, wenn durch einen defekten Kanal Grundwasser ins Abwasser und damit unnötigerweise in die Kläranlage gelangt. Aktiver Umweltschutz ist die Sanierung eines defekten Kanalrohrs, wenn dadurch verhindert wird, dass Schmutzwasser aus dem Kanal ins Grundwasser gelangt. "Je schneller man kleine Schäden behebt", so Bauamtschef Konrad Berger, "um so preisgünstiger wird natürlich eine Sanierung."

Durch die Auswertung der Videoaufnahmen können die eventuellen Schäden im Kanalnetz ausgewertet und dokumentiert und ein Kanalisationsplan erstellt werden. Anhand dieses Planes kann die Dringlichkeit der einzelnen Schäden festgestellt werden.

Schäden an Kanalrohren können auf verschiedene Weise entstehen. Etwa durch Verwerfungen im Boden oder durch Druck beispielsweise von viel befahrenen Straßen. Tiefbauarbeiten führen in gewisser Weise ein Schattendasein. Sie kosten viel Geld, machen Lärm und hinterher sieht man nicht, was gemacht wurde. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt es als Selbstverständlichkeit, dass es ein funktionierendes Abwassersystem gibt. Dabei können die Bürger selbst dazu beitragen, dass nicht so viele Schäden entstehen. "Es gibt praktisch nichts", sagt Matthias Maier von der Tiefbauabteilung, "was die Leute nicht ins Klo werfen."

In diesem Zusammenhang warnen die Fachleute auch davor, Essensreste auf diese Art zu entsorgen. Denn das trägt dazu bei, dass sich die Rattenpopulation vergrößert. Man rechnet im Übrigen dass es drei Mal so viele Ratten im Untergrund gibt, wie eine Kommune Einwohner hat. "Demnach", sagt Tiefbauabteilungsleiter Falk-Odo Beck, "müssten im Metzinger Kanalnetz rund 60 000 Ratten leben".

Zum Abwassersystem gehören auch Regenüberlaufbecken (RÜB), von denen es in Metzingen bereits 15 gibt und noch vier zu bauen sind, sowie Regenrückhaltebecken. Ein RÜB hat die Funktion, bei starken Regenfällen die Menge an Abwasser, die von der Kläranlage nicht verarbeitet werden kann, zu speichern und zu verhindern, dass die darin enthaltenen Schmutzstoffe ungereinigt in den Vorfluter, beispielsweise die Erms, gelangen. So dient ein solches Bauwerk also auch dem Umweltschutz.

Ein Rückhaltebecken speichert Niederschlagswasser. Bei Regen speichert es das überschüssige Wasser zwischen und gibt es verlangsamt an das naheliegende Fließgewässer, den Vorfluter, ab. Auch Zisternen, die beispielsweise im Neubaugebiet Amtäcker-Brühl vorgeschrieben sind, haben diese Funktion. So werden Regenrückhaltebecken in Erd- oder Betonbauweise errichtet.


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